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EMKNI - 06.06.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Was denken die Evangelischen Kirchen über die Gleichgeschlechtlichkeit

In einer Medienkonferenz stellte gestern in Bern der Schweizerische Evangelische Kirchenbund das Buch "Gleichgeschlechtlichkeit. Überlegungen und Gesprächsanstösse zu den Stellungnahmen der Evangelischen Kirchen der Schweiz" vor. Das Werk fast die Haltungen der reformierten Kantonalkirchen und anderer evangelischer Kirchen des SEK zusammen, darunter auch die der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK).
Über Sinn und Zweck dieses Werkes schreibt Dr. theol. Isabelle Graessle, Pfarrerin in Genf und Präsidentin der Theologischen Kommission des SEK:
"Wir wollen die Frage der Homosexualität innerhalb der protestantischen Kirchen der Schweiz aufgreifen und die Widerstände, die regelmäßig bei der Behandlung dieser Themen in den Kirchen entstehen, kritisch hinterfragen. Sicherlich hat eine Mentalitätsveränderung stattgefunden – aber offensichtlich in der Gesellschaft in stärkerem Masse als innerhalb der Kirche. Homosexuelle Paare treffen auf immer mehr Akzeptanz, um so mehr, als in einigen europäischen Staaten, die Frage der zivilrechtlichen Absicherung aufgearbeitet wird. Zu erwähnen ist auch der Kanton Genf, der sich im Februar 2001 für einen Solidaritätspakt ausgesprochen hat.
Aber wie ist der Stand der Dinge in den Kirchen? Sind diese bereit, gleichgeschlechtliche Trauungen zu akzeptieren? Sind die Kirchen ebenfalls bereit, homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen einzustellen und ihnen zu gestatten, mit ihrem Partner gemeinsam, im zur Verfügung gestellten Pfarrhaus zu leben - Vorstellungen, die vor einem oder zwei Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wären.
Der gegenwärtige Stand der Situation der Kirchen war der Ausgangspunkt unserer Veröffentlichung. Wir haben also die verschiedenen Stellungnahmen und die vorhergehenden Debatten, die zu den Entscheiden der evangelischen Kirchen führten, eingehend gelesen und studiert. Wir haben ebenfalls versucht, die Gründe für theologische und ethische Konflikte zu analysieren. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben die Autoren und Autorinnen unseres Buches ihre Überlegungen angestellt.
Der andere Aspekt unserer Arbeit bestand neben der einfachen schweizerischen Standortanalyse darin, den Kirchen eine zukunftsweisende Hilfe anzubieten, welche es erlauben sollte, die Fallstricke solcher Debatten zu umgehen.
Sicherlich haben bereits einige Synodalräte für oder gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare in der Kirche Stellung genommen. Andere haben dies noch nicht getan und werden früher oder später in die Situation geraten, dies tun zu müssen (sei es nur, um den Vorwurf der Diskriminierung zu verhindern, falls die Gesetzgebung der Kirche sich unglücklicherweise als strenger erweisen sollte, als die des Staates).
Und selbst in den Kirchen, welche sich für die Anerkennung homosexueller Menschen ausgesprochen haben, vereinfachen oppositionelle Strömungen diesen Entscheidungsprozess in keiner Weise.
Mehr Ausgeglichenheit, Offenheit und weniger gereizte Stimmung: das ist es, was wir den Kirchen wünschen, welche sich mit diesen Fragen werden auseinandersetzen müssen. Unser Buch soll dazu die Grundlagen liefern.
Eine betroffene Person, welche in unserem Buch anonym zu Wort kam, hat uns auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht, dem in den kirchlichen Diskursen nicht genügend Beachtung geschenkt wird: Jenseits jeglicher theologischer oder anthroposophischer Meinungen darf nicht das Wesentlichste vergessen werden, nämlich die Liebe, welche die gleichgeschlechtlichen Paare vereint. Dieselbe Liebe, die auch heterosexuelle Paare vereint.
Werden nicht, in Gegenwart dieser Liebe, die restlichen Fragen zweitrangig?"


Quelle: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK)

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