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EMKNI - 28.01.2002   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Freikirchliche Prediger nennen sich heute "Pastor" oder "Pfarrer"

Früher hatten freikirchliche Gemeinden ihren "Prediger" und hoben sich auch damit von der Landeskirche mit ihrem "Pfarrer" ab. Einigen scheint die Bezeichnung heute unangenehm zu sein und sie suchen eine neue.
Die Mennoniten und die Pilgermission St. Chrischona halten nach wie vor an der Amtsbezeichnung "Prediger" fest. Zwei weitere freikirchliche Bewegungen, nämlich der Bund der Freien Evangelischen Gemeinden (FEG) und die Schweizerische Pfingstmission (SPM) nannten in den letzten Jahren ihre Prediger um. Sie lehnten sich dabei an internationale Gepflogenheiten an: Wie im englischsprachigen Raum oder in Deutschland wird heute der Begriff "Pastor" verwendet. Dieser werde vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit gebraucht, so Claudius Zuber, Bundesleiter der FEG.
Intern und vor Ort halte sich die Bezeichnung "Prediger" nach wie vor, was ihm recht sei. Zuber findet die Umbenennung in den Freikirchen ein Teil einer "Akkreditierungswelle", die ja ebenso die Bibelschulen, oder eben heute "Theologischen Seminare" erfasst habe. Die evangelisch-methodistischen Verkündiger bezeichnen sich seit langem als Pfarrer. Neu, nämlich seit letztem Herbst, dürfen sich die Prediger des Evangelischen Gemeinschaftswerkes (EGW) "Pfarrer EGW" nennen. Das Wort "Prediger" wirke heute schon fast etwas sektiererisch, meinte die Auskunftsperson im EGW-Sekretariat.
Unterschiedlich handhaben die Freien Missionsgemeinden (VFMG) das Problem. Hier soll sich jeder gemäss seiner Ausbildung nennen. Wer ein Theologiestudium an der Hochschule absolviert hat, kann sich als Pfarrer ins Telefonbuch eintragen. Absolventen von Bibelschulen sollen sich Prediger nennen oder "Verkündiger", wie dies als Sammelbegriff unter den Freien Missionsgemeinden im Pfarrkalender steht.
Pfingstpastor David Kleist aus Interlaken hatte eine andere Idee: Er benennt seinen Beruf "Polyorator" (poly = griech. viel, vielseitig; orator = lat. Redner). Ein Polyorator sei demnach ein vielseitiger Redner, der in verschiedenen Bereichen tätig sei, so Kleist. Das Wort beschreibe am Besten, was seine Tätigkeit umfasse.
Als "Pfarrer" fehlten ihm die akademischen Weihen, "Pastor" erscheint ihm zu ausgeleiert und in der Bibel als Hirtendienst verstanden und "Prediger" sei im Volksverständnis eher mit negativen Assoziationen verbunden, meint David Kleist. Als "Gemeindeleiter" könnte er sich zwar bezeichnen, verzichtet aber darauf, weil er auf das Modell des Leitungsteams schwört. Wenn er die Berufsbezeichnung Polyorator benutze, geschehe überdies jedes Mal etwas Gewolltes: "Die Leute wollen wissen, was dies bedeutet." Und das wiederum gibt Kleist in der Regel Gelegenheit, mit Menschen über den christlichen Glauben ins Gespräch zu kommen.


Quelle: Idea Schweiz - Fritz Herrli

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