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EMKNI - 01.11.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Enttäuschung über Ja des SEK zur Fristenregelung

Verschiedene Organisationen zeigen sich enttäuscht über das Ja des "Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes" (SEK) zu Fristenlösung.

Dass sich die Schweizer Kirchen nicht einmütig und entschieden für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzen, ist für die "Schweizerische Evangelische Allianz" (SEA) eine große Enttäuschung. Sie könne den am Dienstag veröffentlichten Argumenten des Evangelischen Kirchenbundes (SEK) zur Fristenlösung nicht folgen.
Der SEK berufe sich in seiner Stellungnahme auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau und "erweckt den Eindruck, alle Frauen kämen erst nach langem Ringen und intensiven ethischen Abwägungen zum Entschluss, ihre Kind abzutreiben". Die SEA hält dem entgegen, dass die Praxis ein anderes Bild zeige.
Nach Meinung der SEA macht es sich der SEK aus christlicher Sicht zu leicht, wenn er dem vermeintlichen gesellschaftlichen Druck nach Liberalisierung in der Abtreibungsfrage nachgibt. "Die Christinnen und Christen in der Evangelischen Allianz sprechen sich deutlich für den Schutz des ungeborenen Lebens aus und unterstützen das Referendum gegen die Fristenlösung."
Entgegen dem SEK spricht sich die SEA für den gesetzlichen Schutz des ungeborenen Lebens und gegen den straffreien Schwangerschaftsabbruch aus. Dadurch bleibe die Frau vor dem Druck auf Abtreibung durch Gesellschaft und Umfeld besser geschützt.

Die "Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind" (SHMK) hat am Mittwoch in einer Medienmitteilung "mit Nachdruck" gegen die befürwortende Stellungnahme des Rates des SEK zur Fristenlösung protestiert. Die SHMK nennt den Entscheid des Rates eine Blamage für die ganze evangelische Landeskirche der Schweiz. Sie ruft die Mitglieder dazu auf, sich diesem Protest anzuschließen.
Mit seiner am Dienstag veröffentlichten Zustimmung zur Fristenlösung begehe der SEK "Verrat an seinen evangelisch-theologischen Grundlagen". Etliche kantonale Synoden und Kirchgemeinden dürften "wie vor den Kopf gestoßen sein, da sie in der Frage eine andere Haltung einnehmen", heißt es in dem SHMK-Communiqué weiter.
Wenn der Rat des SEK nun "aus lediglich gesellschaftspolitischen, sicher aber nicht theologischen und noch weniger reformatorischen Überlegungen heraus" für eine Fristenlösung eintrete, so komme das einem Entscheid gleich, der dem "ureigenen Auftrag der Kirche" widerspreche. Aus ökumenischer Sicht belastet dieser Entscheid die jahrzehntelangen Bemühungen in der Schweiz.
Der SEK "ist die einzige gesamtschweizerische religiöse Organisation, deren Autoritäten offenbar – unter dem Vorwand der persönlichen Entscheidungsfreiheit – einer beliebigen Aushöhlung des Lebensrechts Tür und Tor öffnen wollen". Zur Rechtfertigung benutze der Rat des SEK das "schönrednerische und im Grunde irreführende Vokabular" von Abtreibungsbefürworterinnen und Abtreibungsbefürwortern.

Auch die "Evangelische Volkspartei der Schweiz" (EVP) weist die Stellungnahme des SEK vom Dienstag, welche die Fristenlösung bei der Abtreibung begrüßt, zurück. Sie sei wenig fundiert und unhaltbar, heißt es in einer Medienmitteilung der EVP.
Nach Ansicht des Vizepräsidenten der EVP, Nationalrat Walter Donzé (Frutigen BE), spricht der Rat des SEK zwar ausgiebig von "evangelisch-theologischen Grundlagen", in seinen Schlussfolgerungen vermöge er aber nicht mehr zu sagen, als dass die Fristenlösung eine "pragmatische und demokratische Lösung" sei. "An dieser enttäuschenden kirchlichen Stellungnahme kann auch der hilflose Hinweis, dass die Fristenlösung ‚nicht als Banalisierung‘ verstanden werden dürfe, nichts mehr ändern".
Die vom Rat des SEK genannten "evangelisch-theologischen Grundlagen" seien in dieser heiklen und wichtigen Frage Lichtjahre von denjenigen anderer kirchlicher Verbände wie der Schweizerischen Bischofskonferenz, des Verbandes evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz sowie der Schweizerischen Evangelischen Allianz entfernt. Dieses Ausscheren des SEK wird von der EVP bedauert.
Hingegen teile die EVP die Ansicht des Rates des SEK, wonach betroffene Frauen oder Paare nicht kriminalisiert werden sollen. Dazu habe die EVP bereits im Januar Lösungsvorschläge präsentiert.


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

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