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EMKNI - 18.07.2001   Zurück zur Übersicht

USA: Joe Hale verlässt das World Methodist Council nach 25 Jahren Einsatz für den Frieden

Joseph Rice Hale wird an der Methodistischen Weltkonferenz ende Juli sein Amt als Generalsekretär niederlegen.Wenn Pfarrer Joe Hale das Amt des Generalsekretärs des World Methodist Council (WMC) an der Methodistischen Weltkonferenz vom 25. bis 31. Juli in Brighton, England, niederlegen wird, liegen 25 Jahre Einsatz für den Frieden hinter ihm.
All die Jahre setzte sich Hale aus einer christlichen Grundhaltung heraus für Frieden und Gerechtigkeit ein. So traf er sich mit Staatsoberhäupter vieler Länder der Erde und überreichte den World Methodist Peace Award Persönlichkeiten wie Nelson Mandela. Auch das Treffen mit Papst Johannes Paul II. und ihr gemeinsames Beten war Ausdruck von Hales Suche nach Versöhnung.
Das WMC ist eine Dachorganisation von 74 methodistischen und vereinigten Kirchen. Zum WMC zählen 36 Millionen Menschen in 130 Nationen. Alle diese Kirchen haben ihre Wurzeln in der methodistischen Bewegung, die im 18. Jahrhundert ihren Ausgang in England nahm. Das WMC wurde 1881 in London gegründet. Heute befindet sich der Hauptsitz in Lake Junaluska, North Caroline.
Dr. Hale wurde 1976 in Dublin, Irland, zum Generalsekretär des WMC gewählt. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird Ende Juli an der Methodistischen Weltkonferenz in Brighton gewählt werden. Dazu nominiert ist Pfarrer George Freeman, ein Mitglied der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Virginia, USA.
Die wichtigsten Schwerpunkte des WMC sind, laut Hale, die Weltevangelisation, der weltweit vergebene, methodistischen Friedenspreis, ein Austauschprogramm für Pfarrer sowie das Gespräch mit andern religiösen Gruppierungen, z.B. mit der katholischen Kirche.
Der anhaltende Dialog und die Beziehungen zum Vatikan ist denn auch der wichtigste Aspekt in Hales Arbeit gewesen. Gerade im Blick auf die nichtchristliche Gesellschaft gelte es, den Eindruck der Zerstrittenheit zwischen den Denominationen zu überwinden, so Hale. "Es gibt Orte und Zeiten, in denen wir verschiedene Wege gehen, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht zum gleichen Leib Christi gehören... Wir (Methodisten) bestehen nicht darauf, dass wir nur mit denen gemeinsam unterwegs sein wollen, mit denen wir zu 100 Prozent übereinstimmen. Das tun wir ja auch in keinem andern Bereich unseres Lebens."
Joe Hale ist mehr als einmal mit Papst Johannes Paul II. zusammengetroffen. Ein besonderes Erlebnis bleibt ihm sicher in Erinnerung. Vor fünf Jahren musste er eine Reise nach Rom absagen, weil seine Frau bei einem Unfall ein Bein brach. Hale organisierte trotzdem noch für die 200 Menschen, die mit ihm gereist währen, eine Audienz beim Papst. Während sich Mary Hale im Spital behandeln ließ, erhielt das Ehepaar einen Telefonanruf aus dem Vatikan, in dem sich der Papst nach dem Ergehen der Verunfallten erkundigte, und mitteilen ließ, dass er 25'000 Pilgern auf dem St. Peterplatz von Marys Unfall erzählt und für sie gebetet habe. Hale vermutet, dass seine Frau die einzige Protestantin ist, für die der Papst namentlich mit Pilgern auf dem Petersplatz gebetet hatte.
Als Hale im Jahr 2000 den Methodistischen Friedenspreis Nelson Mandela überreichen durfte, besprach er die Übergabe vorgängig telefonisch mit dem südafrikanischen Staatsmann. "Er sagte mir, er habe schon viele Auszeichnungen erhalten, darunter der Friedensnobelpreis – 'aber die größte Auszeichnung meines Lebens ist die meiner Kirche'".
Als der Methodistische Friedenspreis 1978 an Anwar El Sadat von Ägypten ging, versprach dieser den Bau eines Gotteshauses auf dem Berg Sinai, welches für Christen, Muslime und Juden gleichermaßen offen sei. Leider konnte er dieses Ansinnen nie verwirklichen. Ein Jahr später viel er einem Attentat zum Opfer.
Anlässlich der Renovation der historischen Wesely's Chapel in London war Hale auch Gast bei Königin Elizabeth und Prinz Philip. Hales Bruder Clay, eine Orgelexperte, hatte sich an dieser Renovation beteiligt. Ein Freund von Joe Hale stellte Joe der Queen mit den Worten vor: "Ma'am, das ist Joe Hale. Sein Bruder Clay war hier in London, und verbrachte zwei Wochen in den Innereien der Orgel." Die Queen habe geantwortet: "Das sind wirklich gemeine Dinger, nicht war." "Und das war denn auch schon meine ganze Konversation mit der Monarchin," erzählte Hale lachend.
Zu den weiteren bekannten Persönlichkeiten, mit denen Joe Hale in seiner Zeit als Generalsekretär des WMC zusammenkam, gehören König Baudouin von Belgien, der sowjetische Präsident Andrei Gromyko und der Evangelist Billy Graham. Durch das Wirken Graham kam Hale den auch zum Glauben an Jesus Christus.
Joseph Rice Hale stammt aus einer Familie mit vielen Pfarrern. Geboren wurde er 1935 im texanischen Teil von Texarkana. Der arkansas-loyale Vater jedoch löschte in der Geburtsurkunde das Wort Texas säuberlich aus, und überschrieb es mit "Arkansas". David Rice, sein Urgrossvater war presbyterianischer Pfarrer und Gründer der Transylvania University in Lexington, Kentucky. Drei von Joe Hales vier Brüdern wurden Pfarrer.
Als Joe Hale 9 Jahre alt war, begann er sich für die artistische Zauberei zu interessieren. Schon bald trat er 40 mal pro Jahr auf, und verzauberte mit seiner Fingerfertigkeit das Publikum. Harry Blackstone, der damals berühmteste Magier, lernte er mit 13 Jahren kennen. Blackstone nam sich des jungen Burschen an, und zeigte ihm einige Tricks. Hale erfuhr so, wie es Blackstone schaffte, in dem Moment, in dem er vorn auf der Bühne verschwand, hinten durch den Vorhang wieder hereinzukommen. "Er hatte einen Zwilingsbruder."
Die theologische Ausbildung erhielt Hale im Asbury College in Wilmore und in der Perkins School of Theology, eine Abteilung der renommierten Southern Methodist University in Dallas. 1964 heiratet er Mary Richey. Beide durften sich 1968 über die Geburt des einzigen Kindes, Jeff, freuen.
Hale war Pfarrer mehrerer Gemeinde in Texas. Berühmt waren auch seine Jugendfreizeiten auf dem Campingplatz in San Antonio. Vor 600 jungen Menschen zeigte er 1968 zum letzten mal den Houdini nachempfundenen Befreiungstrick, bei dem er Kopfüber in dreißig Meter Höhe sich auch einer Zwangsjacke herausarbeitete.
Der Generalsekretär des WMC hat schon in vielen Ländern gepredigt, oft auch in politisch-militärisch instabilen Staaten. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs verkündigte er die Liebe Christi in der Sowjetunion.
Seine Reiseerfahrung ist beachtlich. So lehrt Hale: "Es gibt drei grundsätzliche Aspekte des Reisens. 1. Bereite dich vor der Reise vor. 2. Sei ganz dort. 3. Verarbeite das Erlebte. Ohne den 1. und 3. Grundsatz bist du bloß ein Tourist."
Die Methodistische Weltkonferenz in Brighton wird die letzte sein, die Dr. Hale als Generalsekretär erleben wird. Mit dabei ist der ökumenische Leiter der Römisch-katholischen Kirche, Kardinal Edward Idris Cassidy, der Astrophysiker David Wilkinson und der Leiter der Südafrikanischen Methodistenkirche, Bischof Mvume Dandala.
Das Wort "pensioniert" will Hale nicht in den Mund nehmen. "Ich bin nicht sicher, was kommen wird... Ich will es einfach einmal so sagen: Ich werde nicht mehr länger Generalsekretär des World Methodist Councils sein." Fraglos wird Joe Hale auch in Zukunft, ganz im Sinne John Wesleys, die Welt als seine Pfarrei betrachten. Für den Kirchenmann ist die ganze Erde heimisches Territorium.
Weitere Infos zum World Methodist Council findet man unter http://umns.umc.org/wmc/agenda.htm.


Quelle: United Methodist News Service

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