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EMKNI - 31.05.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Pfingstbotschaft 2001 der Präsidentinnen und Präsidenten des ÖRK

Seit 1950 besteht die Tradition, dass die Präsidenten und Präsidentinnen des "Ökumenischen Rates der Kirchen" (ÖRK) eine Pfingstbotschaft herausgeben. Diese Botschaft ist eine Gemeinschaftsarbeit der acht ÖRK-Präsidentinnen und Präsidenten, die im ÖRK die verschiedenen Erdteile repräsentieren. Der methodistische Bischof Federico J. Pagura aus Argentinien hat den ersten Entwurf der diesjährigen Pfingstbotschaft verfasst. "Für uns in Lateinamerika ist es von grundlegender Bedeutung, den Geist der Erneuerung und der Neuschöpfung des Pfingstfestes zu unterstreichen, nicht nur im persönlichen Sinn, sondern auch in sozialer und historischer Hinsicht und Perspektive", erläutert Bischof Pagura.

"Dein Geist über alles Fleisch"
Das Jahr 2001 hat uns von Anfang an mit einer Folge von dramatischen Ereignissen und Entwicklungen in Atem gehalten so, als bewege sich die Menschheit (um mit Paulus zu sprechen) in den Wehen einer Geburt, mit ihren tödlichen Gefahren, aber auch ihrer wunderbaren Hoffnung auf neues Leben. Nachdem wir sieben Wochen im Licht des unergründlichen Geheimnisses und unauslöschlichen Glanzes der Auferstehung unseres Herrn verweilt haben, schicken wir uns nun an, das Pfingstfest zu feiern.
Mit dieser Vision neuen Lebens vor Augen begegnen wir Christen den Herausforderungen dieses neuen Jahrhunderts, von denen wir uns ansonsten überwältigt fühlen könnten. Insbesondere freuen wir uns darüber, dass der ökumenische Dialog in der großen Familie der christlichen Kirchen lebendig bleibt. Die Kirchen sind trotz ihrer Besonderheiten heute mehr denn je aufgerufen, leidenschaftlich nach Einheit, nach einem gemeinsamen Zeugnis und nach einem wirksamen Dienst zu streben, "damit die Welt glaube". In diesem Bestreben ermutigen uns die Worte des Propheten Joel, an die der Apostel Petrus zu Pfingsten erinnerte: "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen" (Apg 2,17-18).
Angesichts der tiefgreifenden Veränderungen, denen sich die Menschheit heute gegenübersieht, kann uns die bekannte Ermahnung des Apostels Paulus, die in unseren Gemeinden so häufig gelesen und zitiert wird, Wegweisung sein: "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene" (Röm 12,1-2).
Pfingsten ruft uns heute nicht zu geistlichem Hochmut, zu billigem Triumphalismus oder zum Konformismus; nicht zu Resignation, zu Neutralität oder Fatalismus, sondern zur Hoffnung, zum Engagement und zu konstruktivem und veränderndem Handeln, das den Weg zu einer neuen Kultur des Geistes, der Gerechtigkeit und der Liebe öffnet. Als Christen, die wir auf den Namen des Heiligen Geistes getauft sind, haben wir keine andere Wahl als erneuerte Kraft und geistliche Nahrung in Christus zu suchen, um ihm nachzufolgen. Hat er uns nicht in seine Kirche aufgenommen und uns in die Welt gesandt, damit wir seinen Willen erfüllen?
Als Christen müssen wir noch mehr auf die biblische Botschaft hören, die uns auffordert, uns durch die Erneuerung unseres Sinnes zu ändern und den Willen Gottes zu tun. Als Kirchen sind wir aufgerufen, uns den Mächten entgegenzustellen, die unsere Menschlichkeit leugnen und uns in gegnerische Lager spalten wollen. Die Kirche, die in der Welt, aber nicht von der Welt ist, muss das Evangelium in ihrem eigenen geistlichen Leben und Wirken verkörpern. Wir sind überzeugt, dass uns der Geist Gottes dazu aufruft, unsere Kreativität in den Dienst seines Heilsplans zu stellen und die nach uns kommenden Generationen an diese Vision heranzuführen, sie ihnen zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass sie in ihnen weiterlebt. Der Geist Gottes fordert uns auf, an das neue Morgen zu glauben, das wir schon heute zu gestalten beginnen.
Deshalb beten wir: "Herr, gieße deinen Geist über alles Fleisch, damit wir und unsere Söhne und Töchter, die Jungen und die Alten, Männer und Frauen verwandelt werden durch die Erneuerung unseres Geistes, auf dass wir deinen Willen erkennen und verkündigen und zu Erbauern einer neuen Kultur werden, in der Erwartung deines Reiches. Amen.

Die ÖRK-Präsidentinnen und Präsidenten

Dr. Agnes Abuom, Nairobi, Kenia
Pfarrerin Kathryn K. Bannister, Bison, Kansas, USA
Bischof Jabez L. Bryce, Suva, Fidschi
Metropolit von Ephesus Chrisostomos, Istanbul, Türkei
Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas, Damaskus, Syrien
Dr. Kang Moon-Kyu, Seoul, Korea
Bischof Federico J. Pagura, Rosario, Argentinien
Bischof Eberhardt Renz, Stuttgart, Deutschland


Quelle: Ökumenischer Rat der Kirchen

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