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EMKNI - 30.08.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Geschäftsstelle des SEK im Kreuzfeuer der Kritik

Die Geschäftsstelle des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes reorganisiert sich zum zweiten Mal innert weniger Jahre. Die Verantwortlichen sprechen von einem Aufbruch, Mitarbeitende jedoch unter anderem von autoritärem Führungsstil.
Das Berner Kirchenblatt "saemann" schreibt in seiner neusten Ausgabe (9/2001) nicht nur über die richtungweisenden Visionen der Verantwortlichen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Unter Berufung auf ehemalige und gegenwärtige Mitarbeitende berichtet es auch von unerträglich gewordener Arbeitssituation, gar von diktatorischem Verhalten der Vorgesetzten.
Das belegen laut "saemann" verschiedene Kündigungen und der Rücktritt der Theologischen Kommission des SEK. Professor Christoph Müller, langjähriges Mitglied dieser Kommission, hatte dem SEK-Rat unter anderem Konzeptlosigkeit vorgeworfen. Kritisch äußern sich gegenüber dem "saemann" auch die ehemalige Migrationsbeauftragte Hildegard Hungerbühler und Hans Ulrich Germann, ehemals theologischer Mitarbeiter beim Institut für Sozialethik. Beide sprechen von einem "autoritären Führungsstil" innerhalb des SEK.
Und schließlich berichten heutige Mitarbeitende gegenüber dem "saemann", Angestellte seien gegeneinander ausgespielt worden. Das Klima sei von Misstrauen geprägt.
Thomas Wipf, Präsident des SEK-Rates, Markus Sahli, Geschäftsführer des SEK, und Ralf Pfaff, Mitglied der SEK- Geschäftsleitung, reagierten gegenüber dem Berner Kirchenblatt überrascht auf die Vorwürfe. "Ich bemühe mich ehrlich und redlich darum, mit sämtlichen Personen an einen Tisch zu sitzen und möglichst alle bei Entscheidungen einzubeziehen", sagte Pfaff. Und Sahli: "Mir gegenüber ist der Führungsstil der Geschäftsleitung nie kritisiert worden."
Auf die Kritik angesprochen, nimmt Wipf Stellung. Die Geschäftsstelle des SEK befinde sich in einem Umbruch und in einer Reorganisation, sagte er gegenüber der Zeitschrift "Reformierte Presse" und der Agentur RNA. Das führe zwangsläufig zu Unsicherheiten und Spannungen.
Über die Jahre hinweg eingespielte Abläufe und Gewohnheiten würden hinterfragt. Zudem treffen laut Wipf unterschiedliche Arbeits- und Betriebskulturen aufeinander. Dennoch sei auch viel Aufbruch und Motivation zu verspüren, im und für den SEK zu arbeiten.
Wipf weist den Vorwurf der Konzeptlosigkeit zurück. Rat und Geschäftsstelle hätten in der letzten Zeit intensiv an Zielen und Strategien für den SEK gearbeitet. Diese seien von der Juni-Abgeordnetenversammlung zur Kenntnis genommen worden. Aus den Bemühungen, sie umzusetzen, resultiere eine spürbare Führung, die man für einen kirchlichen Betrieb "vielleicht straff, jedoch nicht militärisch" nennen könne.
Dass es ein Misstrauensklima geben soll, hat Wipf so nicht bemerkt. Aber er nimmt die Wahrnehmung anderer zur Kenntnis. Es habe Anfang Woche bereits ein Mitarbeitergespräch stattgefunden.
Sie seien übereingekommen, die Kommunikation untereinander zu intensivieren. Wipf: "Die Gespräche, die wir über die Reorganisation führten, hatten offenbar nicht den Erfolg, den wir uns gewünscht haben."
Gefragt, welche Möglichkeiten die Mitarbeitenden bei Problemen mit den Vorgesetzten haben, weist Thomas Wipf auf zwei Ansprechpartnerinnen hin: die Personalkommission des Kirchenbunds und die Geschäftsprüfungskommission der SEK-Abgeordnetenversammlung. Deshalb habe ihn denn auch "der Weg, Probleme und Frustrationen über die Öffentlichkeit zu kommunizieren", erstaunt.
Ähnlich äusserte sich Erika Welt, Präsidentin der SEK-Abgeordnetenversammlung und Methodistin. Wie in jedem Betrieb gälten auch im SEK die Dienstwege, sagte sie auf Anfrage. "Ist jemand mit dem direkten Vorgesetzten nicht einverstanden und findet kein Gespräch mit ihm, kann er eine Stufe gehen." Dazu komme, dass "eine bestehende Personalkommission gerade auch für Auseinandersetzungen Hilfestellung geben kann und muss".
Es sei in den meisten Betrieben so, dass bei einem Wechsel der Leitung "einige Angestellte den Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung als gegeben erachteten". Ähnliches gelte für den Rücktritt der theologische Kommission, die durch die neue Struktur ebenfalls eine neue Stellung bekommen habe.
Als Präsidentin der AV wünsche sie sich, dass der Reorganisationsprozess 2001 "nicht durch unnötige Diskussionen gestört wird".


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

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