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EMKNI - 09.05.2001   Zurück zur Übersicht

Holland: Internationale Tagung des friedenskirchlichen Netzwerks mit methodistischer Beteiligung aus dem Balkan

Von 24.-29. April 2001 war die Internationalen Tagung des friedenskirchlichen Netzwerks "Church and Peace" in Elspeet, NL.
110 Männer und Frauen aus zwölf europäischen Ländern haben sich versammelt zu einer Konferenz unter dem Motto "Man wird dich das Volk nennen, das die Bresche ausbessert." (Jes. 58,12)
Vor mehr als 50 Jahren ist die Organisation "Church and Peace" gegründet worden von Vertretern der drei historischen Friedenskirchen, von Mennoniten, Quäkern und der "Kirche der Brüder". Seither ist in Europa ein weit gespanntes Netz von kirchlichen Gruppen, christlichen Kommunitäten und Gemeinden entstanden, die sich alle aus dem Geist des Evangeliums heraus der Arbeit für den Frieden verpflichtet wissen. Der ständige Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung (GFS) der Evangelisch-methodistischen Kirche Deutschland (EMK) gehört dem Netzwerk seit drei Jahren an.
Wie belastbar ist dieses Netz? Die diesjährige internationale Tagung in Elspeet sollte es zeigen. Der Tagung vorgeschaltet war eine friedenskirchliche Balkankonferenz. Auf Einladung von "Church and Peace" waren u.a. ein Dutzend Vertreter kirchlicher Gruppen und Werke aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Holland gereist, unter ihnen auch Zvonimir Vojtulek. Er arbeitet im Auftrag des United Methodist Committee of Relief (UMCOR) in der uralten, heute geteilten Stadt Mostar. Zum ersten Mal seit Ausbruch des Bosnienkrieges 1992 hat Zvonimir Vojtulek in Elspeet wieder direkt mit Serben zu tun gehabt. Und umgekehrt: die serbischen Christen sahen sich buchstäblich konfrontiert mit Kroaten, Mazedoniern, Kosovo-Albanern. Nach drei Tagen konnte Zvonimir Vojtulek schon von den "serbischen Freunden" sprechen.
Unter diesen neugewonnenen serbischen Freunden ist Jasmina Tosic, Präsidentin des freikirchlichen Hilfswerkes "Bread of Life" aus Belgrad. Bread of Life leistet seit 9 Jahren praktische Versöhnungsarbeit in Serbien - einem Land, das bei 10 Millionen Einwohnern derzeit 700.000 Flüchtlinge beherbergt. Aber auch den albanischen und ungarischen Minderheiten und den Roma im Land geht es nicht besonders gut. "Wir helfen unterschiedslos allen, die in Not sind", erklärt Jasmina Tosic; "Parteilichkeit können wir uns nicht erlauben. Im Augenblick konzentrieren wir uns auf Hilfe fürs tägliche Leben und Überleben."
Noch scheitert die Vernetzung von Organisationen wie "Bread of Life" mit ähnlichen christlichen Hilfswerken in Bosnien oder in Kroatien an bürokratischen Hindernissen. Jasmina Tosic bekommt kein Visum für Kroatien. Umgekehrt könnte auch Vesna Liermann zur Zeit noch kein Visum für Serbien bekommen. Vesna Liermann arbeitet in Osijek im Zentrum für Frieden, Gewaltlosigkeit und Menschenrechte. Sie besucht ethnisch gemischte Dörfer in Ostslawonien, bemüht sich um Beziehungen zwischen katholischen Kroaten und orthodoxen Serben. Und auch das geht am besten über alltägliche Hilfe.
Den Weg zum dauerhaften Frieden auf dem Balkan beschrieb Professor Alexandar Birvis (früher Dekan der freikirchlichen theologischen Hochschule Osijek, heute Dozent im serbischen Novi Sad und Vertreter der "Jugoslawischen Vereinigung für Religionsfreiheit") so: "Wir müssen erstens die Wahrheit ans Licht bringen, und das ist sehr schwer, denn jede Partei hat ihre eigene Sicht von der Wahrheit und ebenso ihre jeweils eigenen blinden Flecken. Erst wenn wir der Wahrheit ins Auge sehen, sind wir bereit zur Versöhnung", sagt Alexandar Birvis, "und bei dieser Versöhnung müssen die Bischöfe und die geistlichen Leiter vorangehen. Sie müssen eigentlich den ersten Schritt machen. Dann erst kann die Arbeit am Frieden beginnen - einem Frieden, der mehr ist als nur ein Waffenstillstand."
Das Treffen in Elspeet war geprägt von Wirklichkeitssinn. "Erfolg ist uns nicht verheißen", darauf machte u. a. Anthea Bethge vom Ökumenischen Dienst aufmerksam.
Das friedenskirchliche Netzwerk von Church and Peace hat seit letzter Woche ein paar Maschen mehr. Von Nordirland bis Südfrankreich, von Holland bis Ungarn und weiter nach Russland reichen die Kontakte. Und nun eben auch bis tief nach Südosteuropa.


Quelle: Markus Baum

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