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EMKNI - 08.03.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Eigene Werte und Glaube ermöglichen kritische Sicht gegenüber Werbung

Ein hochaktuelles Thema stellte die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) Zofingen in den Mittelpunkt ihres sonntäglichen Gottesdienstes. Der als Bistro-Gottesdienst im Gemeindesaal der EMK durchgeführte Morgen hatte "Katzen würden Whiskas kaufen" zum Thema.
Kann Werbung in Versuchung führen? Diese Frage wurde durch ein fundiertes Gespräch mit dem Zofinger Kommunikationsfachmann Siegfried P. Stich im Gespräch mit EMK-Mitglied Hans Jörg Pfister, Zofingen, angegangen, nachdem vorher RTL-Werbespots der evangelischen und katholischen Kirchen sowie die von Jungen aus der EMK-Gemeinde ausgewählten und beurteilten TV-Spots als Videoaufnahmen gezeigt wurden. Festgehalten wurde, dass Werbung ihre Aufgabe hat, Pauschalurteile ihr gegenüber unangebracht seien und jeder Einzelne Eigenverantwortung übernehmen muss bei der Beeinflussung durch Werbung. David Plüss, Elektroklavier, Komponist und Arrangeur, sowie Yves Dobler, Basel, Saxofonist und Flötist, umrahmten beziehungsweise unterstrichen das Thema, das ja die Musik stark in sein Umfeld mit einbezieht. Das erwähnte einleitende Video von RTL "Gott den Allmächtigen verstehen wir nicht", das biblische Aussagen aktuellen Situationen gegenüberstellte, dürfte nach Ansicht von Siegfried Stich gut sein, vermutlich aber eine kleinere Zielgruppe erreichen, als man meine, auf keinen Fall bringe es keine Leute zum Glauben.
Sollten Kirchen Werbung machen? Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass heute neben Produktewerbung auch Gedankengut kirchlicher Prägung verwendet würde, wobei man sich fragen müsse, ob die Kirchen nicht auch Werbung machen sollten. Grundsätzlich wisse man aber, dass sich die Kirche schwer mit Werbung tue, doch würde ihr durchaus ansprechendere Information in attraktiverer Art in entsprechendem Umfeld sicher etwas bringen. Pauschalurteile der Werbung gegenüber brächten aber absolut nichts, verhärteten nur. Das Wort Verführung als Begriff in diesem Zusammenhang mit Werbung sei ohnehin negativ belastet. Viel wichtiger sei es - so Stich - sich selbst zu fragen, will ich das, was die Werbung mir dort empfiehlt, kann ich mir dieses finanziell überhaupt leisten. Viele Werbespots und Werbung gingen ins Leere, da das finanzielle Segment nicht stimme. Stich empfahl, bei Spontankäufen eine Denkpause einzuschalten, Schwerpunkte zu setzen, ein kritischer Konsument zu sein und vor allem zu reagieren, wenn man sich von der Werbebotschaft verletzt fühle. In diesem Fall solle man der Firma, die hinter der Werbebotschaft stehe, schreiben und nicht nur die Faust im Sack machen. Man dürfe nicht einfach der Werbung die Schuld geben, sondern müsse bereit sein, Eigenverantwortung zu übernehmen, eigene Werte und persönlichen Glauben als sichere Basis der Beurteilung der Werbung gegenüber einzusetzen.
Diese Ansicht bestätigte im Prinzip auch der Kommentar der jungen Bea Haberstich, die stellvertretend die von ihrem jungen Teamkollegium ausgesuchten verschiedenen TV-Spots kommentierte. Daraus ging hervor, dass Werbung witzig und lustig sein muss, wobei die Werbebotschaft aber nicht einfach auf Unterhaltungswert reduziert sein darf, sondern die Brückenfunktion von anonymer Käuferschaft und Produzent erfüllen sollte. Dies gelingt längst nicht immer, weshalb die Teenies - so Bea Haberstich - viele Werbespots langweilig empfanden. Andere erhielten das Prädikat lustig, was aber nicht gleichbedeutend mit persönlichem Besitz des in der Werbebotschaft vorgestellten Artikels zu werten sei. So bleibe der Konsument oft am Umfeld und nicht am Werbeobjekt hängen. EMK-Pfarrer Philippe Schaerer machte anhand ausgewählter Bibelworte klar, wie diese als kompakte Aussage gestaltet seien, wie deren direkte Sprache den Einzelnen umwerbe. Die Bibel macht aufmerksam auf Folgen reinen Prestigedenkens, egoistischer, materieller Gelüste. Anders die Werbung, diese baue auf individuellen Wünschen ihre Konzepte auf. Der einzelne Mensch entscheide aber schließlich, welche Werte er wähle. So dürfe man nicht der Werbung die Schuld geben. Hier gelte es zwischen wirklich tiefen menschlichen Wünschen nach Liebe, Harmonie und Gottesfrieden im Gegensatz zu äußerem Wunschdenken als Spiegel der Werbung die Antwort auf den Sinn des Lebens zu finden und unter diesem Aspekt die Werbung anzusehen. Schaerer forderte auf, ehrlich mit sich selbst zu sein.


Quelle: Zofinger Tagblatt

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