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EMKNI - 30.05.2002   Zurück zur Übersicht

Anstössiger und anstossender Bericht der Distriktsvorsteher und stehender Applaus für den scheidenden DV Urs Eschbach

Oben: Urs Eschbach informiert über Reinach. Unten: Herzliche Umarmung von Urs Eschbach durch Bischof Heinrich BolleterNeuzehn A4-Seiten Distriktsvorsteher-Bericht (DV-Bericht) – zu anspruchsvoll und zu schwierig zu lesen? Erste Voten und das Schweigen der Teilnehmenden an der Tagung der Jährlichen Konferenz (JK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich scheinen darauf hinzudeuten. Der Verlauf der Aussprache zeigt dann noch ein anderes Bild: Es lohnt sich, nicht zu schnell mit Lesen aufzugeben. Einige spannende Anstösse warten darauf, wahrgenommen zu werden. z.B.

- Im Bericht wird der Diakonie der Vorrang eingeräumt vor den anderen Tätigkeiten der Kirche bzw. der Gemeinden. Am Anfang steht die Diakonie Gottes an den Menschen, wie sie in der Sendung von Jesus Christus sichtbar geworden ist. Im konkreten Leben der Gemeinden besteht die Existenzberechtigung von Aktivitäten darin, dass die Diakonie Gottes dabei Menschen erreicht bzw. erreichen kann.
- In einem umfangreichen Kapitel wird beschrieben, wie der Grundauftrag der Kirche auf den verschiedenen Ebenen wahrgenommen werden soll. Vor allem die Auflistung der Verantwortlichkeiten von Kabinett und Gemeinden lösten einige bemerkenswerte Voten aus dem Plenum aus.
In die Verantwortung des Kabinetts fällt u.a. der Entscheid, den Dienst auf dem Bezirk Reinach als Kirche aufzugeben. Je nach Standort fielen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Von Mitgliedern und Freunden des Bezirks Reinach kommen Trauer, Enttäuschung und Hilflosigkeit zur Sprache (s. dazu den separaten Bericht - http://emknews.umc-europe.org/2002/mai/30-02.php). Aus dem Kabinett wird spürbar, wie viel Mut und Bereitschaft, über den eigenen Schatten zu springen und die Beendigung des Dienstes in Reinach zu initiieren und durchzuziehen, nötig waren. Aus dem Plenum kommen auch Voten, die die getroffene Entscheidung unterstützen. Ein Votant weist hin auf die Situation der Fischer an der Küste Portugals: Sie bemühten sich, Fische zu fangen, die nicht mehr da sind, weil zu viel gefischt worden ist. Die EU versuche, Vorschriften zu erlassen, die eben diese Fische, die nicht mehr da sind, schützen sollen. Dagegen wehrten sich wiederum die Fischer Portugals, weil sie nicht wollen, dass die Fische geschützt werden, die sie fangen wollen, obwohl sie nicht mehr da sind.
Für die Ebene der Gemeinden wird formuliert, wie der Auftrag der EMK am eigenen Ort mit den eigenen Möglichkeiten wahrgenommen werden kann. Es wird da geschrieben von Loslassen und Aufgeben von Strukturen, Veranstaltungen und Gemeindegruppen, die für die Erfüllung des Auftrags nicht mehr dienlich sind. Und es werden Hinweise gegeben, welche Türen aufgestossen werden können, um neue Wege zu finden, dem Auftrag der Kirche gerecht zu werden. – Stossseufzer eines Laienmitglieds der Konferenz: "Wie sag ich das der Gemeinde, aus der ich komme?!"
Denn bei genauem Hinsehen werden die Gemeinden an viele Verantwortungen und Möglichkeiten erinnert, die bei ihnen liegen und die sie wahrnehmen sollen. Gemeinden können nicht "der Kirche" Schuld zuweisen, wenn es harzt, und sie können nicht beliebig nach dem "Prinzip Hoffnung" leben, wo sich nichts verändert.
- Die Beschäftigung mit den jüngsten Entwicklungen auf dem Bezirk Reinach stellt auch andere Gemeinden vor viele Fragen, und das vielleicht drängender als auch schon. Eine Reaktion wird hörbar: Wie fest sollen wir uns mit solchen Fragen beschäftigen? Über diese Fragen reden kann man endlos, aber damit wird der eigentliche Auftrag vernachlässigt! Nur, so reagiert DV Wilhelm, muss man sich diesen Fragen stellen, bevor es zu spät ist. Sonst hilft alles Nachdenken nichts mehr. – Stossseufzer eines Laienmitglieds: "Forderungen formulieren geht einfach, aber wer macht die Arbeit? Wir Laien sind schon durch die Berufsarbeit bis aufs Äusserste gefordert!" Und Beobachtung aus der Dienstgemeinschaft: Auch Pfarrpersonen spüren Überlastung. Etliche bitten um Reduktion ihres Arbeitspensums, die ihnen auch gewährt wird – gewährt werden muss.

Schliesslich verdient die Verabschiedung von DV Urs Eschbach Erwähnung. Nach dem Dank in Worten durch Daniel Husser antwortet die Konferenz mit stehendem Applaus.


Quelle: EMKNI – Felix Wilhelm

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