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EMKNI - 20.04.2001   Zurück zur Übersicht

Bischof Walter Klaibers Brief an den US-Präsidenten George W. Bush

Bischof Walter Klaiber schreibt George W. BushSehr geehrter Herr Präsident!
Ich grüße Sie im Namen der “Leute, die man Methodisten nennt”, und die in Deutschland leben. Wir beten darum, dass Gott Sie in Ihrer Verantwortung als Präsident der Vereinigten Staaten leiten möge. Auf Grund der großen Macht und des Einflusses sind die Entscheidungen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur bedeutsam für das Wohlergehen dieser Nation, sondern auch für die Zukunft der ganzen Welt.
Viele Menschen in unserer Evangelisch-methodistischen Kirche haben große Erwartungen, weil sie wissen, dass ein gläubiger Christ und treuer Methodist die Verantwortung für dieses Amt übernommen hat. Aber sie sind zugleich besorgt darüber, dass es einige wichtige Fragen gibt, in denen die Position, die Sie und Ihre Regierung vertreten, von dem abweicht, wovon Methodisten überzeugt sind.
Der Kirchenvorstand der deutschen Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche hat mich beauftragt, diesen Brief zu schreiben und Sie daran zu erinnern, dass die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche klar feststellen: “Wir sind gegen die Todesstrafe und fordern ihre Abschaffung aus allen Strafgesetzen weltweit.”
Die Generalkonferenz im Jahr 2000 hat diese Position in einer Resolution bekräftigt. Auf einen Abschnitt davon möchten wir Sie besonders hinweisen:
“Die Evangelisch-methodistische Kirche erklärt ihren Widerstand gegen die Beibehaltung und den Vollzug der Todesstrafe in welcher Form auch immer: Die Kirche fordert die Beseitigung der Todesstrafe.
Die internationalen Teile der Evangelisch-methodistischen Kirche beklagen außerordentlich die Anwendung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Menschen in den Zentralkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche und die Angehörigen der unabhängigen Methodistischen Kirchen bedauern diese Tatsache und sind bedrückt durch diese unmoralische Praxis in vielen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten. Das internationale Bewusstsein mobilisiert sich, um diese grausame Praxis zu verurteilen, und bezeichnet die Vereinigten Staaten in seinem Protest als ‚einen Feind zivilisierter Völker‘.”
Diese Worte beschreiben exakt die Gefühle vieler Christen in Deutschland, besonders der Methodisten.
Aus diesem Grund bitten wir Sie, Herr Präsident, dringend, ihre Position im Blick auf die Todesstrafe gemäß der Sozialen Grundsätze zu überdenken.
Dieselbe Enttäuschung und tiefe Sorge erfüllt viele Menschen in den Kirchen in Deutschland, wenn sie die Position Ihrer Regierung im Blick auf den Umweltschutz sehen, besonders die Frage der Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes.
Unsere Sozialen Grundsätze sagen an dieser Stelle klar:
“Wir treten für eine Umweltpolitik ein, die dazu dient, die Entstehung von industriellen Nebenprodukten und Abfall zu verringern und zu kontrollieren, die Entstehung von giftigen und nuklearen Abfällen möglichst zu vermeiden, deren Beseitigung beziehungsweise sichere Weiterverarbeitung zu gewährleisten, die Verringerung des Mülls zu fördern, Haus- und Sondermüll angemessen zu entsorgen, die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden zu vermeiden beziehungsweise für deren Reinigung und Erneuerung zu sorgen.”
Aus diesem Grund bitten wir Sie, Ihre Entscheidungen im Blick auf die Vereinbarung von Kyoto und die damit verbundenen Fragen noch einmal zu überdenken. Wir bitten Sie, Herr Präsident, nicht nur das Wohlergehen der Industrie in den Vereinigten Staaten im Augen zu haben, sondern in Ihre Überlegungen sowohl die Notwendigkeit mit einzubeziehen, die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen zu bewahren, als auch den Überlebenskampf so vieler Menschen weltweit, die bereits jetzt schon stark unter den Auswirkungen des Klimawandels auf der Erde leiden.
Möge Gott Ihnen Weisheit und Kraft geben, um die richtigen Entscheidungen zu treffen – im Einklang mit dem Willen Gottes, der uns berufen hat, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung seiner Schöpfung zu arbeiten.
Im Namen des Kirchenvorstandes der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche und mit unseren besten Wünschen grüße ich Sie herzlich.

Dr. Walter Klaiber,
Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland.


Quelle: EMK Deutschland

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