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EMKNI - 22.07.2002   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Baselbieter Regierung streicht Beiträge für Bethesda-Spital

Eine böse Überraschung erlebten letzte Woche die drei Direktoren der baselstädtischen Privatspitäler St. Clara, Merian Iselin und Bethesda. Der Kanton Basel-Landschaft verlängert den Vertrag nicht, durch den diese Spitäler bis jetzt Beiträge an die Kosten für die Behandlung von Patienten aus dem Baselbiet, die lediglich über eine Grundversicherung verfügten, erhalten hatten. Der Vertrag läuft somit per 31. Dezember 2002 aus. Nur der Vertrag mit der Psychiatrischen Klinik Sonnenhalde in Riehen wird weiter verlängert
Für das Jahr 2001 belief sich dieser Beitrag immerhin auf 3,3 Millionen Franken für rund 7'400 Pflegetage. Die finanziellen Leistungen waren an diese vier Spitäler seit dem Jahr 1954 erbracht worden.
„Die Direktoren der drei Privatspitäler zeigten sich schockiert und kritisierten das Vorgehen der Baselbieter Regierung als stillos,“ schrieb die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am letzten Freitag. Gemäss NZZ sei ihnen dieser Entscheid an einer Sitzung in Liestal eröffnet worden, zu der sie angereist waren, in der Annahme, es werde über die Verlängerung des Vertrags diskutiert.
Die Begründung für die Streichung dieser Beiträge sei die „stark zunehmende finanzielle Belastung, mit der sich der Kanton zur Zeit insbesondere im Gesundheitswesen konfrontiert sieht“ und „die nun hergestellte Gleichbehandlung mit den Baselbieter Privatspitälern, die vom Kanton Basel-Landschaft keine Beiträge erhalten,“ teilte Erich Straumann, Regierungsrat der Volkwirtschafts- und Sanitätsdirektion des Kantons Basel-Landschaft in einer Medieninformation mit.
Zur Streichung der Beiträge ein Kurzinterview von EMKNI mit Jürg Matter, Direktor des Diakonats Bethesda Basel, einem selbständigen Werk der Evangelisch-methodistischen Kirche:

Wie empfinden Sie diesen Entscheid?
Der Überraschungscoup des Herrn Straumann ist einerseits ein Schutz des eigenen Gärtchens „Halbkanton Baselland“. Die 3,3 Mio Gesundheitskosten bleiben in den eigenen basellandschaftlichen Kliniken Liestal und Bruderholz. Anderseits herrscht Wahlkampf. Straumann will Entscheidungsfreude und Durchsetzungsfähigkeit des strammen SVPlers demonstrieren. Insgesamt ist der Entscheid nach Inhalt und Form eine Brüskierung – nicht nur für die betroffenen und allesamt gemeinnützigen Privatspitäler, sondern vor allem für die Entwicklung einer gemeinsamen regionalen Spitalplanung der beiden Basel.

Wieviel Geld etwa hat das Bethesda-Spital pro Jahr vom Kanton Basel-Landschaft erhalten?
Die rund 300 Pflegetage, die 2001 durch den Kanton Baselland subventioniert wurden, betrafen lediglich Wohnkantonversicherte und die Disziplinen Rheuma und Rehabilitation.
Insgesamt sind es nicht existenzbedrohliche Verluste, die wir da erleiden. Wie gesagt, der Schaden liegt nicht primär im monetären Bereich, sondern in der Art und Weise, das Signal zu setzen: „Der (baselstädtische Privatspital-)Mohr hat (50 Jahre) seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen!“

Wirkt sich dieser Entscheid gravierend auf die Bilanz des Bethesda-Spitals aus?
Wir werden die bisherigen Bemühungen verstärken, die Anzahl Pflegetage sowohl in der Akutmedizin als auch in den Bereichen Rehabilitation und Palliativmedizin gleichzuhalten bzw. zu erhöhen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das auch ohne Vertrag mit dem Kanton Baselland gelingt.

Kann sich ein Patient, der nur über eine Grundversicherung verfügt, nun weiter im Bethesda-Spital behandeln lassen?
Die meisten Schweizer haben – manche ohne es zu wissen! – eine Zusatzversicherung: „ganze Schweiz“. Das heisst sie können nicht nur im Wohnkanton, sondern prinzipiell in der ganzen Schweiz hospitalisiert werden. Wer gerne ins Bethesda kommen möchte für einen medizinischen Eingriff, lasse sich vom Hausarzt an einen am Bethesda akkreditierten Belegarzt oder in die chefärztlich geführte Klinik für Rheumatologie und Rehabiliation überweisen. Wer im Bethesda gebären möchte und lediglich über eine Grundversicherung verfügt, kann sich durch eine fixierte Eigenleistung in die Halbprivat-Abteilung „einkaufen“. Grundsätzlich: Grundversicherte Patienten mit „Zusatz ganze Schweiz“ sind im Bethesda nach wie vor willkommen! Oder noch besser: wer es sich leisten kann, versichert sich privat oder halbprivat.


Quelle: NZZ/Medieninformation BL/EMKNI, Andy Schindler-Walch

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