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EMKNI - 05.11.2001   Zurück zur Übersicht

Europa: Klimawandel - eine drängende Herausforderung an die Kirchen in Europa

Was würde Jesus heute von den Industrienationen halten, die sich nach wie vor weigern, das Kyoto-Protokoll zu ratifizierten und in die Praxis umzusetzen? Folgt man dem Schweizer Theologen Lukas Vischer, dann könnte die Antwort wie folgt lauten: "So wie zu Jesu Zeiten lassen wir uns das Wetter von morgen voraussagen, verschließen aber die Augen vor der längerfristigen Gefahr. Ihr Heuchler!"
Diese aktuelle Interpretation einer Passage aus dem Lukasevangelium (Lk 12,54-56) ist nur ein kleines Element aus der Sammlung theologischer und wissenschaftlicher Reflexionen zum Klimawandel, die das Europäische Christliche Umweltnetzwerk (ECEN) gerade veröffentlicht hat. ECEN ist eine ökumenische Organisation, die 1998 auf Empfehlung der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz gegründet worden ist.
Die Broschüre "Klimawandel - eine Herausforderung für die Kirchen in Europa" wurde im Auftrag einer Arbeitsgruppe des Netzwerkes von Marijke van Duin (Niederlande) und Lukas Vischer (Schweiz) herausgegeben und an alle europäischen Kirchen verschickt. Unter den Autorinnen und Autoren finden sich namhafte Wissenschaftler, Theologinnen und Theologen aller größeren christlichen Konfessionen in Ost- und Westeuropa, von den protestantischen, orthodoxen sowie von der römisch-katholischen Kirche.
Laut ECEN stellt "der Klimawandel eine neue und drängende Herausforderung für die Kirchen dar... Trotz der Warnungen von wissenschaftlicher Seite können sich die Industrienationen nicht zu wirklichen Maßnahmen entschließen." Die Konferenz zum Klimawandel in Den Haag (im November 200) scheiterte und mittlerweile haben die USA, das Land mit dem weltweit höchsten Kohlendioxid-Ausstoß, ihre Ablehnung des Kyoto-Protokolls von 1992 untermauert.
"Die Absage der Vereinigten Staaten," so sagen die Autoren, "stellt für die europäischen Nationen ein Dilemma dar. Sollen sie dem Beispiel Amerikas folgen?" In diesem Kontext haben die christlichen Kirchen eine bedeutende Rolle: "Die Industrienationen sind aufs Ganze gesehen traditionell 'christliche' Länder. Die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft steht darum in hohem Masse auf dem Spiel. Werden wir uns im Namen des Selbstinteresses über Verantwortung und Solidarität hinwegsetzen? Oder werden sich die christlichen Wurzeln als genügend stark erweisen, um einen konstruktiven Aufbruch zu ermöglichen?"
Die Broschüre zum Klimawandel kann in deutscher und englischer Sprache von der Webseite des Netzwerkes (http://www.ecen.org/) herunter geladen werden.
Das Europäische Christliche Umweltnetzwerk (ECEN) wurde 1998 auf Empfehlung der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz gegründet. Zu den Mitgliedern zählen Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und kirchlichen Organisationen, die von diesen beauftragt wurden an Umweltfragen zu arbeiten. Die Mitglieder kommen aus fast allen europäischen Ländern und von allen größeren Konfessionen. Das Büro der Konferenz Europäischer Kirchen in Genf (Schweiz) steht dem Netzwerk als Sekretariat zur Verfügung. Kontaktadresse.


Quelle: Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)

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