Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 26.06.2001   Zurück zur Übersicht

Polen: Happy Birthday, Evangelisch-methodistische Kirche

Edward Puslecki wurde nach 12 Jahren Tätigkeit als General-Superintendent im ersten Wahlgang für weitere 6 Jahre in dieses Amt gewählt. (Archiv)Vom 14. bis 17. Juni 2001 trafen sich 65 Pastoren und Laien aus 39 Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Polen sowie mehrere Gäste aus Deutschland, Litauen und der Schweiz, um in Warschau die 80. Tagung der Jährlichen Konferenz in Polen zu feiern. Diese Jubiläumskonferenz stand unter dem Thema "Mit Christus: gestern, heute – für immer". Superintendent Edward Puslecki betonte in seinem Bericht denn auch, dass die kirchlichen Tätigkeiten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft weder aus eigener Kraft noch zum Selbstzweck erfolgt seien bzw. erfolgen dürften, sondern gegründet in Jesus Christus und zu seiner Ehre.

Wahl des General-Superintendenten
Edward Puslecki wurde nach 12 Jahren Tätigkeit als General-Superintendent im ersten Wahlgang für weitere 6 Jahre in dieses Amt gewählt. Unter seiner Leitung wird sich die EMK in Polen dem stellen, was von ihm selber als die "E-Herausforderungen" bezeichnet worden ist:

Economics – die wirtschaftliche Herausforderung
Die Frage nach der Finanzierung der kirchlichen Tätigkeit stellt sich immer wieder, sei dies im Zusammenhang mit dringend notwendigen Renovationsarbeiten, mit den Pastorengehältern, mit der theologischen Ausbildung, mit Kinder- und Jugendlagern usw. Es ist offensichtlich, dass die Kirche ohne Hilfe aus dem Ausland eine höchst ungewisse Zukunft vor sich hätte. Trotzdem ist ermutigend, dass die Verantwortlichen nicht alleine auf die ausländischen Schwesterkirchen bauen, sondern auch ihren Eigenanteil – trotz hoher Arbeitslosigkeit und teilweise sehr geringer Einkommen der Mitglieder und Freunde – steigern möchte.

Europe – die politische Herausforderung
Polen will sich – trotz sinkender Unterstützung im eigenen Land – der EU anschliessen. In der EMK ist keine Europa-Euphorie zu spüren; vielmehr versucht man sich realistisch die Frage zu stellen, welches die Rolle der EMK in Polen sein kann, wie auch immer die Entscheidungen getroffen werden.
Eine weit größere Rolle spielen derzeit jedoch die Kontakte zu den Nachbarländern im Osten (Litauen, Ukraine, Weißrussland). Hier entsteht eine wachsende Zusammenarbeit in den verschiedensten Gebieten (gemeinsame Kinder- und Jugendlager, Gottesdienste für polnisch Sprechende in Litauen, missionarische Aktivitäten in der Ukraine oder Literaturhilfe), die sehr erfreulich ist.

Education – Ausbildungsfragen
Insgesamt 44 Männer und Frauen sind an der theologischen Ausbildungsstätte der EMK in Konstancin eingeschrieben, um ein Grund- oder ein weiter führendes Studium zu absolvieren. Ein Mangel an Ausbildung besteht insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit.
An den 6 Sprachschulen der EMK sind derzeit 3‘615 Personen, welche sich mit dem Erlernen der englischen Sprache beschäftigen. Da und dort wird versucht, den Absolventen der Sprachschulen vermehrt auch die kirchlichen Angebote der Gemeinden bewusst zu machen.

Evangelism – Weitergabe des Glaubens als Lebensstil
Eine Resolution des Ausschusses für Evangelisation betonte, Evangelisation sei nicht nur eine Aufgabe, sondern sie müsse zugleich Lebensstil der Methodisten in Polen sein. Neben der Radio- und Fernseharbeit (in Polen gibt es diesbezüglich wohl die größten Möglichkeiten innerhalb der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa), evangelistischen Englisch-Lagern für Jugendliche, Aktivitäten mit der Zeltmission oder dem Jesus-Film soll also auch im individuellen, alltäglichen Leben etwas von Gottes Liebe für alle Menschen sichtbar werden. Dass dies auch im sozial-diakonischen Handeln geschehen kann, ist noch nicht überall im Bewusstsein der polnischen Methodisten. Es besteht jedoch der starke Wunsch, diesbezüglich kleine, einfache, aber wirkungsvolle Schritte zu tun und von Beispielen gelungenen Handelns in polnischen Gemeinden oder in den Nachbarländern zu lernen.

Ecumenism – Für ein gemeinsames christliches Zeugnis
In einem zu einem großen Teil katholischen geprägten Land ist die EMK nur eine Minderheitskirche. Trotzdem wird sie wahrgenommen, weil ihre Vertreter gerade in der ökumenischen Bewegung präsent sind und Verantwortung übernehmen. Ihr diesbezügliches Engagement wird auch in Zukunft wichtig sein.
Leider hat die sich im Entstehen befindende Evangelische Allianz bisher darauf verzichtet, auch die EMK zu einer Mit- und Zusammenarbeit einzuladen.

Electronics – Die elektronische Chance und Gefahr
Früher gab es eine klare Trennung zwischen jenen, die lesen und schreiben konnten, und jenen, welche diese Fähigkeit nicht hatten. Heute erfolgt die Trennung je länger desto mehr zwischen jenen, welche einen Computer bedienen können, und jenen, welche dazu nicht in der Lage sind.
Die Überzeugung wurde ausgesprochen, dass das Internet oder andere moderne Kommunikationsformen nie die reale Begegnungen und die Gemeinschaft in einer Gemeinde ersetzen könne. Letztere müssten deshalb in ihrer ganzen Vielfalt gefördert werden, auch wenn deren Kosten jene des Gebrauchs elektronischer Hilfsmittel übersteigen würden. Andererseits will man sich nicht einfach der heutigen Zeit verschließen, sondern die neuen Mittel auch nutzen. So sind denn auch zwei neue Mitglieder der Gemeinde in Ilawa durch das Internet zur EMK gestoßen.

Expansion – eine wachsende Kirche
Die EMK in Polen ist im vergangenen Konferenzjahr leicht gewachsen. Dies will sie auch im kommenden Jahr tun – an Mitgliedern, aber auch in der Nachfolge Jesu Christi und im glaubwürdigen Weitergeben der Liebe Gottes. Sie darf darin mit dem rechnen, der war, der ist, und der kommt.


Quelle: Urs Schweizer - Assistent des Bischofs Dr. Patrick Streiff

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"