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EMKNI - 20.07.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: SEK für Knigge évangélique

Seit über zwei Jahren besteht eine Vereinbarung, die besagt, dass sich protestantische Landeskirchen und evangelische Freikirchen in der Westschweiz nicht gegenseitig bekämpfen sollen. Das Thema kommt auch in der Deutschschweiz wieder auf den Tisch.
Die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), die vom 17. bis 19. Juni in Montmirail tagte, hat von einer gemeinsamen Erklärung zwischen dem Rat des SEK und des Westschweizer Freikirchenverbandes (FREOE) zustimmend Kenntnis genommen. Die gemeinsame Erklärung des Kirchenbundes und der FREOE war bereits im Dezember 1998 unterzeichnet worden. Sie soll dazu beitragen, den Umgang zwischen freikirchlichen und landeskirchlichen Ortsgemeinden zu verbessern. Grundsätzlich verpflichten sich FREOE und SEK, das Verhältnis offen und dialogisch zu gestalten. Auf herabwürdigende Kritik soll auf beiden Seiten verzichtet werden. Respekt, regelmäßiger Informationsaustausch, Suche nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sowie gegenseitige Hilfe und Unterstützung von Freikirchen und Landeskirche an einem Ort gehören zum Programm. Die Parteien verpflichten sich ebenfalls keine aktiven Gemeindegliedern zum eigenen Vorteil anderen Gemeinden abzuwerben. Die Erklärung enthält im Weiteren einen Aufruf dazu, das Evangelium jenen zu bringen, die dem christlichen Glauben fern stehen und keiner Kirche angehören. Ob damit in erster Linie ein Verzicht auf proselytische Aktivitäten (Abwerben anderer Kirchenglieder) oder eher eine Ermunterung zu einer engagierten Evangelisation gemeint ist, bleibt im Text offen. Allerdings wird auch festgehalten, dass in der aktuellen Situation persönliche Entschlüsse, die Kirchenzugehörigkeit zu wechseln, geachtet und mit "der gebotenen pastoralen Sorgfalt" begleitet werden sollen.
Es gibt einen Unterschied zwischen Freikirchen und sektiererischen Gruppen. Diese Tatsache soll auch der Kirchenbund verteidigen und damit den oft in den Medien gemachten Vermischungen entgegentreten. Dagegen wollen die Freikirchen um ein christliches Bekenntnis bemüht sein, das gegenüber den Landeskirchen offen und solidarisch ist. Durch regelmäßige Begegnungen zwischen SEK und FREOE (mindestens ein bis zwei Mal pro Jahr) soll das Verständnis für einander gefördert werden.
Ziel der Erklärung, ein "innerevangelischer Knigge", sei, dass Freikirchen von den Landeskirchen ernst genommen würden und dass umgekehrt auch die Freikirchen die Landeskirche ernst nähmen und positiv die Gemeinsamkeiten betonten, sagt Pierre Vonaesch vom Rat des Evangelischen Kirchenbundes. In einer Region im Waadtland sei es als Folge der Erklärung auch bereits zu einer Entkrampfung im gegenseitigen Verhältnis gekommen.
Beim Kirchenbund hält man grundsätzlich einen solchen Verhaltenskodex auch für die Deutschschweizer Freikirchen für sinnvoll. Diesbezüglich wurden mit der Leitung des Verbandes evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG) auch schon Gespräche aufgenommen. Allerdings weist man beim SEK darauf hin, dass im VFG das Thema lange Zeit sehr kritisch behandelt worden sei. Darum wolle sich der Kirchenrat vorerst zurückhalten. Vielversprechender könnte es sein, wenn der Westschweizer Freikirchenverband (FREOE) direkt beim VFG nachstoße und den Nutzen einer solchen Abmachung überzeugend vertrete, glaubt Vonaesch.


Quelle: idea schweiz – Thomas Hanimann

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