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EMKNI - 25.10.2001   Zurück zur Übersicht

USA: Ökumenisches Team erklärt den "Umbau des internationalen Finanzsystems" zur Priorität

Angelpunkt des Themas Entwicklungsfinanzierung ist die Frage nach Gerechtigkeit und nicht in erster Linie die Finanzfrage. Zu diesem Ergebnis kamen Mitglieder des ökumenischen Teams, das die Vorbereitungsarbeit der Vereinten Nationen (UN) für eine Konferenz über Entwicklungsfinanzierung verfolgt.
Die bestehenden Entwicklungsmodelle müssten einer kritischen Prüfung unterzogen werden, "weil eine ethische Entwicklungsperspektive die uneingeschränkte Beteiligung aller Gemeinschaften erfordert und besonderes der Menschen, die aufgrund von Armut und Ohnmacht ausgegrenzt werden", sagte das Team zum Abschluss der dritten Tagung des Vorbereitungsausschusses für die Konferenz über Entwicklungsfinanzierung, die vom 15. bis 19. Oktober in New York stattfand und die Hauptkonferenz, die für März 2002 in Monterey, Mexiko geplant ist, vorbereitete.
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat in Zusammenarbeit mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) ein 21-köpfiges Team nach New York entsandt, um die Diskussionen zu verfolgen und Gespräche mit den Delegierten zu führen. Gail Lerner, ÖRK-Mitarbeiterin mit Sitz im Kirchlichen Zentrum bei den Vereinten Nationen, berichtete, die Mehrzahl der Teammitglieder werde auch an der vierten Vorbereitungstagung im kommenden Januar in New York sowie an der Hauptkonferenz teilnehmen.
Ein Teil der Mitglieder habe bereits an früheren Vorbereitungstagungen teilgenommen, und das Team formuliere eine Erwiderung zu den Entwürfen des UN-Dokuments, mit dem sich die Delegierten in Monterey beschäftigen würden. Diese Erwiderung werde mit jedem neuen Entwurf auf den neuesten Stand gebracht, fügte Lerner hinzu.

Das System verändern
Der UN-Entwurf, der im Licht der Diskussionen der vergangenen Woche erneut revidiert wird, beginnt mit einem Aufruf zur "Mobilisierung einheimischer Finanzmittel für die Entwicklung", geht dann auf internationale Privatmittel, Welthandel und internationale finanzielle Zusammenarbeit ein, um mit einem sechsten und letzten Punkt, "systemimmanente Fragen", zu enden.
Das ökumenische Team stellte dieses Schema auf den Kopf und erklärte den "Umbau des internationalen Finanzsystems" zur obersten Priorität. Außerdem forderte das Team anstelle der Prüfung einer "nachhaltigen Schuldenfinanzierung" oder Schuldenerleichterung einen "umgehenden Schuldenerlass" für die hochverschuldeten armen Länder, "eine substantielle Schuldenreduzierung" für Länder mit mittlerem Einkommen und eine Streichung der von den internationalen Finanzinstituten auferlegten strukturellen Anpassungsprogramme.
Zur Veränderung des Gesamtsystems, so das Team, gehöre, dass die UNO anstelle des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Wirtschaftsfragen die Führungsrolle übernimmt. "Um die Demokratisierung des internationalen Finanzsystems zu gewährleisten, muss die UNO ein tragender Pfeiler für die internationale Finanz und die Wirtschaftsstrukturen sein", erklärte das Team.

Neue Wirtschaftsmodelle sind möglich
Mit Blick auf die Oktobertagung berichteten einige Teammitglieder, dass ein Teil der reicheren Länder sich gegen Veränderungen wehre und darauf beharre, dass das bestehende kapitalistische oder "neoliberale" System das einzig mögliche sei. Es habe aber auch Rufe nach neuen Ansätzen gegeben. Das Team zeigte sich zuversichtlich, dass ein nützlicher Prozess in Gang gesetzt worden sei, auch wenn die Ergebnisse von Monterey sich als enttäuschend erweisen sollten.
Patricio Castillo-Pena, ein Methodist aus Chile, erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit keinen Platz in der Ökonomie für soziale Aspekte der Entwicklung gegeben habe. Nun deute sich aber in den Diskussionen im Vorfeld von Monterey ein Umdenken an.
Hellen Wangusa, Anglikanerin aus Uganda, erklärte, Veränderung sei notwendig, weil "die Menschen an der Basis unzufrieden mit den Ergebnissen von IWF und Weltbank" sind und lieber die UNO als demokratischeres Gremium an deren Stelle sehen würden.
Taimalelagi Fagamalama, Laiin und Erzdiakonin aus Samoa, die im August zur anglikanischen Beobachterin bei der UNO ernannt wurde, meinte, wenn die Leute an Armut dächten, dächten sie automatisch an Afrika, aber ihr Land, das eines der am wenigsten entwickelten sei, verdiene ebenfalls Aufmerksamkeit.
Auch wenn das ökumenische Team unterschiedlicher religiöser und geografischer Herkunft war, so waren sich die Mitglieder doch in den wesentlichen Punkten einig. Wendy Flannery, eine römisch-katholische Schwester der Barmherzigkeit aus Australien, berichtet von einer "starken Konvergenz". Demba Moussa Dembele, Muslim aus dem Senegal, erklärte, er sehe Fragen wie Schuldenerlass, Privatisierung und Entwicklungsfinanzierung im Grossen und Ganzen so wie die Christen im Team.
Hans Morten Haugen, ein norwegischer Lutheraner, der in seiner Kirche für internationale Angelegenheiten zuständig ist und der norwegischen Delegation auf der Vorbereitungstagung angehörte, sagte, Delegierte wie auch Vertreter und Vertreterinnen der Nichtregierungsorganisationen (NRO) bewunderten das ökumenische Team wegen seiner sorgfältigen Vorbereitung. Das Team beeindrucke nicht nur als Gruppe, sondern auch durch die Orientierung, die einzelne Teammitglieder anderen NRO-Gruppen geben, die sich mit bestimmten Themen beschäftigten, fügte er hinzu.


Quelle: Ökumenischer Rat der Kirchen

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