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EMKNI - 23.04.2001   Zurück zur Übersicht

Frankreich: "Charta Oecumenica" in Strassburg unterzeichnet

Zum Abschluss des Millenniums-Treffens der europäischen Kirchen in Strassburg, das vom 17.-bis 22. April 2001 stattfand, ist am Sonntag die "Charta Oecumenica" feierlich unterzeichnet worden. Der Prager Kardinal Miloslav Vlk, scheidender Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), und der orthodoxe Metropolit Jeremie, Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), setzten ihre Unterschriften unter das Dokument, das grundlegende ökumenische Aufgaben für die europäischen Kirchen beschreibt.
In dem Dokument verpflichten sich die Kirchen, gemeinsam zur Versöhnung von Völkern und Kulturen in Europa beizutragen. Auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens solle eine Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit gefördert werden. Allerdings stellt die Charta auch deutlich heraus, dass sie keinen lehramtlich-dogmatischen oder kirchenrechtlich-gesetzlichen Charakter hat. Ihre Verbindlichkeit bestehe vielmehr in der Selbstverpflichtung der europäischen Kirchen und ökumenischen Organisationen.
Die Charta Oecumenica bringt theologisch keinen ökumenischen Durchbruch und spricht nur allgemein vom "Ziel der eucharistischen Gemeinschaft", was im Klartext bedeutet, dass die Charta am Status quo der Trennung am Tisch des Herrn und der Trennung der Konfessionen überhaupt nichts ändert. Die europäischen Kirchen verpflichten sich zwar in dem Text zur innerchristlichen Ökumene mit dem letztlichen Ziel der eucharistischen Gemeinschaft. Ein erfahrener Ökumeniker formulierte dies in Strassburg so: "Ein nüchterner Realismus, der das faktische Lehren und Leben in den orthodoxen und evangelischen Kirche sowie in der römisch-katholischen Kirche ernst nimmt, zeigt, dass sich in absehbarer Zeit daran nichts ändern wird."
Während des Treffens wurde von Vertretern von KEK und CCEE verschiedentlich darauf hingewiesen, dass der Schwerpunkt bei der ökumenischen Charta auf dem Prozess liegt, den das Papier in den Kirchen auslösen soll, und weniger auf den darin formulierten Verpflichtungen.
Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf wird die Forderung nach regelmäßigen ökumenischen Gottesdiensten nicht mehr erhoben. Über ihre theologischen und spirituellen Aufgaben hinaus wollen die Kirchen auch an der Einigung Europas mitarbeiten. Die Charta spricht in diesem Zusammenhang soziale Verantwortung, die Verteidigung der Grundwerte, die Abwehr von Nationalismus und Gewalt sowie die Bewahrung der Schöpfung an.
Die ökumenischen Leitlinien äußern sich auch zur Herausforderung des Proselytismus und zur Berufung zu gemeinsamem Zeugnis der Kirchen. Dabei bleibt die Charta ganz im Rahmen des gleichnamigen Studiendokuments der Gemeinsamen Arbeitsgruppe des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und der römisch-katholischen Kirche von 1995. Unter dem Titel "Gemeinsam das Evangelium verkündigen" verpflichten sich die Kirchen: "über unsere Initiativen zur Evangelisierung mit anderen Kirchen zu sprechen, darüber Vereinbarungen zu treffen und so schädliche Konkurrenz sowie die Gefahr neuer Spaltungen zu vermeiden." Die Kirchen verpflichten sich ferner "anzuerkennen, das jeder Mensch seine religiöse und kirchliche Bindung in freier Gewissensentscheidung wählen kann. Niemand darf durch moralischen Druck oder materielle Anreize zur Konversion bewegt werden; ebenso darf niemand an einer aus freien Stücken erfolgenden Konversion gehindert werden."
Mit der Ökumene-Charta verpflichten sich die Kirchen aber auch, "die Religions- und Gewissensfreiheit von Menschen und Gemeinschaften anzuerkennen und dafür einzutreten, dass sie individuell und gemeinschaftlich, privat und öffentlich ihre Religion oder Weltanschauung im Rahmen des geltenden Rechtes praktizieren dürfen." Ferner wollen die europäischen Kirchen "für das Gespräch mit allen Menschen guten Willens offen sein, gemeinsame Anliegen mit ihnen verfolgen und ihnen den christlichen Glauben bezeugen."
Ausführlich geht das Dokument auf die Gemeinschaft mit den Weltreligionen ein. An erster Stelle steht dabei das Judentum, wobei die Verpflichtungen ausdrücklich die Abwehr von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft sowie die Forderung nach einem Dialog "auf allen Ebenen" mit den jüdischen Geschwistern nennen. Die Charta ruft zudem zur Pflege der Beziehungen zum Islam und zur Begegnung mit anderen Religionen und Weltanschauungen aus.
Der CCEE ist ein Zusammenschluss von 34 römisch-katholischen Bischofskonferenzen in Europa; zur KEK gehören 125 orthodoxe, reformatorische, anglikanische, freikirchliche und altkatholische europäische Kirchen.
Der offizielle deutsche Text der CHARTA OECUMENICA ist als PDF-Datei auf der Web Site des Adventistischen Pressedienstes unter: http://www.stanet.ch/APD/2001/charta_d.pdf abrufbar.


Quelle: Adventistischer Pressedienst (APD)

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