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EMKNI - 08.06.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Öffentlicher Abend zum Thema „Gemeinde mit Profil“

Andreas Fürbringer an der Jährlichen KonferenzGestern abend war der öffentliche Abend der Jährlichen Konferenz den Themen Gemeindeentwicklung und Gemeindewachstum gewidmet. Durch den Abend leitete Peter Andres, Präsident der Kommission für den geistlichen Dienst der EMK-Rothrist. Als Einstieg führte Werner Strub einen Sketch vor, wie eine typische Kommissionssitzung in der EMK abläuft. Andreas Fürbringer und Peter Höhn vom Institut Koinonia, zeigten auf, wie sich eine Gemeinde positiv entwickeln und wachsen kann. Sie ermutigten, nicht einfach nur ein mögliches Gemeindewachstum, d.h. die „Früchte“ zu fokusieren, sondern auch auf die „Wurzeln“, das geistliche Fundament zu sehen. Dabei führten sie die beiden Bibelstellen Markus 4, 26-29 (Gleichnis vom Reich Gottes, wie wenn ein Mensch Samen sät) und 1. Korinther 3, 6-9 (Gott, der das Wachstum schenkt) an. Wichtig sei es, Wachstumsautomatismen freizusetzen, mit denen Gott selbst seine Gemeinde baut. Die Aufgabe der Gemeinde sei es, dass Gott segnend wirken kann. Beides, Arbeit und Wachstum gehören zusammen und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. In einem Forschungsprojekt wurden 10'000 Gemeinden auf fünf Kontinenten untersucht und dabei wurden acht Qualitätsmerkmale sichtbar, die sich positiv auf ein Gemeindewachstum auswirken: Bevollmächtigende Leitung, Gabenorientierte Mitarbeiterschaft, Leidenschaftliche Spiritualität , zweckmässige Strukturen, inspirierende Gottesdienste, ganzheitliche Kleingruppen, bedürfnisorientierte Evangelisation, liebevolle Beziehungen

1. Bevollmächtige Leitung heisst, Menschen zuzurüsten zum Werk des Dienstes. „Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden.“ (Epheser 4, 12), So kann es die Aufgabe der Leiter wachsender Gemeinden sein, ihre Arbeit darauf zu konzentrieren, andere Christen zum Dienst zu befähigen, d.h. sie unterstützten, motivieren, begleiten usw., damit sie zu dem werden, was Gott mit ihnen vorhat.

2. Gabenorientierte Mitarbeitschaft: Die Aufgaben die Menschen in der Gemeinde entsprechen ihren Gaben wahrnehmen. Es ist die vorrangige Aufgabe der Gemeindeleitung, den Gemeindegliedern dabei zu helfen, ihre Gaben/Aufgaben herauszufinden.

3. Leidenschaftliche Spiritualität: Dabei geht es um persönliche geistliche Disziplinen und. gemeinsame geistliche Disziplinen. Dabei kann die Frage lauten: Leben wir unseren Glauben mit Elan, Hingabe, Feuer und Begeisterung? Begeisterungskiller seien Langeweile, Gesetzlichkeit, Mittelmass, Negatives Reden, Liebloses Verhalten und Angst. Begeisterungsförderer seien Abwechslung, Erfahrungen, Qualität, Körperlichkeit, Liebe, Schönheit

4. Zweckmässige Strukturen: Strukturen sind naturgemäss an den Erfahrungen der Vergangenheit orientiert. Die Frage ist, ob das ausreicht, um die Herausforderungen von morgen zu meistern. So sollen die Strukturen um die Menschen herum gebildet werden und nicht umgekehrt. So brauche es flache Hierarchien, d.h. Bereichsleiter, die möglichst selbständig und mit hoher Verantwortung und Kompetenz arbeiten können.

5. Inspirierender Gottesdienst, d.h. es soll im Lebensgefühl der Teilnehmer verankert werden. Gefragt seien zum Beispiel keine One-Man-Shows oder religiöse Insider-Sprache. Hilfreich seien dagegen ansprechendes Angebote für Kinder oder Predigten, die das Leben verändern, Gottzentrierte Musik usw.

6. Ganzheitliche Kleingruppen, d.h. zum Beispiel Gemeinschafts- und Hifsgruppen, evangelistische Gruppen oder Dienst- und Gebetsgruppen. In jeder dieser Gruppen sollte es möglich sein, persönliche Gedanken auszutauschen.

7. Bedürfnisorientierte Evangelistation, d.h. persönliche Evangelisation, gemeinsame evangelistische Strategien, Bewusstsein für suchende Menschen, Aufnahme neuer Christen in die Gemeinden.

8. Liebevolle Beziehen, d.h. eine Atmosphäre der Anerkennung und Auferbauung, Gastfreundschaft und Einladungen, Lachen und Freude

In einer kurzen Interviewrunde erzählten Peter Andres, Eva Bleiker und Pfr. Jörg Niederer, wie sich diese acht Qualitätsmerkmale positiv auf die Gemeinde in Rothrist ausgewirkt hat. So schilderte Peter Andres, wie sie u.a. zu Beginn um mehr Menschen gebetet haben. „Einmal in der Woche trafen sich fünf Männer um sechs Uhr morgens zum Gebet und wir beteten um fünf neue Menschen in der Gemeinde, dann um zehn Menschen, dann um 50 Menschen usw.“
Auf die Frage, ob es für einen Pfarrer nicht schwer sei, von der geistlichen Leitung einer Gemeinde abzugeben, meinte Jörg Niederer: „Ich bin ein kommunikativer Mensch, der mit Menschen zusammenarbeiten will. Als Pfarrer sehe ich das als grosse Chance, nicht mehr "Mädchen für alles" zu sein. Ich kann mich auf die Kernaufgaben konzentrieren. So muss ich zum Beispiel im Gottesdienst nicht mehr das ganze Rahmenprogramm machen, sondern kann mich konzentrieren auf die Botschaft, die ich mit grösserer Intensität vorbereiten kann.“ Musikalisch wurde der Abend vom Trio PanTastisch umrahmt.


Quelle: EMKNI - Andy Schindler

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