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EMKNI - 27.08.2002   Zurück zur Übersicht

Schweiz: 75 Jahre Glauben und Kirchenverfassung

Zahlreiche Kirchenvertreter haben am Sonntag in Lausanne den 75. Jahrestag der Einheitsbewegung "Glauben und Kirchenverfassung" begangen. Diese Bewegung war die Vorläuferin des rund 20 Jahre später entstandenen Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf. Heute bildet sie dessen Kommission für dogmatisch- ekklesiologisches Zusammenfinden.

Bei dem Festakt in der vollbesetzten Aula der Universität rief eingangs der armenisch-apostolische Katholikos Aram I. in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des ÖRK-Zentralausschusses alle Teilnehmenden auf, sich nicht mit Halbheiten abzufinden und "in gemeinsamem Beten und Nachdenken" an der Vision von einer sichtbaren Einheit der einen Kirche als unaufgebbarem Ziel fest zuhalten.
Der Moderator von "Glauben und Kirchenverfassung, David Yemba, wies auf das oft anstrengende, aber fruchtbare Spannungsverhältnis zwischen der Suche nach den Fundamenten christlicher Einheit und konkreten Schritten zu ihrer Verwirklichung hin. Der Schweizer Theologe Lukas Vischer, von dem "Glauben und Kirchenverfassung" von 1966 und 1979 geleitet worden war, erklärte seinerseits: "Noch haben wir keine freie Bahn. Unterschiedliche Konzepte stehen im Wege."
Lukas Vischer rief die Jugend und gerade die weibliche Jugend auf, die Anliegen der Bewegung weiterzutragen. Ein Rezept gegen die heute so verbreitete Ökumene-Müdigkeit, das von der nächsten, jungen Rednerin aufgegriffen wurde.
Als orthodoxe Hauptsprecherin in Lausanne, unterstrich die griechische Nachwuchstheologin Anastasia Vassiliadou das Ungenügen einer unverbindlichen "Freundschaftsökumene" unter den Christen. "Die Erwartung der jungen Generation", betonte Vassiliadou, besteht natürlich darin, dass ‘Glauben und Kirchenverfassung’ intensiver daran arbeitet, auf das Ziel der sichtbaren Einheit der Kirche zuzugehen. Damit sei nicht einfach Einheit in allen grundlegenden kirchlichen Bereichen gemeint, und nicht nur eine Einheit, die sich auf die ganze Menschheit erstrecke, sondern eine Einheit, die auch die ganze Schöpfung einschließe.
1927 hatte Rom die Einladung zur Gründungsversammlung von "Glauben und Kirchenverfassung" noch abgelehnt. Nach dem II. Vatikanischen Konzil ist die katholische Kirche jedoch 1968 beigetreten, hat an dem 1982 in Lima (Peru) vorgestellten gesamtchristlichen Bekenntnis zu Taufe, Eucharistie und geistlichem Amt entscheidend mitgearbeitet.
Langjähriger katholischer Vertreter bei "Glauben und Kirchenverfassung" war – damals noch als Theologieprofessor in Tübingen – der heutige Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen – Kardinal Walter Kasper. Seine an die Jubiläumsversammlung in der Universität und anschließend in der Kathedrale von Lausanne gerichtete Botschaft rief zu einer "Erneuerung der ökumenischen Spiritualität" auf.
In seinem von Ruedi von Sinner - der selbst Glauben und Kirchenverfassung angehört - überbrachten Grußwort gab der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) seiner Freude über die 75 Jahre intensiver theologischer Arbeit im Raum der Ökumene Ausdruck, die "seit der Ersten Weltkonferenz 1927 markante Veränderungen mit sich gebracht hat."
Die volle Einheit der Christen sei leider noch nicht zustande gebracht, trotz Meilensteinen wie den Texten von Lima. "Es ist unsere Hoffnung und unsere Bitte an Glauben und Kirchenverfassung", unterstreichen SEK-Präsident Thomas Wipf und Gottfried Locher als Leiter der Außenbeziehungen in der von ihnen gemeinsam unterzeichneten Botschaft, "dass sie das Ziel der beim Mahl des Herrn vereinten Christenheit nie aus den Augen verlieren möge."


Quelle: RNA / Heinz Gstrein

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