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EMKNI - 19.12.2002   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Aufruf der „Sans-Papiers“ zu Weihnachten

Die „Commission Tiers-Monde“ der reformierten Kirche von Genf sowie die „Plateforme Evangile et Société“ der katholischen Kirche von Genf machen in einem gemeinsamen Schreiben auf die Not der sogenannten „Sans-Papiers“ aufmerksam. Beide Kommissionen sind in einem Unterstützungskomitee für diese Menschen, dem auch Roswitha Ebner-Golder, die als Pfarrerin in der Lateinamerikanischen EMK-Gemeinde in Genf tätig ist, angehört. Auch die EMK-Gemeinde engagiert sich stark für dieses Anliegen. Wir publizieren untenstehend die dem Schreiben beigelegte Glückwunschkarte von mehreren „Sans-Papiers“, die aus verständlichen Gründen namentlich nicht genannt werden möchten:

An die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz

Als Arbeiterinnen und Arbeiter ohne legalen Status möchten wir Ihnen, die das Glück haben, die Festtage im Familienkreis zu feiern, fröhliche Weihnachten wünschen.

Wir ergreifen diese Gelegenheit, um Sie daran zu erinnern, dass wir als Arbeiterinnen und Arbeiter ohne legalen Status mit Ihnen zusammen an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Schweiz teilnehmen.

Durch unseren täglichen Einsatz tragen wir zur Verbesserung Ihrer Umwelt und Ihrer Häuser bei, indem wir sie reinigen. Wir kümmern uns um Ihre Kinder und Ihre Senioren, damit Sie unbesorgt arbeiten können. Wir nehmen auch prekäre und oft anstrengende und gefährliche Arbeiten in Kauf. Und trotz all dieser Anstrengungen, die wir Tag für Tag an Ihrer Seite, manchmal seit mehr als zehn Jahren, verbringen, verwehrt man uns das Recht auf Respekt für unsere Arbeit und werden wir weiterhin nicht als Arbeiterinnen und Arbeiter anerkannt.

Die glückbringende Weihnachtszeit ist das Fest der Freude, die jedermann im trauten Familienkreis zu verbringen wünscht. Auch wir möchten diese Glücksmomente mit unseren Angehörigen teilen können und die Freude unserer Kinder beim Auspacken der Geschenke sehen können.

Unsere gegenwärtige Lage als Arbeiterinnen und Arbeiter ohne legalen Status hindert uns jedoch daran, frei nach Hause zu unseren Familien zurückzukehren. Wir können nicht einmal unsere Verstorbenen zu Grabe tragen oder Angehörige zu Besuch empfangen.

Für Weihnachten haben wir einen einzigen Wunsch auf unsere Geschenkliste gesetzt und hoffen, dass er uns erfüllt werden kann. Wir möchten, dass unser Status als Arbeiterinnen und Arbeiter durch eine Bewilligung anerkannt wird, die uns das Recht gibt, unserem Schattendasein den Rücken zu kehren. Dazu wünschen wir von ganzem Herzen, dass die Mentalitäten sich ändern und die Solidarität nicht nur eine Absichtserklärung bleibt.

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr 2003!

Im Namen des Genfer Kollektivs der Arbeiterinnen und Arbeiter ohne legalen Status

H. arbeitet in der Schweiz seit dreizehn Jahren, ohne Möglichkeit seit sechs Jahren seine Tochter und seine Eltern zu treffen.
C. arbeitet in der Schweiz seit fünf Jahren. Sie hat einen Wegweisungsbrief in der Tasche obwohl ihr Kind in der Schule ist.
A. arbeitet in der Schweiz seit acht Jahren und kann nicht in sein Land zurückkehren, um seine Mutter zu begraben.
M. arbeitet elf Stunden/Tag für zehn Franken/Stunde, ohne Möglichkeit aus seinem Zimmer zu gehen.
F. arbeitet in der Schweiz seit sieben Jahren. Sie ist missbraucht worden, aber traut sich nicht zu klagen.
? und einige tausend andere Leute aus Lateinamerika, Asien und Afrika.


Quelle: Unterstützungskomitee für die „Sans-Papiers“

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