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EMKNI - 30.03.2001   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Geht die Kirche an die Börse?

Internationales Interesse weckt der Kongress "Ethisches Investment", der am 4. April in der Evangelischen Akademie Bad Boll beginnt. Aus vierzehn Ländern kommen rund 100 Kirchenvertreter und Finanzfachleute, um über die Möglichkeiten eines sozial- und umweltverträglichen Vermögensmanagements zu beraten. Zugleich soll es sich um das erste ökumenische Treffen handeln, das sich mit dieser Fragestellung befasst.
An dem von der Akademie und dem Lutherischen Weltbund veranstalteten Kongress beteiligen sich Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie mehrerer Freikirchen. Stark vertreten sind die angelsächsischen und die skandinavischen Länder, aber auch Kirchenleute aus Polen, Tschechien und der Slowakei haben sich zu der Tagung angemeldet.
Aus der Britischen Methodistenkirche als Referenten geladen sind Russell Sparkes, ein Investment Analyst vom Central Board of Finance in London und Stephen Hine vom Ethical Investment Research Service (EIRIS) in London.
"Ethisches Investment steht auch in Deutschland vor dem Durchbruch", erklärt Tagungsleiterin Karin Bassler. Allein im letzten Jahr seien im deutschsprachigen Raum drei Milliarden Mark in ethisch-ökologische Anlagen investiert worden. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Anlagevolumen damit um das Dreifache gestiegen.
In den USA flossen im letzten Jahr 2,1 Milliarden Dollar allein in diesen Anlagebereich. Dementsprechend gespannt ist man in Bad Boll auf die Erfahrungen, die amerikanische Kirchen auf dem Gebiet des ethischen Investments gesammelt haben. Dort wird die Altersversorgung der Mitarbeiter schon seit zwei Jahrzehnten weitgehend über Wertpapiere abgesichert. Tagungsleiterin Bassler ist überzeugt, dass auch die Kirchen hierzulande mit ihren Rücklagen zunehmend auf dem Börsen-Parkett aktiv werden, zumal auf dem Immobilienmarkt kaum mehr Renditen zu erwirtschaften sind.
Besondere Bedeutung wird bei dem Kongress die Frage haben, unter welchen Bedingungen Kirchen ihre Investments tätigen. Sozialverträglichkeit und Umweltgesichtspunkte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Besondere Aufmerksamkeit soll aber auch den Einschätzungen gewidmet werden, wie die Kirchen im südlichen Teil der Erde derartige Engagements bewerten. Mit dieser Diskussion soll der Kongress zugleich der Vorbereitung der nächsten EKD-Synode dienen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Wirtschaftsethik befassen wird.
Das Tagungsprogramm liegt in deutscher und englischer Sprache als PDF-Format vor unter http://www.ev-akademie-boll.de/tagungen/details/760101.pdf.


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

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