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EMKNI - 21.11.2002   Zurück zur Übersicht

Israel: EMK-Pfarrer bei einer Demonstration festgenommen und wieder freigelassen

Gordon "Gordy" Hutchins, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche der Highland-Gemeinde von Tieton, Washington/USA, wurde am 15. November 2002 in Jayyous in der Nähe zur Grenze von Israel mit acht anderen internationalen Demonstranten sowie einem israelischen Demonstranten festgenommen. Die Gruppe hatte sich Palästinensern angeschlossen, die versuchten, israelische Bulldozer daran zu hindern, die Arbeit an einer Art "Trennungswand" fortzusetzen, weil sie der Ansicht waren, dass dabei illegal viel von ihrem fruchtbaren Ackerland besetzt würde. Hutchins trug zum Zeitpunkt des Vorfalls seinen Kleruskragen, so ein Demonstrant, der nicht festgenommen wurde.
Der Pfarrer war, wie verlautet, in den Nahen Osten mit einer lutherischen Gruppe aus Minnesota/USA gereist, um Palästinensern bei der Olivenernte zu helfen.
"Wir waren dort als Friedenswächter, als gewaltlose Befürworter, um zu diskutieren und eine Brücke zwischen den Israelis und den Palästinensern zu schlagen", sagte er dem United Methodist News Service in einem Telefoninterview am 20. November 2002. Als Soldaten Tränengas in die Richtung der Frauen schossen, versuchte der Pfarrer zu helfen, aber er wurde vorübergehend durch das Gas ausser Gefecht gesetzt, das einen "qualvollen Schmerz verursachte." Die drei Minuten, in denen er nicht richtig atmen konnte, seien die schlimmsten Minuten seines Lebens gewesen. Als er sich erholt hatte, versuchten Hutchins und andere Demonstranten, zwischen die Palästinenser und die israelischen Soldaten zu gelangen.
Ein Demonstrant, Thomas Linner aus Kanada, erhielt einen Schlag in den Magen mit dem Kolben einer Waffe und wurde weiter misshandelt, bis eine palästinensische Frau kam und sich zwischen ihm und dem Soldaten stellte. "Das war vermutlich die mutigste Tat, die ich je gesehen habe," so Hutchins.
Als die Soldaten versuchten, den einzelnen israelischen Demonstranten festzunehmen, ergriff Hutchins dessen Arm und liess ihn nicht mehr los. Am Ende wurden zehn Demonstranten festgenommen.
Nach ein paar Stunden in einem Militärstützpunkt wurden die Demonstranten zu einer anderen Polizeiwache und dann zur Polizeiwache im Ben Gurion Flughafen gebracht. Bis auf Hutchins und drei Männer wurden alle wieder freigelassen. Die Männer wurden ins Massyahu Gefängnis überführt, durchsucht und verhört. Die Bitte, einen Anwalt oder das US-Konsulat anzurufen, wurden ignoriert.
Nach zwei Tagen war er in der Lage, eine Telefonkarte via Schwarzmarkt zu kaufen und nannte am Telefon einem Anwalt das US-Aussenministerium und den methodistischen Bischof Elias Galvan aus Seattle.
Am 19. November 2002 wurde der Pfarrer zum Tor gerufen und ohne Erklärung freigelassen. Er hat sich seitdem der lutherischen Gruppe wieder angeschlossen und reist in die palästinensischen Gebieten und nach Israel. Hutchins sagte, dass er neunmal da gewesen sei, sei es als Tourist, Pilger oder Gruppenleiter, aber dieses Mal wollte er für sich erkennen, "was wirklich hier geschah". Der Pfarrer war total entmutigt, von dem was er vorfand. "Das Volk von Palästina wird systematisch zerstört," sagte er. "Ich liebe Israel und das Volk von Israel, aber etwas ist schrecklich, schrecklich schief gegangen."


Quelle: United Methodist News Service

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