Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 27.06.2002   Zurück zur Übersicht

Kommentar: Schwieriges Leben für ausländische Jugendliche in Zürich

Ein Kommentar* von Andy Schindler-Walch zum Beitrag der Sendung "Rundschau" über ausländische Jugendliche im Kreis 4 der Stadt Zürich, Schweizer Fernsehen SF 1, Mittwoch, 26. Juni 2002 (Wdh. der Sendung am Samstag, 29. Juni 2002, SF1, um 14.05 Uhr ):

Ausländische Jugendliche haben es schwer im Kreis 4 der Stadt Zürich. Ein Quartier mit einem Sex- und Drogenmilieu, das Jugendliche, seien sie aus Angola, dem Kosovo oder der Dominikanischen Republik, mitprägt. Doch nicht nur das Umfeld ist schwierig. Viele dieser Jugendlichen kommen aus Kriegsgebieten und sind traumatisiert. Dazu kommen Sprachschwierigkeiten, eine andere Kultur und besonders das Gefühl, nicht erwünscht zu sein oder gebraucht zu werden, führt bei diesen Jugendlichen zu Frustration, Resignation und Gewalt. Dies kann Konflikte mit der Polizei auslösen, zum Beispiel an der Nach-Demonstration am 1. Mai. Der 15-jährige Narim aus dem Kosovo meint, er könne durch das Steinewerfen auf die Polizei seine Wut über die Situation herauslassen. Dies stimmt nachdenklich.

Schwierig gestaltet sich auch die Lehrstellensuche für diese Jugendlichen. So wird im Fernsehbericht darauf hingewiesen, dass laut Arbeitsrecht für sie nur Berufsbranchen in Frage kommen, bei denen Personal fehlt. Die Auswahl beschränkt sich fast ausschliesslich auf Gastronomie, Pflege, Reinigung oder das Baugewerbe. Der junge Antonio aus Angola übt bei einem Integrationsprojekt ein Vorstellungsgespräch, um Küchengehilfe zu werden. Er möchte eigentlich Maler werden, doch die Chancen dafür sind schlecht. Oder Niomaries aus der Dominikanischen Republik, die erzählt, dass sie über fünfzig Bewerbungen geschrieben hat. Laut "Rundschau" fand sie am Schluss eine Lehrstelle in einem Hotel, wo sie zwei Jahre die Zimmer putzte und nichts lernen konnte.

Im Bericht positiv aufgefallen ist die Gemeinde Zürich 4 der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) mit ihrem Jugendprojekt NetZ4. Ein Ort, wo Begegnungen und Integration möglich ist. Zu sehen ist zum Beispiel, wie Antonio und seine Kollegen beten und danach einen fetzigen Rap im Gemeindesaal hinlegen. Oder wie sich eine Gruppe Jugendliche einmal in der Woche zum Mittagessen trifft. Markus Giger, Gemeindemitarbeiter der EMK-Zürich 4, kommt im Filmbeitrag mehrmals zu Wort. Anschaulich weist er auf die Probleme hin, die diese Jugendlichen haben.

Es ist zu wünschen, dass den ausländischen Jugendlichen im Kreis 4 noch mehr Möglichkeiten und Räume geboten werden, sich persönlich und beruflich zu entfalten und Werte für ihr Leben zu finden. Ein schönes Beispiel ist das erwähnte NetZ4. Hier wird Diakonie im Alltag spürbar. Christen wohnen in diesem Quartier und setzen sich für benachteiligte Menschen ein. Wahrlich ein Zeichen gelebter Nächstenliebe.

*Mit "Kommentar" deklarierte Texte müssen nicht mit der offiziellen Haltung der Evangelisch-methodistischen Kirche oder der Redaktion von EMKNI übereinstimmen.


Quelle: EMKNI

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"