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EMKNI - 11.09.2001   Zurück zur Übersicht

Bulgarien: Religionskonferenz in Sofia

Seit Sonntag, den 9. September, suchen zum ersten Mal Vertreter aller Glaubensgemeinschaften auf dem Balkan in Sofia nach Wegen zur Überwindung der nationalen Konflikte.
Wie der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., in seiner Eröffnungsrede am Sonntag in Sofia betont hat, dürfe die Orthodoxie nicht zum Merkmal einer Nation oder gar einer nationalistischen Ideologie gemacht werden. Die orthodoxe Kirche war die erste christliche Gemeinschaft, von welcher der moderne Nationalismus schon 1872 auf einer Synode in Stambul verurteilt wurde.
An der balkanischen Friedenskonferenz von Sofia nehmen evangelische, katholische und orthodoxe Christen, Juden und Moslems teil. Es ist bereits am Sonntagabend zu einer ersten Begegnung zwischen islamischen Albanertheologen von der Universität Tetovo und Vertretern der mazedonisch-orthodoxen Kirche gekommen.
Diese von orthodoxer Seite ausgehende Friedenskonferenz wurde von der sogenannten "Vlatadon-Initiative" vorbereitet. Diese steht unter der Leitung des Vertreters der Orthodoxie bei der EU in Brüssel, Bischof Emmanuel Adamakis.
Das Kloster Vlatadon auf einem Berg über dem nordgriechischen Saloniki ist eine der wichtigsten Zweigstellen des in Istanbul residierenden Ökumenischen Patriarchen auf dem Balkan. In Saloniki haben bis nach dem Ersten Weltkrieg orthodoxe Südslawen, Griechen und Balkanromanen mit türkischen und albanischen Moslems, mit Juden, Katholiken und evangelischen Christen friedlich zusammengelebt - ein Verhältnis, das Bartholomaios für ganz Südosteuropa wiederherstellen möchte.
Von evangelischer Seite sind in Sofia neben Bulgariens Evangelischer Allianz vor allem die mazedonischen Methodisten sowie die reformierten Kirchen von Rumänien, der jugoslawischen Vojvodina und Griechenland vertreten. Letztere auch mit ihren Missionsgemeinden in Albanien, dem Kosovo, Serbien und Bosnien.
Die orthodoxe Kirche im ehemaligen Jugoslawien - von Bosnien über Kosovo bis zum heutigen Mazedonien Hauptschauplatz der grausamsten Feindseligkeiten zwischen Serben (orthodox), Bosniaken, Albanern (Moslems) und Kroaten (katholisch) - ist auf der Friedenskonferenz von Sofia mit einer wenig repräsentativen Delegation vertreten.
Bei ihr hat zur Zeit der Besuch des Athener Erzbischofs Christodoulos Paraskevaidis Vorrang, der sich vom 7. bis 13. September in Serbien, der Vojvodina und Montenegro aufhält. Gleich bei seiner ersten Station in Novi Sad als Gast des zur Zeit des Bosnienkonfliktes besonders "nationalorthodoxen" Bischofs Irinej Bulovic bezeichnete das geistliche Oberhaupt von Griechenlands Landeskirche den Kosovo-Krieg der Nato von 1999 gegen das damalige Milosevic-Jugoslawien als "Verbrechen an unseren orthodoxen Serben-Brüdern".
Ähnlich militante Aussagen gab Christodoulos am Sonntag beim Festgottesdienst mit dem Belgrader Patriarchen Pavle Stojcevic in der serbischen Hauptstadt von sich, ehe beide zu einem gemeinsamen Besuch der orthodoxen Kirche von Montenegro aufbrachen.


Quelle: Reformierte Nachrichten (rna)

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