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EMKNI - 07.03.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Umstrittene Fristenregelung

Der Zentralvorstand (ZV) des "Evangelischen Frauenbundes der Schweiz" (EFS) befürwortet laut einer Medienmitteilung vom Dienstag die von National- und Ständerat vorgeschlagene Fristenregelung. Danach sollen Frauen innerhalb der ersten 12 Wochen straffrei abtreiben können.
Der EFS setze sich zwar für eine Welt der Solidarität ein, in der Abtreibungen nicht mehr nötig seien. "Heute ist die Gesellschaft aber zu wenig kinder- und familienfreundlich. Frauen können deshalb in Situationen kommen, in denen sie einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht ziehen müssen." Vor diesem Hintergrund sei die Haltung des ZV zu verstehen.
Der ZV geht davon aus, dass Frauen nur in einer Notlage ein Kind abtreiben. Eine Schwangere, die sich für oder gegen ein Kind entscheiden muss, habe es nie leicht. In jedem Fall müsse sie einen ethisch und persönlich sehr schwierigen Entscheid fällen, für den der Staat sie nicht noch rechtlich bestrafen sollte.
Wie internationale Erfahrungen zeigten, verhinderten Strafandrohungen kaum Abtreibungen. "Sie treiben Frauen aber häufig in die Illegalität und gefährden so ihre Gesundheit", schreibt der ZV des EFS.
Die EFS-Mitglieder hätten in einer vor fünf Jahren durchgeführten Umfrage mehrheitlich Ja zu einer Fristenregelung gesagt. Und zwar unter der Voraussetzung, dass Bund und Kantone die Rahmenbedingungen für Frauen verbesserten, die sich für ein Kind entscheiden.
Dazu gehörten insbesondere die Möglichkeit einer kostenlosen Beratung bei einer unabhängigen, leicht zugänglichen Stelle, der Ausbau des Angebots an familienergänzender Kinderbetreuung wie Kinderkrippen, Tagesschulen und schließlich die staatlich garantierte Existenzsicherung für Frauen, die sich für ein Kind entscheiden.

Ganz anders sieht es die "Gesellschaft für den Schutz des ungeborenen Lebens in der Schweiz" (GLS) Sie bedauert die am Dienstag vom Ständerat beschlossene Regelung des Schwangerschaftsabbruchs. Das von der Kleinen Kammer angenommene Lösungsmodell sei eine Fristenlösung, die den Schutz des ungeborenen Lebens innerhalb der willkürlich angesetzten Frist von 12 Wochen völlig aufhebe. "Das in der Bundesverfassung verankerte Recht auf Leben und die auch dem Ungeborenen garantierte Menschenwürde werden krass verletzt", schreibt die GLS in einer Medienmitteilung.
"Damit dankt der Rechtsstaat in diesem sensiblen Bereich, wo es um Leben und Tod geht, ab." Das erklärte Kantonsrätin Marlies Näf-Hofmann (Arbon TG), Vizepräsidentin der GLS.
Die ärztliche Beratung sei freiwillig und nicht überprüfbar. Sie habe daher nur Alibifunktion und bringe für den Schutz des ungeborenen Lebens nichts. Auch wenn die Frau eine Notlage geltend machen müsse, sei das rechtlich unverbindlich und ebenfalls ohne Bedeutung für den Lebensschutz Ungeborener.
Die GLS anerkenne, so das Communiqué, "die oft schwierige Lage betroffener Frauen, weist aber darauf hin, dass das Leben des Ungeborenen höher zu gewichten ist". Die GLS halte darum an ihrer Absicht fest, das Referendum zu ergreifen, sollte der Nationalrat in der kommenden Woche hier keine Kurskorrektur mehr vornehmen.
In der GLS bereiten die "Schweizerische Evangelische Allianz" (SEA) sowie die Lebensrechtsorganisationen "Helfen statt Töten" und die Sektion Zürich von "Ja zum Leben" das Referendum gegen eine wie auch immer ausgestaltete Fristenlösung vor.


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

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