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EMKNI - 04.01.2002   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Aktion "Gemeinsam beten verbindet"

Der evangelisch- methodistische Pastor Holger Panteleit sprach über die neue Aktion "Gemeinsam beten verbindet", die nächste Woche in Pfullingen gestartet wird. Bei den insgesamt fünf Veranstaltungen sollen sich nach Möglichkeit alle Pfullinger Christen zu Andacht und Gebet zusammenfinden, um die unterschiedlichen Formen der Gottesdienste besser kennen zu lernen.
Gastgeber dieses - seiner Meinung nach - grundlegend neuen Projektes sind die Evangelisch-methodistische Kirche, die Altpietistische Gemeinschaft, das Christliche Zentrum, die Katholische und die Evangelische Kirchengemeinde. Vom 7. bis 11. Januar werden die Begegnungen abwechselnd von den teilnehmenden christlichen Gemeinden in ihren jeweiligen Räumlichkeiten, jeweils ab 20 Uhr, angeboten. Das alle Abende überspannende Thema lautet "Vater Unser - Unser Vater".
Die Kirchen wollen damit aufeinander zugehen und die jeweils anderen Formen und Gestaltungsmöglichkeiten eines Gottesdienstes kennen lernen. Roter Faden der Gebetsabende ist das Vaterunser. Ein kleiner gemeinsamer liturgischer Rahmen soll geschaffen werden, indem man an jedem Abend ein gemeinsames Lied singe und einen gemeinsamen Psalm spreche. Man wolle aber, so Panteleit, die jeweiligen Besonderheiten der teilnehmenden Kirchen nicht aufweichen, sondern sich vielmehr inspirieren und geistig bereichern. Außerdem wollen die Gemeinden ein Zeichen setzen und den Menschen zeigen, dass sie bereit und willens sind, Interesse zu wecken und aufeinander zuzugehen. Man wolle "die Kirche in positiver Weise ins Gespräch bringen". Denn die Kirchlichkeit im Land sei am Schwinden, meinte Panteleit.
Das Besondere ist nun, dass eine Form gefunden wurde, um alle genannten Kirchen für diese gemeinsame Aktion zu gewinnen. Denn bislang war es so, dass sowohl die Evangelische und Evangelisch-methodistische Kirche, als auch die Altpietisten sich zu einer so genannten Allianzgebetswoche am Anfang eines jeden Jahres zu Gebetsabenden zusammenfanden.
Ein erster Schritt, um diese Runde zu erweitern, war das diesjährige "Gebet für die Einheit der Christenheit", an dem dann auch die Katholische St. Wolfgangsgemeinde teilnahm. Im ökumenischen Arbeitskreis wollte man aber diese entstandene Doppelstruktur der Begegnungen wieder auflösen, zumal es auch inhaltlich zu Differenzen kam.
Unter dem Arbeitstitel "Pfullinger Christen treffen sich zum Gebet" wollte man nun etwas Neues machen, über den eigenen Schatten springen und noch weitere christliche Gruppen ansprechen. Die eher charismatisch orientierte Freikirche Christliches Zentrum stieß dann hinzu.
Die anderen in Pfullingen vertretenen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften, wie die Biblische Missionsgemeinschaft, die Neuapostolische Kirche und die Griechisch orthodoxe Kirche, nehmen aus unterschiedlichen Gründen nicht teil. Trotz Einladung lehnte die Biblische Missionsgemeinschaft zum Beispiel eine derartige Zusammenarbeit ab.
Panteleit bedauerte, dass man zur Griechisch-orthodoxen Kirche vergleichsweise wenig Kontakt habe. Er erklärte dies damit, dass der in Tübingen wohnende Geistliche immer unterwegs sei, um seine verschiedenen Gemeinden zu besuchen. Auf den aktuellen Titel der Veranstaltung kam der neue katholische Pfarrer Robert Doll, der seit dem 4. November offiziell im Amt ist.
Das Christliche Zentrum zu gewinnen war schon sehr viel, meinte Panteleit. Die Runde sei nun merklich aufgewertet worden. Dieses Projekt sei ein weiterer Schritt, um das Miteinander der Christen zu fördern. Den ökumenischen Arbeitskreis, den es in Pfullingen erst seit Anfang der achtziger Jahre gibt, wolle man als Struktur beibehalten und damit weiterarbeiten.
Man könne aber auch einmal darüber nachdenken, eine Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Pfullingen aufzubauen, so Panteleit. Eine derartige Arbeitsgemeinschaft, die bundesweit organisiert ist, gibt es auch im benachbarten Reutlingen. Wäre man als ACK organisiert, könne man über den traditionellen ökumenischen Rahmen hinausgehen.
Offensichtlich haben sich die Pfullinger Geistlichen den "ökumenischen Minderheiten-Knigge" der ACK zu Herzen genommen. Denn der ACK gibt ganz konkrete Handlungsanweisungen für das Zusammenleben von kleineren und größeren christlichen Gemeinden. So solle man sich zum Beispiel gegenseitig einladen und besuchen, sich auf der Straße grüßen und Zeit haben für ein kleines Gespräch.
Kontakte zu Anhängern des Islams gibt es auch. So hat man einen Geistlichen der Reutlinger Moschee im Rahmen des ökumenischen Friedensgebets auf den Pfullinger Marktplatz eingeladen. Engere Beziehungen sind aber bislang in diese Richtung noch nicht angedacht beziehungsweise realisiert worden. Panteleit meinte diesbezüglich: "Es war Mühe genug, die jetzigen Partner zusammenzubringen".
Er wünscht sich, dass viele Menschen zu diesen Gebetsabenden kommen. Bei den Allianzgebetsabenden und beim Gebet für die Einheit der Christen seien zwischen 30 und 50 Leute gekommen. Vielleicht, so Panteleit, sind es dann nächste Woche doppelt so viele?


Quelle: Reutlinger General-Anzeiger - Frank Heckel

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