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EMKNI - 09.07.2002   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Wort an die Gemeinden zu Terror und Krieg

Die Norddeutsche Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche hat, anlässlich ihrer Tagung vom 18. bis 23. Juni 2002, einen Text zu Terror und Krieg als Wort an die Gemeinden verabschiedet. Er lautet wie folgt:
"Die Terroranschläge vom 11. September haben uns alle aufgewühlt. Wir sind entsetzt über das, was Menschen durch Krieg und Terror einander antun. Wir sind betroffen von dem Leid, das oft wie aus heiterem Himmel über Menschen kommt.
Wir können die Rufe nach Rache und Vergeltung sowie den Wunsch verstehen, dem Terror mit militärischen Mitteln zu begegnen. Wir können nachempfinden, dass das Bedürfnis nach Sicherheit verletzt wird und das Bewusstsein von Verletzlichkeit nach erhöhten Schutzmaßnahmen ruft.
Wir wissen jedoch, dass die Ursachen von Gewalt, auch von terroristischer Gewalt, nicht zuletzt in den Strukturen unserer Welt zu suchen sind. Unfassbare Armut und unerhörtes Elend fordern tagtäglich tausende Todesopfer. Eklatantes Unrecht, gnadenlose Unterdrückung und fortwährende Demütigung lassen Menschen in der Gewalt ihren einzigen Ausweg sehen. Dabei tragen unser persönlicher Lebensstil, unsere Politik und unsere kapitalistische Wirtschaftsordnung wesentlich zu diesen ungerechten Strukturen bei. Dass die Gewalt sich auch gegen uns als Verursacher richtet, ist daher leider fatale Konsequenz.
Wir weigern uns, als Antwort auf die Gewalt neue Feindbilder aufzubauen. Wir sehen in Menschen anderen Glaubens, anderer Nationalität oder anderer Hautfarbe grundsätzlich keine potenzielle Bedrohung. Wir wollen der Versuchung widerstehen, Menschen einer anderen Religion pauschal als fanatische Gewalttäter zu betrachten. Wir wehren uns gegen jede Vereinnahmung der Religion für politische Zwecke.
Wir sehen in militärischer Gewalt kein Rezept zur Überwindung von Gewalt und Terrorismus. Der "Krieg gegen den Terrorismus" vervielfacht die Zahl unschuldiger Opfer, schafft neue Gewalt und verhindert den Aufbau einer gerechteren Weltordnung.
Wir bekräftigen unseren Einsatz für den Frieden. Wir wollen mithelfen, Ungerechtigkeit abzubauen, Lebenschancen zu stärken, gerechten Frieden zu entwickeln und Gewalt zu überwinden. Wir bekennen, dass wir mit unserem eigenen Lebensstil Gewalt fördern, und möchten umkehren auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit. Das Reich Gottes ist unsere Vision. Wir wissen uns dazu in der Nachfolge von Jesus Christus berufen, der "unsere Schwachheit auf sich genommen und unsere Krankheit getragen hat" (Mt 8,17).“


Quelle: EMK Deutschland

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