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EMKNI - 19.07.2001   Zurück zur Übersicht

Nigeria: Hautbleichung kostet politischem Sprecher den Job

Ein Abgeordneter des House of Assembly in der nordnigerianischen Provinz Kano wurde Ende Juni entlassen, weil er seine Hauptpigmente aufhellen lies. Dies sei eine Praxis, welche der Islam verbiete.
Der entlassene Abgeordnete Abdullahi Gwarmai vermutet jedoch, dass er Opfer einer politischen Intrige geworden sei. In einer Presseerklärung besteht er darauf, dass die Entlassung geltendes Recht verletzt habe. "Ich habe meine Haut seit Kindheit gebleicht; alle haben das gewusst."
Die Abgeordneten im House of Assembly hatten mit 29 zu 15 stimmen für die Entlassung Gwarmais gestimmt. Begründet wurde es damit, dass das Bleichen der Haut zur Sharia, dem islamischen Recht, im Widerspruch stehe. Die Sharia wurde vor einem Jahr in Kano eingeführt.
Mojeed Lawal, ein Muslim, erklärte gegenüber Inter Press Service (IPS), das Bleichen der Haut werde vom Koran abgelehnt. "Es wird als moralische Schwäche gesehen," so Lawal. "Das gilt besonders für Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden. Wenn jemand in einer solchen Aufgabe stehe, dann ist er ein Vorbild in moralischer, religiöser und politischer Hinsicht. Dann sollte er erst recht das Bleichen meiden... In einem islamischen Umfeld ist eine Person, die das tut, jemand der sich selbst disqualifiziert."
Der Moslem erhält Schützenhilfe von Patrick Bamidele von der Methodistenkirche. Laut Bamidele beschreibe die Bibel den menschlichen Körper als Tempel Gottes. Und er zitiert 1. Korinther 3,17: "Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben."
Bello Yandadi, der Vorsitzende des House of Assembly, betonte, er habe Gwarmai verschiedene Male gewarnt und darauf hingewiesen, er solle das Bleichen der Haut stoppen. Zudem habe der Abgeordnete sehr oft in der Versammlung gefehlt. Daher habe er ihm das Amt des Obersten Richters entzogen.
Dr Akin Akinlade, der für ein staatliches Spital in Lagos arbeitet, bestätigte gegenüber IPS, dass er täglich mehrere Anfragen zur Hautbleichungen erhalte. "Ich habe festgestellt, das die Haut von Personen, die sich die Haut bleichen lassen, anfälliger für Hautinfektionen und den tödlichen Hautkrebs sind... Auch auf Hautirritationen reagieren diese Menschen anfälliger, und Heilungsprozesse laufen viel langsamer ab. Manche Hautbleicher verwenden Steroide. Wer diese jedoch über längere Zeit verwendet, erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken," so Akinlade. "Hautkrebs ist ein Gesundheitsrisiko ohne irgendwelchen Nutzen."
Eine Studie vom Lagos University Teaching Hospital hat ergeben, dass 77,3 Prozent der Händler in der Stadt sich die Haut bleichen lassen. Von 348 Händler, die Hautbleichungscreme verwenden, sind 252 Frauen und 96 Männer.


Quelle: Inter Press Service (IPS)

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