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EMKNI - 02.11.2001   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Bedeutende Ökumenische Tagung in Bern

Im Auftrag des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat die Evangelisch/Römisch-katholische Gesprächskommission (ERGK) eine wissenschaftliche Tagung zur "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre", die 1999 in Augsburg unterzeichnet wurde, durchgeführt. Mehrere renommierte Theologen haben sich dazu am 28. und 29. Oktober in Bern getroffen - unter ihnen Professor Eberhard Jüngel (Tübingen) und Kardinal Walter Kasper (Rom).
Im Frühjahr 1997 ließ die Nachricht aufhorchen, die evangelisch-lutherische und die römisch-katholische Kirche seien in der jahrhundertelang kontroversen Frage der Rechtfertigung des Glaubens einig geworden. Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" stieß jedoch auf Widerstand, gerade auch bei 160 deutschen Theologieprofessoren. Nur wenig später schien außerdem die mühsam errungene Einigung über die Rechtfertigungslehre durch die Erklärung "Dominus Iesus" im Herbst 2000 wieder in Frage gestellt.
Das Kolloquium diente dazu, darüber nachzudenken, was Augsburg 1999 der Ökumene wirklich gebracht habe. Die Teilnehmenden analysierten die Entwicklung des ökumenischen Dialogs seit der Unterzeichnung des Dokumentes und loteten die Zukunftsperspektiven aus.
Dass eine solche Tagung stattfinde, sagte Kurt Koch, Bischof von Basel, in seiner Einleitung zur Bedeutung des Anlasses, sei bereits ein ökumenisches Zeichen. Eberhard Jüngel, Theologieprofessor, Tübingen, hielt ein Referat mit dem Titel: "Quo vadis ecclesia?" Wer wissen wolle, wohin die Kirche gehe, müsse fragen, woher die Kirchen kämen, meinte er und deshalb sei die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Bibel - einer wichtigen gemeinsamen Quelle - ein Weg der Annäherung.
An der Podiumsdiskussion wurden auch kritische Bemerkungen gemacht. Petra Silke Bergjan, Theologie-Professorin aus Zürich, legte dar, dass "die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (Augsburg)" ein Konsenspapier sei, in dem beide Seiten prüften, ob sie gebührend vertreten seien - ein echtes Zusammengehen fordere aber die Schaffung neuer Grundlagen. Überdies würden darin Fragen erläutert, die aus dem Kontext des 16. Jahrhunderts stammten. Professor Pierre Bühler, Zürich, seinerseits fand, dass unter den oberflächlichen Wellen die wirkliche ökumenische Arbeit an der Basis stattfinde. Die Übereinkunft sei sehr schnell erfolgt, was sich auch an der Tatsache ablesen lasse, dass bereits kurz darauf in einem weiteren Papier ergänzt und erklärt wurde, was Augsburg genau wollte.
Für Kardinal Walter Kasper (Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderungen der Einheit der Christen) war Augsburg "nicht nur eine protokollmässige Unterschrift" sondern ein "liturgisches Fest". Und weiter: "die Wiederherstellung der vollen Einheit kann nur durch persönliche Bekehrung und institutionelle Erneuerung erfolgen (..) in einer Einheit in der Vielfalt". Er räumte ein, dass eine wichtige Etappe zurückgelegt, das Endziel indes nicht erreicht sei.
Der Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Thomas Wipf, erinnerte an die Charta Oecumenica - um die ökumenische Gemeinschaft zu vertiefen seien Bemühungen um einen Konsens im Glauben unbedingt fortzusetzen, ohne Einheit im Glauben gebe es keine volle Kirchengemeinschaft. "Zum Dialog gibt es keine Alternative." schloss Wipf.
Rund 100 Personen nahmen an dem Anlass teil, darunter auffällig viele hohe Vertreter beider Kirchen. Das zweitägige Treffen wurde mit einer gemeinsamen liturgischen Feier unter der Leitung der CO-Präsidenten der ERGK, Generalvikar Rudolf Schmid und Pfarrer Frank Jehle, abgeschlossen.


Quelle: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK)

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