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EMKNI - 07.03.2002   Zurück zur Übersicht

Russland: Planung von weiteren Einschränkungen der Religionsfreiheit

"Nur mehr «traditionelle» Glaubensgemeinschaften, die seit mehr als 80 Jahren bestehen und über eine Million Anhänger nachweisen können, sollen in Russland künftig volle Religionsfreiheit erhalten. Ein derartiger Gesetzentwurf steht im März auf der Tagesordnung der Duma, des russischen Parlaments", schreibt Heinz Gstrein, orthodoxer Theologe, Orientalist und Mitarbeiter von «Glaube in der 2. Welt» (G2W) in einer Meldung der "Reformierten Nachrichten" vom 6. März 2002. So habe der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses für «Öffentliche Vereine und religiöse Organisationen», Alexander Tschujew, als Promotor der Neuregelung ausgeführt, dass die erste Einschränkung der nach der Wende zunächst allgemeinen Religionsfreiheit unter Präsident Jelzin nicht mehr ausreiche, um Russland vor der zunehmenden «Aktivierung christlicher Sekten, von Neu- und Pseudoreligionen» zu bewahren.
Die bisherige Voraussetzung für die Gewährung voller Religionsfreiheit besteht seit 15 Jahre und geht auf die Zeit von Gorbatschows Perestrojka zurück. Diese Voraussetzung erfüllten Baptisten, Katholiken, Lutheraner, Methodisten, Pfingstchristen und Reformierte, nicht jedoch die besonders aktiv gewordene Heilsarmee sowie verschiedene evangelische Freikirchen.
Die vorgesehenen Neuregelung verlangt bei jenen ohne einschneidende Behinderungen anerkannten Glaubensgemeinschaften eine 80jährige Präsenz in Russland. Ausserdem kommt dazu eine Mindestzahl von einer Million Gläubigen. "Diese Voraussetzungen werden in Russland von keiner Kirche der Reformation und auch von den Ostkatholiken nicht erfüllt," so Gstrein und meint weiter: "Für Glaubensgemeinschaften, die «nationalen» Charakter haben, verlangt das neue Gesetz hingegen nur eine Anhängerzahl von 100'000, um sie als «traditionelle» Religion zu privilegieren. Das kommt in erster Linie Juden, Moslems und Buddhisten, aber auch den armenischen Christen zugute."
Es muss befürchtet werden, dass das neue Religionsgesetz, angesichts der gegenwärtigen Mehrheitsverhältnisse in der Duma, wo die heute auf die russische Orthodoxie, eingeschworenen Alt-Kommunisten sowie andere «Nationalorthodoxe» das Sagen haben, verabschiedet wird.


Quelle: Heinz Gstrein/Reformierte Nachrichten

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