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EMKNI - 23.03.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Neue Wege in Davos

Das Hotel Caprice in DavosMit einem neuen Konzept und einem neuen Namen will das Davoser Hotel Caprice (vormals Bethanien) in Zukunft schwarze Zahlen schreiben.

Seit sieben Jahren weist das Hotel Bethanien in Davos, das zu 100% dem Diakoniewerk Bethanien Zürich gehört, rückläufige Belegungszahlen aus. "Das Hotel ist massiv in den roten Zahlen, so rot wie unsere Aussenfassade, und wir haben die klare Zielsetzung, im Jahr 2004 schwarze Zahlen zu schreiben," erklärt Direktor Bögli gegenüber Kirche+Welt. Wie hoch das Defizit in Franken ist, darüber möchte der Verwaltungsratspräsident der Hotel Caprice AG, Fredy Jorns, nicht öffentlich Auskunft geben. Laut Jorns waren die damaligen Investitionskosten für den Neubau des Bethanien im Jahr 1987 sehr hoch und seit Beginn der Aufnahme des Hotelbetriebes ist es bis jetzt nicht gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben.

Starke Veränderungen
Das letzte Jahr war von starken Veränderungen geprägt. Der Verwaltungsrat und der damalige Direktor Andreas Aegerter entschlossen sich zu Beginn des Jahres 2000 nach nur anderthalb Jahren "die Zusammenarbeit zu beenden", wie es in einem Brief an die Stammgäste hiess. Neuer Direktor wurde offiziell per 1. November der 36-jährige Christoph Bögli. Der Name des Hotels wurde von "Bethanien" in "Caprice" umgewandelt. Diese Änderung wurde von einer grossen Mehrheit der Mitglieder des Diakoniewerks Bethanien Zürich beschlossen. Laut Bögli soll der neue Name Synergien mit dem bestehenden Hotel Caprice in Zürich (siehe K+W Nr. 19/2000) auslösen. Der neue Name soll werbewirksamer sein, da "Bethanien" die Gäste an ein Spital erinnerte. Übersetzt bedeutet "Caprice", laut der "Davoser Zeitung" vom 12. Dezember 2000, "Wandlung, Liebelei, Veränderung."

Das neue Konzept
Mit einem neuen Konzept will sich das Dreisternhotel positionieren. Es sieht vor, dass das Caprice als Sport-, Kultur- und Seminarhotel eine Marktposition in Davos gewinnen will.
Als Sporthotel arbeitet die Direktion jetzt mit Sportorganisationen und -firmen in Davos zusammen, die spezielle Arrangements anbieten. Darin findet sich beispielsweise auch der Behindertensport, wie Bögli betont. Zudem soll der Fitness- und Wellnessbereich im Hotel ausgebaut werden. Der Gast kann Physiotherapie in Anspruch nehmen sowie ein Kosmetikstudio besuchen.
Als Kulturhotel bietet das Hotel nun eine gediegene Ess- und Trinkkultur, auch mit Alkoholausschank und Smoker-Lounge, an. Neben dem traditionellen Restaurant gibt es neu das "Caprice’s Gourmino", in dem hochstehende kulinarische Speisen angeboten werden. Damit verbunden war auch eine Abkehr vom Bio-Hotel, mit dem sich das damalige Bethanien einen Namen gemacht hatte. Unter Kulturveranstaltungen versteht der neue Direktor auch musikalische Darbietungen, Buchvernissagen, Bilderausstellungen usw.
Im Seminarbereich hat sich das Caprice mit weiteren Davoser Hotels zu einer Vereinigung zusammengeschlossen. Dadurch können die Verantwortlichen von mehreren Hotels miteinander Angebote erarbeiten und die Gewähr bieten, dass eine genügende Infrastruktur für die SeminarbesucherInnen vorhanden ist.

Austritt aus dem VCH
Das Hotel Caprice ist aus dem Verband Christlicher Hotels (VCH) ausgetreten. Dahinter stehen, so Fredy Jorns, wirtschaftliche Gedanken.
Er vermisse, dass sich der VCH nicht zeitgemäss weiterentwickelt habe, und hofft, dass der Verband durch den Austritt des Caprice seine Arbeit überdenke.
Peter Salvisberg, Präsident des VCH, ist traurig über den Austritt des Caprice, respektiert aber dessen Entscheid. "Wenn man das 'C' für 'Christlich' im Namen nicht mehr hat, verliert man einige Stammgäste. Es ist zu hoffen, dass man neue Gäste dazu gewinnt," meint er. Salvisberg wünscht dem Hotel jedenfalls alles Gute und dass sich die Probleme lösen werden.

Partnerschaft mit der EMK
Direktor Christoph Bögli sagte in einem Beitrag der "Davoser Zeitung": "Die Evangelisch-methodistische Kirche ist für mich Partner wie das Kosmetikstudio. Es wird im Haus sicher nicht mehr missioniert." Diese Aussagen haben Unruhe unter Mitgliedern der EMK ausgelöst. Auf die Frage von Kirche+Welt, ob der Vergleich zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), einer Kirche mit einer über 200-jährigen Geschichte, und einem Kosmetikstudio nicht problematisch sei, erläuterte Bögli nochmals, dass es sich nicht um einen Vergleich handle, sondern vielmehr um das Aufzeigen einer Partnerschaft, wie dies mit dem Kosmetikstudio seit Jahren gepflegt werde. Und dies sei auch sein Anliegen mit der EMK Davos. Leider hätte in den letzten drei Jahren diese Partnerschaft unter Kommunikationsschwierigkeiten gelitten – doch man sei zuversichtlich, dass sich eine gute und ehrliche Partnerschaft wieder aufbauen lässt. Tatsache ist, dass eine Partnerschaft mit der Davoser EMK-Gemeinde in einem Papier formuliert wurde. Kirche+Welt liegt ein Dokument vor, in dem diese Partnerschaft zwischen der EMK-Gemeinde in Davos und dem Hotel Caprice umschrieben ist. Die in acht Punkten beschriebenen Rahmenlinien sind das Ergebnis einer Begegnung vom 14. September 2000 zwischen Mitgliedern des Verwaltungsrats, der Direktion, der Kommission für geistlichen Dienst der Davoser EMK-Gemeinde und des Distriktsvorstehers (DV) Walter Wilhelm. Daraus geht hervor, dass der Verwaltungsrat der Hotel Bethanien AG und die Direktion für die Grundausrichtung des Angebots des Hotels verantwortlich sind. Der Verwaltungsrat ist sehr daran interessiert, dass den Gästen auch geistliche Angebote gemacht werden oder dass sie Einladungen zu Anlässen der EMK-Gemeinde erhalten. Das Hotel und die EMK-Gemeinde gehen dazu eine Partnerschaft ein, in dem Sinne, dass das Hotel der Gemeinde eine Plattform anbietet, geistliche Angebote zu machen. So finden im Hotel "Caprice" momentan drei Mal in der Woche eine viertelstündige Morgenbesinnung statt, geleitet vom Davoser EMK-Pfarrer Erich Bopp oder von Mitgliedern des Diakoniewerkes Bethanien. Ausserdem gibt es, laut Fredy Jorns, nach wie vor einen "Raum der Stille" und beim Eingang wird, so Christoph Bögli, am Wochenende mit einem Plakat für den Gottesdienst der EMK-Gemeinde geworben. Damit erhält das erwähnte Zitat von Christoph Bögli in der "Davoser Zeitung" eine doch etwas andere Note. Im Gespräch mit Kirche+Welt zeigte er sich jedenfalls offen für Anfragen von geistlichen Angeboten. DV Walter Wilhelm zeigt sich zufrieden mit dieser Partnerschaft: "Mir ist es ein Anliegen, dass die Partnerschaft ein Miteinander und nicht ein Nebeneinander ist."

Das Missionsverständnis
Bei der Recherche wurde sichtbar, dass bei der Frage der geistlichen Ausrichtung des Hotels Caprice das Missionsverständnis unterschiedlich ist. "Es ist wichtiger, den Menschen und nicht den Glauben in den Mittelpunkt zu stellen," findet Christoph Bögli. "Missionieren wollten wir noch nie. Das ist ein abgedroschener Begriff, der irgendwelche Menschen zu Objekten macht. Wir müssen von mündigen Menschen ausgehen, denen man ein Angebot macht," sagt Fredy Jorns. "Mein Anliegen ist es, im Rahmen dessen, was mir möglich ist, für die Gäste da zu sein und ihnen die Botschaft des Evangeliums nahe zu bringen", meint Erich Bopp.

Die Zukunft
"Ich glaube daran, dass sich das neue Konzept durchsetzen wird," sagt Verwaltungsratspräsident Fredy Jorns zu Kirche+Welt. "Ich denke, sie sind auf einem guten Weg. Aber ich bin skeptisch, dass sie von heute auf morgen eine ausgeglichene Rechnung haben werden," glaubt DV Walter Wilhelm. Kirche+Welt bleibt dran.


Quelle: kirche+welt

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