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EMKNI - 17.05.2001   Zurück zur Übersicht

Algerien: Christen als Augenzeugen der Unruhen in der Kabylei

OuadhiaIn letzter Zeit wurden in unseren Medien vermehrt Berichte über Unruhen in der Kabylei veröffentlicht. Dabei geht es in erster Linie um die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der algerischen Regierung: Arbeitslosigkeit, Massenentlassungen, katastrophales Schulwesen sowie Korruption auf höchster Ebene führen zu Zukunftsangst und bei den Mutigeren zu Protesten und Streiks. In dieser gespannten Situation besteht die Gefahr, dass zusätzlich auch ethnisch und religiös begründete Konfrontationen gesucht werden. Kabylen sowie Christen sind Minderheiten in diesem arabisch und muslimisch dominierten Land und diese werden durch die übrige Bevölkerung besonders genau beobachtet. Sie sollten keinen weiteren Anlass bieten, die Unzufriedenheit zu erhöhen.
Die Mitarbeiterin der Protestantischen Kirche Algeriens und Methodistin Erna Saim berichtet, was in den letzten Tagen im April geschah: "Hier in Ouadhia begannen die Demonstrationen am Freitagmittag (Anm. d. Red.: der 27. April). Eine große Menge Jugendlicher bombardierte mit allem Möglichen die Gendarmerie, verbrannte Pneus und schrie aus vollem Hals. Es wurde Tränengas eingesetzt. Einige Patronen flogen bis aufs Dach unseres Neubaus und in dessen Garten. Leider aber wurde auch geschossen und ein Junge tödlich getroffen, andere erheblich verletzt.
Am Samstag ging es intensiv weiter, bis man sich auf ein Ultimatum geeinigt hatte: die Brigade sollte abziehen, denn sie wurde der maßlosen Überschreitung der Befugnisse angeschuldigt. Leider waren diesmal nochmals drei Tote durch gezielte Schüsse der verstärkten Ordnungskräfte zu beklagen. Ein Polizist wurde zudem tödlich von einem Backstein getroffen.
Am Sonntag war die Lage zum Zerreißen gespannt. Leider wurde das Ultimatum nicht eingehalten. Wir erachten es als die Erhörung unserer Gebete, dass der Gemeindepräsident und ein angesehener Bürger, der Barbesitzer, die richtigen Worte finden durften und die Leute von weiterer Gewaltanwendung abbringen konnten. In Gegensatz zu anderen Orten wurde bei uns außer dem Gebäude der Gendarmerie nichts beschädigt.
Am Montag traf der langersehnte Regen so massiv ein, dass es auch dem größten Hitzkopf nicht ums Kämpfen war.
Am Dienstag, 1. Mai, in der Regel ein Tag, an dem einzig die Arbeiter und Beamten frei haben, war - wie seit dem Donnerstag - alles geschlossen, kein Transportmittel zu finden, kein Cafe offen. Eine unglaubliche Morosität lag auf der Gegend, dazu die Trauer um die Opfer des Aufstandes.
Seit drei Monaten hatten wir für die Zeit vom 1. bis 3. Mai Tage der offenen Kirchentür für unsere Mitbürger von Ouadhia geplant. Nach einigem Zögern beschlossen wir, diese trotz der besonderen Umstände durchzuführen. Fast vierhundert, meist Jugendliche, nahmen die Gelegenheit wahr, um mal unverbindlich hereinzuschauen. Wer wollte, bekam gratis ein Evangelium."


Quelle: Kirche Weltweit – EMK Missionssekretariat

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