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EMKNI - 02.08.2002   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Ein Trialog der Religionen als Beitrag zum Frieden

Als die beiden amerikanischen Professoren Leonard Swidler und Paul Mojzes vor fünfzehn Jahren den Trialog als neue Form der Begegnung der Religionen erfunden haben, wollten sie Wissenschaftler der drei monotheistischen Religionen zusammenbringen. Vertreter aus dem Judentum, Islam und Christentum sollten sich als gleichberechtigte Partner zu offenen Gesprächen treffen; deshalb der neue Begriff des Trialogs. Das Ziel war, einander als Menschen und Religionsangehörige besser kennen zu lernen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen.
Diese Bewegung des Trialogs schien dem makedonischen Präsidenten Boris Trajkovski eine Art von Veranstaltung zu sein, die einen wichtigen Beitrag zur Konfliktlösung in Makedonien beitragen könnte. Leider waren die Religionen in seinem Land in die ethnischen Auseinandersetzungen hineingezogen worden und haben es deshalb oft verpasst, Versöhnung zu verkündigen und zu leben. Unter seinem Patronat konnte für die Zeit vom 10.-14. Mai 2002 in Skopje zu einem Trialog eingeladen werden. Zu den vierzig Wissenschaftlern aus England, Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Schweiz, USA, Marokko, Indien, Pakisten, Ägypten, Indonesien, Israel und Libanon kamen über vierzig Religionsvertreter aus Makedonien. Alle fünf Religionen und Glaubensgemeinschaften, die in der neuen makedonischen Verfassung anerkannt sind, waren vertreten: Orthodoxe Kirche, Islam, Judentum, Evangelisch-methodistische Kirche und Römisch-katholische Kirche.
Den makedonischen Vertretern fiel es leichter, sich in der Gemeinschaft mit Ausländern zu begegnen. Es hatte eine Zeit gegeben, da sie sich recht gut gekannt und sich auch gegenseitig zu Festen eingeladen hatten. Durch die enthnischen Spannungen und den Krieg war man sich fremd geworden. Die Referate halfen, einander und die gegenwärtige Situation besser zu verstehen. Niemand wollte einen billigen Weg der Vermischung der Religionen. Hingegen wurde von Respekt und Offenheit gesprochen. Einer der Referenten erliess den Aufruf: „Schenkt euren Kindern die Gegenwart und nicht erst die Zukunft!“ Makedonien möge aus den schlimmen Erfahrungen der umliegenden Länder lernen und alles tun, um den Krieg zu verhüten. Die Religionen können dabei als Sauerteig entscheidend helfen, dass Neues wird.
Tatsächlich konnten Schritte getan werden, die noch vor Monaten nicht denkbar gewesen wären. Die Konferenz hielt ihre Veranstaltung je einen halben Tag im Theologischen Seminar der Orthodoxen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Für viele der makedonischen Teilnehmer war das der erste Besuch an diesen Ausbildungsstätten. Bei dieser Gelegenheit reichten sich die beiden Dekane die Hand und gaben sich gegenseitig das Versprechen, in Zukunft Professoren auszutauschen. Wenn über den Glauben der andern gesprochen werde, soll ein Vertreter dieser Religion seinen Glauben vorstellen. Auch die „Kleinen“ - die Methodisten, Katholiken und Juden - sollen in diesem Abkommen eingeschlossen sein. In einer Schlusserklärung ist vereinbart worden, einen Rat der Religionen zu schaffen. Die bisherige Religionskommission war als staatliche Institution mit Vertretern der Parteien besetzt und konnte nie den widersprüchlichen Forderungen einzelner Gruppen gerecht werden. Nun wollen die Vertreter der Religionen selber aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Auch die Religionsoberhäupter verpflichteten sich zu regelmässigen Treffen. In direkten Begegnungen aller Beteiligter sind diese Entscheidungen sorgfältig vorbereitet worden. Zum Trialog gehörten auch gottesdienstliche Veranstaltungen mit den lokalen Glaubensgemeinschaften. Die Evangelisch-methodistische Kirche, mit Pfr. Peter Siegfried als Gastredner, feierte den Gottesdienst gemeinsam mit dem Präsidenten Boris Trajkovski und seiner Familie.
Alle waren sich einig, dass ein Weg, der zu einem besseren Miteinander führt, nicht einfach ist. Die drei Religionen, die sich alle auf Abraham berufen, haben jedoch genügend Gemeinsamkeiten, um einander in Respekt begegnen zu können. Zudem bezeugten alle Redner, dass keine der Religionen das Verderben der Menschen und des Landes will. Die Gaben von Frieden, Liebe, Freundlichkeit und Gutestun haben alle gemeinsam.
Der Trialog in Skopje war hoffentlich ein – vielleicht sogar wichtiger – Schritt auf dem Weg zum friedlichen und offenen Miteinander in Makedonien. Die Brüder und Schwestern brauchen unsere Fürbitte, damit der bekundete gute Wille zur Gemeinsamkeit in konkrete Ereignisse umgesetzt werden kann.


Quelle: Peter Siegfried/Michael Cekov

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