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EMKNI - 19.06.2002   Zurück zur Übersicht

Polen: Bemerkenswerter Abschluss der Jährlichen Konferenz

Die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Chodziez, Polen, hat am Sonntag, dem 16. Juni 2002, einen bemerkenswerten Abschluss gefunden. 1. Die Benennung des Stadtparks an der Kardinal Wiszinski Strasse in Chodziez nach einem methodistischen Pastor, Professor und Oekumeniker, Pfarrer Dr. Janusz S. Ostrowski (geb. 7. Juli 1910 in Odessa, gestorben am 14. Mai 2002 in Warschau). Im Ostrowski Park wurde im Beisein der Vertreter der Stadt und der Römisch-katholischen Kirche ein Gedenkstein feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
Professor Ostrowski war in einer Polnischen Familie in Odessa am Schwarzen Meer geboren. Als er 14 Jahre alt war, zog seine Familie nach Warschau, wo er Philosophie studierte. In der Zeit, als die Deutschen Truppen Warschau besetzten gehörte er zum Widerstand. Er hatte in seiner Wohnung verfolgten Juden und Polen einen Unterschlupf gewährt. Als Mann des Widerstandes landete er selber im Gefängnis. In den Folterungen verlor er alle seine Zähne und hatte durch einen gebrochenen Kieferknochen ein für sein ganzes Leben ein entstelltes Gesicht.
Als er mit Hilfe einer Ärztin aus der Gefangenschaft befreit wurde, nahm ihn die Evangelisch-methodistischen Kirche unter ihre schützenden Flügel. Er wurde 1943 Mitglied dieser Kirche. Im Jahre 1947 hatte er den Auftrag als Pfarrvikar dieser Kirche angenommen. Er wurde 1950 zum Ältesten ordiniert und diente in Stettin, Koszalin und Slupsk. Die längste Zeit bis zum Ruhestand war er Pastor in Chodziez. Er wurde Ehrenbürger dieser Stadt.
2. Das Jubiläum für 100 Jahre Evangelisch-methodistische Kirche in Chodziez wurde eine für die polnischen Verhältnisse ausserordentliche Feier. Da die methodistische Kapelle viel zu klein war, wurde die Feier auf den Hauptplatz der Stadt verlegt. Der Gottesdienst unter freiem Himmel fand also unmittelbar vor dem Portal der römisch-katholischen Kirche St. Florian statt. Unter den Gottesdienstbesuchern befand sich ein Vertreter des Erzbischofs, der Pfarrer der römisch- katholischen Kirchgemeinde sowie der Stadtpräsident und Vertreter des regionalen Parlamentes. Ein Chor der römisch katholischen Kirche gestaltete die Feier mit. Für eine Stadt in Westpolen ist dies ein ausserordentliches Zeichen ökumenischer Offenheit, das die Präsenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Öffentlichkeit hervorhebt.
3. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Polen ist nicht nur in den grossen Städten, sondern auch in den von Armut geprägten ländlichen Gebieten tätig. Die Verhandlungen mit dem Staat über die Rückgabe kirchlichen Eigentums schleppen sich dahin. Bischof Heinrich Bolleter hat mehrere Orte ehemaliger methodistischer Präsenz besucht und festgestellt, dass hier ein grosses Potential an Gefässen für kirchliche und diakonische Dienste besteht. Für die Bereitstellung dieser Liegenschaften, welche einen sehr grossen Sanierungsbedarf aufweisen, müssen Partner gefunden werden.


Quelle: Bischof Heinrich Bolleter

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