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EMKNI - 26.03.2001   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Boris Trajkovski - Der Moderator in der Klemme

Boris Trajkovski, Präsident von MakedonienDas Credo des mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski lautet: "Ich werde nicht zulassen, dass Völkerhass, Chauvinismus und Intoleranz die Stabilität unseres Staates untergraben." Die vergangenen Tage sind jedoch nicht die der politischen Versöhnung. Die albanischen Freischärler über den Bergen von Tetovo würden "neutralisiert und eliminiert", betont Trajkovski bei jeder Gelegenheit. Verhandlungen mit den Aufständischen kämen nicht in Frage. Auf der anderen Seite ist Trajkovski als Oberbefehlshaber der Armee verantwortlich für die relativ zurückhaltende Reaktion der Streitkräfte auf getötete mazedonische Soldaten. Bisher teilen die gemäßigten albanischen Politiker seine Position, obwohl die Rebellen Sympathie in der Bevölkerung genießen. Und darauf fußt Trajkovskis Macht. Die Albaner haben ihn ins Amt gehoben.
Nach dem ersten Durchgang der Präsidentenwahlen im November 1999 hatte Boris Trajkovski gerade 20 Prozent der Stimmen erhalten; sein schärfster Konkurrent, der Sozialist Tito Petovski, scharte ein Drittel der mazedonischen Wähler um sich. In Abstimmung mit seiner konservativen, bisweilen nationalistischen Partei VMRO-DPMNE bot Trajkovski den Vertretern der großen albanischen Minderheit in Mazedonien damals mehr Mitsprache an - und wurde nach ihrer Empfehlung im zweiten Wahlgang mit Hilfe der albanischen Bevölkerung zum Präsidenten gewählt.
Die Sozialisten in der Opposition haben ihm den "Landesverrat" lange nicht verziehen. Ihnen gehen die Zugeständnisse des Präsidenten an die albanischen Bürger zu weit. Angesichts der Kriegsgefahr scharen sie sich jedoch um Trajkovski, einen Repräsentanten des verhassten politischen Gegners. Auch das ist ein Indiz für seine Integrationsfähigkeit. Ausgleich als Staatsräson, das ist die Aufgabe, die ihm sein politischer Seilschaftspartner, Premier Ljubco Georgievski, 1999 zugedacht hat. Neben dem ihm eigenen Pragmatismus hat Trajkovski noch eine versöhnende Eigenschaft: Er gehört als Methodist weder der muslimischen noch der orthodoxen Kirche an.
Der Jurist Trajkovski, Vater zweier Kinder, leitete in den 90er Jahren den außenpolitischen Ausschuss seiner Partei. Sein Geld verdiente der gebürtige Mazedone zuerst in der Wirtschaft und von 1997 an als Büroleiter eines Bürgermeisters in Skopje. Nebenher pflegte er über verschiedene Organisationen enge Beziehungen zu den EU-Ländern und den Vereinigten Staaten. Nachdem Ljubco Georgievski mit den Konservativen die Parlamentswahlen 1998 gewonnen hatte, avancierte Trajkovski zum stellvertretenden Außenminister und außenpolitischen Berater Georgievskis.
Ein schillernder politischer Charakter ist Trajkovski nicht geworden. Seine Reden zeichnen sich nicht gerade durch Emphase aus. Die politischen Sporen verdiente er sich während des Kosovo-Krieges 1999, wo er verantwortlich war für die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Dabei sparte er - mit Rücksicht auf die politische Stimmung unter den eher serbenfreundlichen Mazedonen - nicht mit Kritik an der Politik des Westens. Trotzdem schaffte Trajkovski Akzeptanz in der Bevölkerung für die äußerst umstrittene Stationierung von Nato-Truppen im Land. Im Herbst wurde er schließlich auf den Kandidatenschild gehoben.
Die beiden relativ jungen Politiker Georgievski (34) und Trajkovski (44) sind sich einig darüber, das Mazedonien nur in Anbindung an den Westen Zukunft hat. Sie wollen in die EU und in die Nato. Dass vollständige Demokratisierung - noch immer sind Albaner in der Politik unterrepräsentiert - und Liberalisierung der Märkte dabei hilfreich sind, ist ihnen klar. Doch die Umwandlung des sozialistischen System ist zugleich ein ungelöstes Problem. Die Ökonomie Mazedoniens lahmt und bewegt sich überhaupt nur mit Hilfe des Westens. 20 Prozent der mazedonischen Bürger leben unterhalb der Armutsschwelle - unter ihnen fatalerweise mehr Mazedonen als Albaner, die sich traditionell eher mit kleinen Geschäften über Wasser halten. So schmilzt auf dem Weg nach Westen die politische Basis für den Moderator Trajkovski.


Quelle: Stuttgarter Zeitung - Dieter Fuchs

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