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EMKNI - 14.12.2001   Zurück zur Übersicht

Chile: Methodist und evangelischer Seelsorger in der "Moneda"

Als erstes Land Lateinamerikas hat Chile nun nicht mehr nur einen römisch-katholischen, sondern auch einen evangelischen Geistlichen im Dienst für Regierung und Präsident. Der noch amtierende Methodistenbischof Neftalí Aravena wurde im Beisein mehrerer Minister sowie kirchenleitender evangelischer Persönlichkeiten aller Richtungen in das neu geschaffene Amt eingeführt. In seiner Ansprache zeigte sich der Präsident erfreut auch über die Gegenwart des katholischen Seelsorgers Cowley und Vertretern des katholischen Ökumenismus. In einem Land, in dem derzeit eine besonders konservative Kirchenleitung ihren Einfluss in einer Weise geltend macht, die offene Spannungen zwischen ihr und der derzeitigen Regierung hervorruft, ist dies in der Tat keine Selbstverständlichkeit.
Evangelische Präsenz im Regierungspalast zu ermöglichen ist die Erfüllung eines Wahlversprechens des sozialdemokratischen Präsidenten Lagos. Sie sei ein weiterer Schritt hin zu echter Gleichstellung auf der Grundlage des vor zwei Jahren verabschiedeten Religionsgesetzes. "Menschen ändern sich manchmal langsamer als die Gesetze", kommentierte Lagos, "und es fällt manchen nicht leicht, ein Ja zu Toleranz und religiöser Vielfalt zu finden". Unterschiedliche Kirchen und Glaubensauffassungen aber seien ein Reichtum für das Land, und die Zusammenarbeit mit allen Kirchen ein Potential hin zu einer offeneren, solidarischeren und demokratischeren Gesellschaft. Die nächsten Schritte auf diesem Wege seien die Ermöglichung von Gefängnis- Krankenhaus und Militärseelsorge sowie die Regelung des evangelischen Religionsunterrichtes in den öffentlichen Schulen. Auch solle die Zusammenarbeit mit diakonischen Einrichtungen der evangelischen Kirchen verstärkt gesucht werden.
Neftalí Aravena, dessen Amtszeit als Methodistenbischof demnächst zu Ende geht, ist in Chile durch sein beherztes Eintreten für die Menschenrechte bekannt geworden, besonders auch für die der Frauen und Kinder. Er gehörte in der Zeit der Diktatur zum evangelischen Widerstand und nahm als Vertreter der Evangelischen Kirchen aktiv am Runden Tisch zur Aufklärung der Greuel der Militärdiktatur teil.

Weitere Informationen zu diesem Artikel von Pastor Martin Breitenfeldt sind erhältlich bei brtnfldt@vtr.net.

Pastor Martin Breitenfeldt ist evangelisch-lutherischer Theologe und Dozent für Kirchengeschichte an der Facultad Evangélica de Teología CTE in Santiago. Ausgesandt wurde er von der Basler Mission/Mission21. Er ist Mitbegründer des Servicio Evangélico de Prensa Chile (SEPCH).


Quelle: Servicio Evangélico de Prensa Chile (SEPCH) - Martin Breitenfeldt

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