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EMKNI - 28.01.2002   Zurück zur Übersicht

Italien: Friedensgebet der Religionen in Assisi

Mehr als 200 Spitzenvertreter von zwölf Weltreligionen sowie 31 christlichen Kirchen und Gemeinschaften haben am 24. Januar im mittelitalienischen Assisi für den Frieden gebetet. Papst Johannes Paul II. hatte sie im November unter dem Eindruck der Terroranschläge in den USA und des Afghanistan-Krieges eingeladen. Vertreten waren neben Christen aller Konfessionen unter anderen Buddhisten, Hindus, Juden, Moslems und Anhänger von Naturreligionen. Sie waren am Morgen vom Vatikan aus mit einem Sonderzug in das 150 Kilometer entfernte Assisi gereist. "Wir sind als Pilger für den Frieden gekommen", sagte der Papst. Er forderte alle religiösen Gemeinschaften auf, jede Gewalt so eindeutig wie möglich zurückzuweisen. Es gebe kein religiöses Ziel, das die Gewaltanwendung gegen Menschen rechtfertige. Bei einer Versammlung auf dem Vorplatz der Franziskus-Basilika wandten sich Vertreter der Religionen in "Friedenszeugnissen" dagegen, Religion zur Rechtfertigung von Krieg und Terror zu mißbrauchen. "Nur der Friede ist heilig – niemals der Krieg", lautete eine zentrale Aussage. Der Respekt vor dem Göttlichen sowie vor Werten wie Brüderlichkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit eine die Religionen, so der Tenor der Ansprachen. Der Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, Rabbi Israel Singer, bezog sich als einziger Redner direkt auf die Terroranschläge in den USA. Die Attentate hätten "Wahnsinnige" ausgeführt, die behauptet hätten, im Namen Gottes zu handeln. Die moslemischen Vertreter gingen auf die Ereignisse vom 11. September nicht ein. Der Islam trete wie alle monotheistischen Religionen gegen Aggression und für die Gerechtigkeit ein, hieß es in einer verlesenen Botschaft des Scheichs der Al-Azhar-Moschee in Kairo, Mohammed Said Tatawi, der nicht nach Assisi gereist war.
Anschließend beteten die Vertreter der verschiedenen Religionen zeitgleich, aber an unterschiedlichen Orten zu ihren Gottheiten. Der Vatikan wollte so den Anschein einer Religionsvermischung vermeiden. In den Räumen des Franziskus-Konvents, in denen sich die nicht-christlichen Gäste zum Gebet versammelten, waren aus Rücksicht Kruzifixe und andere christliche Symbole vorübergehend verhängt oder entfernt worden. Die Vertreter der Christenheit, darunter führende Repräsentanten von Anglikanern, Baptisten, Methodisten, Orthodoxen und Lutheranern, trafen sich in der Unterkirche der Franziskus-Basilika zu einem gemeinsamem Wortgottesdienst.
Das erste Weltfriedenstreffen der Religionen hatte 1986 in Assisi mit 150 Religionsführern stattgefunden.


Quelle: idea Deutschland

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