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EMKNI - 18.09.2001   Zurück zur Übersicht

Israel und Palästina: Palästinenser teilen gemäss Missionaren den Schmerz über die Attentate

Entgegen der Fernsehbilder vom 11. September haben die meisten Palästinenser die Terroranschläge in New York und Washington nicht gefeiert. Das teilen Evangelisch-methodistische Missionare im Mittleren Osten mit.
Der Ausdruck von Freude in den Strassen "war bescheiden und zeigte in keiner Weise die Gefühle der Mehrheit der Bevölkerung". Das schreibt Pfarrerin Sandra Olewine. Olewine ist eine Missionarin im Dienst des United Methodist Board of Global Ministries (UMBGM) in Jerusalem.
In gleicher Weise äußert sich Pfarrer Alex Awad und seine Frau Brenda, die ebenfalls im Dienst des UMBGM stehen, gegenüber dem United Methodist News Service (UMNS). Beide arbeiten im Bethlehem Bible College und in der East Jerusalem Baptist Church.
"Auch wir sind wütend – wütend über die Terroristen, wütend über die menschliche Destruktion, wütend für die Opfer und Hinterbliebenen – aber wir hoffen, dass die christliche Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten sich an das Wort von Apostel Paulus in Epheser 4,26 hält, der dort sagt: In eurem Zorn sündigt nicht!"
In Awads Kirche in Jerusalem wurde am 12. September ein spezieller Gebetsgottesdienst für die amerikanische Bevölkerung durchgeführt, der von palästinensischen Christen und Menschen verschiedenster Denominationen und Nationalitäten besucht wurde.
Weiter schreibt Awad über die Reaktionen seiner Studenten am 12. September: "Meine Studenten haben einstimmig die Angriffe verurteilt und ihr Entsetzen und ihren Horror ausgedrückt." Awad sei überrascht gewesen, denn viele seiner Studenten kommen aus dem Ort Beit Jala, dessen Bevölkerung nun seit Monaten unter Bombenangriffen und Zerstörung durch israelisches Militär leidet. Weiter erfuhr Awad von einigen Palästinensern, die, als sie zuerst von den Anschlägen in den Nachrichten hörten, diese gefeiert hätten, doch dann, als die gesamte Tragweite des Geschehens sich abzeichnete, ihre Schadenfreude bereut hätten.
Auch als er später mit Menschen auf Bethlehems Markt sprach, fand Awad "nicht einen Palästinenser in Bethlehem, ob Christ oder Muslim, der seiner Freude über den abscheulichen Angriff Ausdruck gab. So kehrte ich heim mit der Überzeugung, dass während einige wenige Palästinenser sich am Unglück der Amerikaner weideten, die überwiegende Mehrheit der Palästinenser genau so geschockt, entsetzt und konsterniert waren, wie ich... Unglücklicherweise verstanden es die Medien nicht, die wahren Gefühle von Millionen von PalästinenserInnen zu zeigen, die schweigend und trauernd die schrecklichen Bilder von Tod und Zerstörung zuhause am Fernsehen verfolgten."
Sandra Olewine erhielt von überall aus der West Bank Telefonanrufe von Palästinenser, die ihren Schrecken mit ihr teilen wollten und ihr Beileid ausdrückten. Vom Generalkonsulat der Vereinigten Staaten erfuhr sie, dass sehr viele Beileidsbekundungen von Palästinensern und palästinensischen Organisationen per Fax und Post eingegangen seien. Vor dem amerikanischen Konsulat in Ostjerusalem sah Olewine etwa 30 palästinensische Muslimmädchen mit ihrem Lehrer, die dort eine Zeit des Gebets mit Blumen in den Händen abhielten. Später dann wurde sie zuhause von palästinensischen Freunden, Muslims und Christen, kontaktiert. Sie fragten Oelwine nach Möglichkeiten zu helfen, und ob ihre Bekannten in den USA gesund seien.
"Auch wenn die Welt und besonders die Amerikaner all das nicht, oder in den Palästinenser nur 'Terroristen' sehen, hören diese nicht auf, ihre Menschlichkeit und Humanität mit andern zu teilen, die wie sie Kummer und Schmerz erfahren," so Olewine.
Nun kommt es in den Vereinigten Staaten zu heftigen Reaktionen gegen amerikanische Muslims und Personen, die aus dem Nahen Osten kommen oder auch nur so aussehen. Awad erinnert daran, dass dies auch während des 2. Weltkriegs geschah gegenüber unschuldigen Deutschen und Japanern, die in den USA lebten. "Ich war sehr erfreut, Präsident George W. Bush am Fernsehen sagen zu hören, dass wir nicht hasserfüllt gegen arabischstämmige Amerikaner und Muslims vergehen dürfen, die in den Vereinigten Staaten leben," so Awad.


Quelle: United Methodist News Service

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