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EMKNI - 28.05.2002   Zurück zur Übersicht

Österreich: 73. Jährliche Konferenz der EMK tagte in Wien

"Fremde in unserer Mitte"
Das Thema der diesjährigen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Österreich vom 22. bis 26. Mai 2002 lautete "Fremde in unserer Mitte". Die gastgebende Gemeinde Wien-Fünfhaus ist in einem Wiener Bezirk mit hohem ausländischem Bevölkerungsanteil beheimatet. Und so zog sich das Konferenzthema in verschiedenster Weise durch die Tage der Konferenz: bei den Abendvorträgen, in den gesungenen Liedern, durch die von Flüchtlingen zubereiteten kulinarischen Akzente, in den Gottesdiensten und durch die anwesenden Konferenzgäste.
Pastor Wilfried Nausner wies in seinem Referat darauf hin, dass es in der Gemeinde wichtig ist, Fremden und Gästen Aufmerksamkeit zu geben durch bewusstes Wahrnehmen und durch das Teilen des Lebensnotwendigen. Shukri Krunz, der das in der Nähe der Wiener Gemeinde sich befindende Evangelische Notquartier für Flüchtlinge leitet, zeigte in seiner Ansprache auf, wie diskriminierend der derzeitige österreichische Umgang mit Flüchtlingen und Asylwerbern ist. Es ist wichtig, dass hier nicht nur mit finanziellen Mitteln geholfen wird sondern dass diese entwurzelten Menschen spüren, dass sie auch in einem anderen Land Menschen sind und als solche angenommen werden. Am Samstagabend war Gelegenheit dazu gegeben, dies bei einem Grillfest im Kirchengarten zu praktizieren, denn dazu waren nicht nur Gemeinde und Konferenzgäste sondern auch Bewohner des Notquartiers eingeladen.
Superintendent Lothar Pöll zeigte in seinem ersten Bericht an die Konferenz die Relevanz dieses Themas für die Gemeinden auf: "Wenn Gemeinden beginnen, sich Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu öffnen, verändert das die Dynamik einer Gemeinde entscheidend. Traditionelle Gemeindekonzepte müssen dann überwunden werden. Das macht natürlich Angst und erzeugt Unsicherheiten. Trotzdem werden wir als Gemeinden nur wachsen und Zukunft haben, wenn wir uns forciert dieser Herausforderung stellen. In zehn, fünfzehn Jahren werden alle unsere Gemeinden multikulturell, mehrsprachig und bunter sein, oder sie werden nicht mehr sein."

Umstrukturierungen und personelle Veränderungen
In verschiedenen Zweigen der kirchlichen Arbeit wurde von geschehenen und bevorstehenden Umstrukturierungen berichtet. Damit ergeben sich auch einige personelle Wechsel.

Zentrum Spattstraße
Seit dem 1. Jänner 2002 ist der Betrieb des Zentrum Spattstraße mit seinem breiten heil- und sozialpädagogischen Angebot als gemeinnützige GmbH organisiert. Der große Zuwachs an Mitarbeitenden in den vergangenen Jahren sowie neue gesetzliche Auflagen erforderten diese Umstrukturierung. Das Kuratorium wird nun durch die Eigentümerversammlung und nicht mehr durch den Kirchenvorstand gewählt. Die gemeinnützige GmbH ist zu 100% im Besitz der Methodistenkirche. In Zukunft wird der Geschäftsführer Gottfried Fux anstelle des Kuratoriumsvorsitzenden Wilhelm Nausner an die Jährliche Konferenz berichten. Dieser erwähnte in seinem letzten Bericht, dass für den Jugendbereich eine neue Leiterin, Frau DSA Veronika Verzetnitsch MAS, gewonnen werden konnte. Sie wird in Zukunft nach bereits abgeschlossener Bedarferhebungen neue Projekte entwickeln. Neu eingerichtet wird per 1. Juni 2002 eine Public-Relations-Stelle. Erfreulich ist auch, dass das Bauprojekt Wienerstraße, in dem eine Jugendwohngruppe Platz findet, im Frühling 2002 abgeschlossen werden konnte.

Buchhandlung BMK
Im Buchhandel ist zur Zeit viel in Bewegung. Harald Schwartz von der BMK-Buchauslieferung berichtete von der Schließung der evangelischen Wartburg-Buchhandlung und der Einstellung des Buchgeschäftes der Österreichischen Bibelgesellschaft (außer Bibeln). In Zukunft wird sie „BMK-Wartburg“ heißen, die Arbeit dieser traditionsreichen Buchhandlung fortführen wie auch die Auslieferung der Schulbibeln übernehmen, was bisher die Österreichische Bibelgesellschaft ausführte.

Kinder- und Jugendwerk
Im Kinder- und Jugendbereich der Jährlichen Konferenz gibt es ebenfalls einige Veränderungen. Nach 11 Jahren legte Pastor Markus Fellinger seine Tätigkeit als Jugendsekretär zurück. Pastorin Anke Neuenfeldt übernimmt diese Aufgabe, während Pastor Wilfried Nausner nach zwei Jahren Pause wieder in die Arbeit mit Kindern einsteigt. Gleichzeitig soll das Kinder- und Jugendwerk neue Strukturen erhalten, um die Einbindung der Teenager zu verbessern. Zur nächsten Konferenz soll das neue Konzept vorliegen.

Religionsunterricht
Ein weiteres neues Konzept erfordert der Religionsunterricht. Wohl als Unikum im europäischen Methodismus wird in Österreich ein schulischer Religionsunterricht von der 1. bis 13. Klasse mit Notengebung im Zeugnis erteilt. Hingegen gibt es keine kirchliche Feier, die einer Konfirmation entsprechen würde. Wie die lebhafte Diskussion über die Bestandesaufnahme zeigte, sind die Situationen und Erwartungen der Gemeinden sehr unterschiedlich. Man kann gespannt sein auf das Konzept, das erarbeitet werden wird und das sowohl den staatlichen Auflagen wie auch den Möglichkeiten der am Unterrichtsgeschehen Beteiligten gerecht werden soll.

Neuer Konferenzlaienführer
In der Sitzung der Laiendelegierten wurde Gerhard Weissenbrunner zum neuen Konferenzlaienführer gewählt. Er löst damit Dr. Roland Siegrist ab, der 1988 in dieses Amt gewählt wurde. Die Laien werden sich im kommenden Konferenzjahr mit dem Pastoralkonzept für die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich beschäftigen, welches an der nächsten Konferenz, die in Linz stattfinden wird, zur Beschlussfassung vorliegen soll.

Dienstzuweisung St. Pölten
Aus der geschlossenen Sitzung der pastoralen Dienstgemeinschaft wurde unter anderem berichtet, dass Diakon Wolfgang Grabensteiner aufgrund seiner familiären Situation um Beurlaubung von seinem Dienst angesucht hat und diesem Ansuchen stattgegeben wurde. Pastor Lothar Pöll hat mit 1. September 2002 eine Dienstzuweisung für St. Pölten erhalten.

Abschlussgottesdienst
Zum festlichen Abschlussgottesdienst der englisch- und deutschsprechenden Gemeinden kamen Gäste aus Graz, Linz, Salzburg und St. Pölten nach Wien. Ein großer Chor mit über 50 Sängerinnen und Sängern aus allen Gemeinden und unter der Leitung von Jakob Abderhalden bereicherte die Feier. In seiner Predigt über 1. Petrus 1,1-3, in der die Christen als „Fremdlinge in der Diaspora“ angesprochen werden, betonte Bischof Heinrich Bolleter, der von einem der Kinder mit dem Titel „Kirchenfürst“ versehen wurde, dass es zum Leben als Christ in dieser Welt gehört, sich anzupassen und zugleich Widerstand zu leisten. Anpassung und Offenheit ist gefordert im Bezug auf die Menschen in dieser Welt besonders auch gegenüber den Fremden. Das ist das missionarische Amt der Christen. Widerstand aber ist zu leisten gegen Unmenschlichkeit und Schweigen zur falschen Zeit. Hier muss sich das prophetische Amt bewähren. Mit der Verlesung der Dienstzuweisungen an die Pastorinnen und Pastoren kamen der Gottesdienst und die Konferenz zum Abschluss.


Quelle: Esther Handschin

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