Alte Version dieser Seite EMKNI en franšais
-
EMKNI - 06.07.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Ergebnisse der Íkumenische Konsultation den Medien vorgestellt

Erstmals haben sich die Kirchen im Schweizerischen-Evangelischen Kirchenbund (SEK) und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz gemeinsam der Frage nach der sozialen und wirtschaftlichen Zukunft des Landes gestellt. In einem "Wort der Kirchen" wurden die Anliegen der Stellungnahmen aufgenommen, die im Rahmen der im Januar 1998 lancierten und jetzt abgeschlossenen Ökumenischen Konsultation eingetroffen sind. Das Papier ist am vergangenen Dienstag von Kirchenvertretern in Bern den Medien vorgestellt worden.
Über tausend Einsenderinnen und Einsender nahmen mit einer oder mehreren Stellungnahmen an der Ökumenischen Konsultation teil. Das "Wort der Kirchen" lege die Sicht auf einige der brennendsten Fragen unserer Gesellschaft dar, gebe Anregungen zur Gestaltung einer lebenswerten und menschenwürdigen Zukunft und richte sich damit an alle, denen die Zukunft unserer Gesellschaft wichtig sei, hieß es an der Pressekonferenz in Bern. Im Vordergrund stünden Hoffnung und gemeinsam verantwortete Freiheit.
Das mit "Miteinander in die Zukunft" betitelte Papier sei "die Frucht eines langen, keineswegs abgeschlossenen Prozesses", betonte Bischof Amédée Grab, Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz an der Medienkonferenz. Und Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, unterstrich, dass es die Pflicht der Kirchen sei, "die Erfahrungen und Gefühle vor allem auch jener ins Gespräch zu bringen, die nicht zu den Gewinnern der gegenwärtigen beschleunigten sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung gehören".
In verschiedenen Zusammenhängen wird in den Einsendungen denn auch eine Verschlechterung des sozialen Klimas festgestellt. Als Ursachen werden einerseits die Wirtschaft und deren zunehmender Einfluss auf die übrigen Lebensbereiche genannt. Andererseits werden auch persönliche Haltungen wie der Individualismus, eine schwindende Solidarität und eine verbreitete Konsumhaltung als Ursache dieser Verschlechterung ausgemacht.
Die Umwälzungen in der Arbeitswelt sind denn auch ein zentrales Thema in den Stellungnahmen. Dabei beunruhigen nicht nur der drohende Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch der zunehmende Druck und die Konkurrenz, welche für die Arbeitnehmenden spürbar werden. Insgesamt zeigt der Bericht: dass es "nicht der Wandel an sich ist, der Bedrohungsgefühle auslöst, sondern vielmehr das Wegfallen von Werten, auf die man sich bis jetzt verlassen zu können glaubte", betonte Thomas Wipf.
Zu verschiedenen Bereichen wie Familie, Migration, Arbeit, Umgang mit Umwelt und Geld, Politik im Dienste des Gemeinwohls und Verhältnis der Schweiz zur Welt werden daher konkrete Forderungen gestellt. Dazu gehören die materielle Entlastung der Familien, eine Asylpolitik, die sich am moralischen Anspruch zu orientieren hat, Menschen Zuflucht zu gewähren, aber auch die vereinfachte Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern der zweiten und dritten Generation.
Zur Erreichung einer humanen und gerechten Arbeitsgesellschaft wird eine Höherbewertung der Nichterwerbsarbeit für die Gesellschaft gegenüber dem Wert der Erwerbsarbeit stärker zur Geltung in den Vordergrund gestellt. Beim Umgang mit Umwelt und Geld werden unter anderem die Entlastung des Faktors Arbeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Energieeffizienz durch eine ökologische Steuerreform und die Besteuerung von Finanztransaktionen und spekulativer Kapitalverschiebungen genannt. Außenpolitisch stellen sich die Kirchen hinter die Einbindung der Schweiz in die UNO.
Das "Wort der Kirchen" sei ein Versuch, Impulse zu geben, meinte Thomas Wipf. Es wird nun an einem festlichen Schlussakt am 1. September in Bern Vertretern der Politik, der Wirtschaft sowie der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer überreicht. Dieser Schlussakt soll "ein Zeichen der Anerkennung" sein für alle, die an der Konsultation teilgenommen haben.
Auch der diesjährige Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag am 16. September wird mit einer ökumenischen Bettagsbotschaft der Konsultation gewidmet sein. Ein zweisprachiger ökumenischer Gottesdienst in Payerne VD mit Bundespräsident Moritz Leuenberger als Ehrengast wird sich ebenfalls mit dem Thema befassen. Die Feier wird vom Schweizer Fernsehen übertragen werden.
Die Anliegen des "Wortes der Kirchen" sollen aber nicht einfach versanden. Daher wird eine "Follow-up"-Gruppe Ideen entwickeln, wie diese Anliegen in der Kirche und durch die Kirche, durch Gemeinden und Pfarreien weitergeführt und -entwickelt werden können.
Weitere Informationen zum "Wort der Kirchen" unter http://www.kirchen.ch/konsultation/auswertungsbericht.html.


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

-----------
Ver÷ffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"