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EMKNI - 24.08.2001   Zurück zur Übersicht

USA: Gestohlene Glasfenster beliebt bei Hausbesitzern

Wenn Pfarrerin Loretta Ewell-Johnson die Kirche betritt, kommt es immer wieder vor, dass sie statt auf ein schönes Glasfenster nur durch die leere Öffnung auf die Welt dahinter sieht. Genau auf die Welt, aus der die Diebe kommen, die im Verlauf der letzten Zeit bereits 16 Glasfenster der St. Paul United Methodist Church (UMC) in Baltimore gestohlen haben. Unter dem Diebesgut sind auch Fenster, die von Gläubigen gestiftet worden waren. "Es ist schon erstaunlich, dass Menschen in die Kirche kommen, und Fenster entwenden, die seit dem Jahr 1913 zur Kirche gehören," so Ewell-Johnson.
Die Polizei macht Drogensüchtige, die in der heruntergewirtschafteten Umgebung der Kirche leben, für die Entwendungen verantwortlich. Die Glasfenster werden zur Finanzierung der Sucht in Antiquitäten- und Secondhand-Shops verkauft.
Gemäss Gesundheitsamt hat in Baltimore jeder achte Erwachsene Drogenprobleme.
In der amerikanischen Stadt mit der höchsten Heroinsüchtigenrate der USA, ist das Stehlen von Glasfenstern nichts Neues. Bisher waren aber vor allem Reihenhäuser aus den Anfängen des 20. Jahrhundert davon betroffen. Erst seit Kurzem sind nun auch Kirchen im Visier der Täter.
Aber Baltimore ist nicht die einzige Stadt, in der Dinge aus Kirchen gestohlen werden. In Rochester konnte die New Yorker Polizei einen Mann verhaften, der Farbglasfenster im Wert von 4500 Dollar aus der 94-jährigen Grace UMC entwendet hatte. Auch dort war der Dieb drogensüchtig. Und aus der 101-jährigen Buckland Memorial Chapel in Pontiac, Michigan, wurden letztes Jahr kathedralenähnliche Fester im Wert von 4000 Dollar entwendet. In beiden Fällen konnten die Kunstwerke wieder aufgefunden werden.
Besonders dreist war eine Diebstahlserie von religiösen Kunstgegenständen, die in New York über einen Zeitraum von 15 Jahren erfolgte, und bei der ein Tiffany-Experte mit einem "Friedhofsbandit" zusammenarbeitete.
Die Diebe verkaufen die Glasfenster zu etwa einem Sechstel des eigentlichen Werts. Die Zwischenhändler können sie dann oft mit 1000 Prozent Gewinn weiterverkaufen. Käufer sind meist Hausbesitzer, die ihr Anwesen mit den bunten Fenstern aufwerten wollen. Dafür sind die Käufer laut Bill Bird, Direktor einer Kunstglas-Lieferantenvereinigung bereit, sehr tief in die Tasche zu greifen.
Seit der Diebesserie in der St. Paul UMC sind von den 16 gestohlenen Fenstern erst drei wieder aufgefunden worden. "Ich bin den Menschen nicht böse, die die Fenster gestohlen haben. Ihre Tat sind durch Drogensucht und Arbeitslosigkeit verursacht," so Ewell-Johnson. "Einige von diesen Menschen sind in einem Zustand, in dem sie nach jedem Strohhalm greifen."


Quelle: The Associated Press

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