Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 05.07.2001   Zurück zur Übersicht

Mazedonien: Trajkovskis einsamer Kampf um den Frieden

Boris Trajkovski setzt sich aktiv für den Frieden in Mazedonien einMazedoniens Präsident Boris Trajkovski dürfte derzeit der einzige maßgebliche mazedonische Politiker sein, der ernsthaft auf eine Verhandlungslösung im Konflikt zwischen den slawischen und den albanischen Mazedoniern setzt. Am Mittwoch brachte er die festgefahrenen Gespräche der Parteien des Landes wieder in Gang. Grundlage der Verhandlungen wird ein neuer Verfassungsentwurf des französischen Verfassungsexperten Robert Badinter sein. Die albanische Volksgruppe soll mehr Rechte erhalten. Auch für Nato-Generalsekretär George Robertson ist der Präsident der "einzige Ansprechpartner" in Skopje. Eine graue Maus als Hoffnungsträger: Als der 45jährige Jurist 1999 zum Präsidenten gewählt wurde, galt er als farbloser Bürokrat. Er konnte sich erst im zweiten Wahlgang und mit massiver Unterstützung der albanischen Volksgruppe durchsetzen. Seine Karriere begann er als außenpolitischer Berater des Ministerpräsidenten Ljubco Georgievski; später wurde er dessen Vize-Außenminister. Es ist es ausgerechnet der bibelfeste Methodist Trajkovski, der seinen orthodoxen Landsleuten bittere Wahrheiten verkündet. Etwa letzte Woche, als er die kampflose Evakuierung von 300 albanischen Extremisten aus dem Dorf Aracinovo einige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Skopje verteidigte.
Er ist auch der einzige, der bisher ein klares Friedenskonzept vorgelegt hat: Militärischer Druck auf die UCK und eine anschließende Verhandlungslösung. Er war es auch, der der Nato vorschlug, eine Friedensstreitmacht aufzustellen, die dann im Falle eines Friedensabkommens die Extremisten überwachen soll. Doch all das macht Trajkovski sowohl unter albanischen als auch unter slawischen Mazedoniern unpopulär. Die Albaner machen ihn in den Kellern ihrer beschossenen Häuser für ihr Unglück verantwortlich. Innerhalb seiner Partei, der nationalistischen VMRO-DPMNE, scheint Trajkovski isoliert zu sein.
Die Befürworter einer bewaffneten Lösung, allen voran wahrscheinlich Ministerpräsident Georgievski selbst, haben die Zügel fest in der Hand. Sie geben Waffen an Parteimilizen aus. Bei den Hardlinern herrscht die Meinung vor, dass jedes politische Nachgeben die Rebellen nur noch stärker macht. Die Zustimmung ihrer Landsleute ist den Scharfmachern sicher.
"Es ist nicht fair. Nein, das ist nicht fair", bekommt man in den Straßen Mazedoniens zu hören. Der Westen unterstütze die Albaner, glaubt man. Die Nato ist daher für viele Mazedonier kein Schiedsrichter. Deshalb wird auch eine Friedenstruppe abgelehnt. Ein Hotelrezpetionist meint: "Ich will kein Eingreifen der Nato. Wir können das selbst erledigen. Aber man lässt uns nicht. Unsere Regierung erhält keine Erlaubnis aus dem Ausland." Die Zeichen stehen auf Sturm. Eine Einigung der Parteien ist vielleicht die letzte Hoffnung. Vertrauen aber haben viele keines mehr. Das zeigen gerade die langen Menschenschlangen vor den ausländischen Konsulaten.


Quelle: Die Presse – Christian Gonsa

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"