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EMKNI - 15.03.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Bischof Bolleter mit herausfordernder Bischofsbotschaft

Bischof Bolleter verliesst an der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa die BischofsbotschaftHeute morgen hat Bischof Bolleter seine Bischofsbotschaft an die Zentralkonferenz verlesen. Ein Teil seiner Botschaft drehte sich um die ökumenischen Beziehungen. Hier seine anregenden Gedanken dazu:
„Auch im ökumenischen Bereich gehen wir davon aus, dass die Freude am Evangelium das Miteinander gestalten soll. Nur so überwinden wir die Lethargie, die viele unserer Vollzeiter – vor allem die jüngeren Generationen – befällt, wenn sie das Wort Ökumene hören. Die Kirchen müssen nicht einheitlicher werden, aber wir müssen lernen, die gemeinsame Freude am Evangelium neu zu entdecken. In einzelnen Bereichen rücken wir mit den historischen evangelischen Kirchen näher zusammen. Vor einem Jahr hat zum Beispiel Bischof Zdzislav Tranda von der kleinen Reformierten Kirche in Polen in seinem Bericht zur Lage von einem möglichen Zusammenschluss der Lutheraner, der Reformierten und der Methodisten gesprochen. Er gibt einer vereinigten evangelischen Kirche in Polen grössere Chancen. Immerhin ist es üblich geworden, die Bischöfe der anderen evangelischen Kirchen zur Teilnahme an den Jährlichen Konferenzen einzuladen.
Ich will nicht vom ‚ökumenischen Irrgarten‘ sprechen, sondern mein eigenes Bild weitergeben: Mit der Ökumene ist es wie mit den griechischen Inseln, wenn einmal der Wald kahl geschlagen ist, so ist es nur mit grösster Anstrengung und Disziplin möglich, ihn wieder aufzuforsten. Im orthodoxen Bereich, wo wir Methodisten zusammen mit der römisch-katholischen Kirche heute als Proselytenmacher verschrien sind, versuchen wir in einzelnen Begegnungen und Gesprächen mühsam, sozusagen Bäumchen um Bäumchen, den ökumenischen Wald wieder aufzuforsten. Die Pflege des Gepflanzten besteht vor allem darin aufzuhören, einander gegenseitig anzuklagen oder gar zu beschimpfen. Die Charta oecumenica wurde von der Konferenz Europäischer Kirchen gerade für solche Situationen geschaffen. Der erste Entwurf war noch stark aus der Defensive der Grosskirchen geschrieben. Ein neuer Text der Charta oecumenica, Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa, ist beim Treffen des Gemeinsamen Ausschusses der ‚Konferenz Europäischer Kirchen‘ (KEK) und des ‚Rates der Europäischen Bischofskonferenzen‘ (CCEE) vom 26. Bis 29. Januar 2001 in Porto/Portugal angenommen worden. Der Text soll am Sonntag, dem 22. April 2001, in Strassburg von den Präsidenten von KEK und CCEE unterzeichnet werden.
Der Text ist nach einer Konsultationsphase in den Jahren 1999 und 2000 auf der Ebene der Mitgliedskirchen von KEK und der Bischofskonferenzen der CCEE entstanden und beschreibt grundlegende ökumenische Aufgaben, aus denen eine Anzahl von Leitlinien und Verpflichtungen hervorgehen. Auch die Evangelisch-methodistische Kirche hat dazu Stellung genommen. Die Verbindlichkeit der Charta oecumenica besteht in der Selbstverpflichtung der Bischofskonferenzen der CCEE und der Mitgliedskirchen von KEK. Sie sind dazu eingeladen, diesen Grundsatztext anzunehmen und ihn in Zusammenarbeit mit ihren ökumenischen Partnern auf die eigene Situation vor Ort zu übertragen.
Das Vatikan-Dokument ‚Dominus Jesus‘ hat bei vielen Christen Trauer verursacht. Es besteht wenig Hoffnung, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Text uns näher zusammenführen kann, denn die wechselseitige Anerkennung der Kirchen als Kirchen ist nicht das Ergebnis, sondern die Voraussetzung für das ökumenische Gespräch. Jedenfalls hat dieses Dokument aus dem Vatikan die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, welche in Augsburg unterzeichnet wurde, eher in den Hintergrund gerückt.
Dieses Jahr fallen die Osterfeste in allen christlichen Kirchentraditionen auf dasselbe Datum, dies sollten wir zum Anlass nehmen, die ökumenischen Partner zu grüssen – und das nicht nur dort, wo Spannungen bestehen.“

Die ganze Bischofsbotschaft ist erhältlich bei: Sekretariat von Bischof Heinrich Bolleter, Postfach 2239, CH-8026 Zürich, Tel. +41 (01) 299 30 60 E-Mail: bishop@umc-europe.org


Quelle: EMKNI

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