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EMKNI - 02.10.2002   Zurück zur Übersicht

Bulgarien: 50. Jährliche Konferenz der EMK in Varna

Ein Bericht von Heinrich Bolleter, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa:

In Varna tagte vom 26. – 29. September 2002 die 50. Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Die Jubiläumskonferenz ist ein Anlass, um den Weg noch einmal abzuschreiten, den Gott eine Kirche geführt hat.
Die ersten methodistischen Missionare kamen im Jahr 1856 nach Bulgarien. 1876 hatte die erste Jährliche Konferenz getagt. Das war als der Aprilaufstand der Bulgaren gegen das türkische Joch blutig niedergeschlagen wurde. Die Kirche hatte von Anfang an das schwere Los des Bulgarischen Volkes mitgetragen. 1948 fand die letzte Jährliche Konferenz statt. Danach gab es eine Zeit, wo die Kirche konsequent vom Staat bedrängt und zerstört wurde. Die Pastoren wurden zu Gefängnis und Arbeitslager verurteilt. Die Kirchen wurden geschlossen.
Nach der Wende, im März 1990, sammelte Pastor Simeon Popov, der ehemalige Konferenzsekretär, die überlebenden Pastoren und einige verantwortliche Laien in Schumen. Sie beschlossen, den Bischof nach Bulgarien einzuladen und eine neue Kirchenleitung zu registrieren. Nach einem 42-jährigen Einreiseverbot ist im Jahre 1991 der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche nach Bulgarien gereist.
Mit der Unterstützung der Zentralkonferenz hat die EMK in Bulgarien eine schnelle Entwicklung erlebt. 1993 fand nach 45 Jahren Unterbruch die 41. Jährliche Konferenz statt. Die 50. Jährliche Konferenz ist auch die zehnte nach der Wende.

Die Kirche blüht auf. Im vergangenen Jahr haben sich neue Gemeinden in Grosdevo bei Varna, in Strachilovo bei Tirnovo, Omarovci bei Lovec, Salimetia bei Russe und Simnica bei Jambol gebildet. Mit der Ausnahme von Pleven sind die historischen Kirchen in den Zentren wie Sofia, Schumen, Lovec und Russe saniert. In Varna wurde im Zentrum der Stadt, als Ersatz für die alte Kirche, welche heute als Puppentheater dient, ein grosses Kirchenzentrum eingeweiht. Für die Gemeinden in den Dörfern hat die Konferenz eine “Normkirche“ entwickelt. Mit 15-20’000 Euro lassen sich diese Kapellen im eigenen Arbeitseinsatz aufbauen.
Im personellen Bereich sind Freude und Belastung oft sehr nahe beisammen. Die negative Beziehung eines Pastors zu seinen Kollegen, zur EMK in Bulgarien und zur Zentralkonferenz führte nach erfolglosen Versuchen der Versöhnung und der Integration zur Entlassung. Das war schmerzlich aber unumgänglich. Die Konferenz konnte jedoch auch neue Mitarbeiter beauftragen:
zwei Mitarbeiter wurden zu Laienpredigern ordiniert und ein bisheriger ordinierter Laienprediger, der nun sein Theologiestudium abgeschlossen hat, wurde als Pastor auf Probe aufgenommen.
Gute Berichte bekam die Konferenz über den Studenten in Graz/Waiern und den Studienabgänger, der nun ein Gemeindepraktikum in Graz absolviert.
In finanzieller Hinsicht hat die Kirche in Bulgarien das Ziel der Eigenfinanzierung fest ins Auge gefasst. Es wird jedoch angesichts der wirtschaftlichen Not im Lande noch einige Jahre dauern, bis das Ziel erreicht sein wird. Das soziale Engagement der Gemeinden ist gross. Es geschieht Hilfe im kleinen und im grossen Massstab. In Varna, Sofia, Jambol, Dobric und Russe werden enge Kontakte mit den Waisenhäusern gepflegt. Die Hilfe in den Gefängnissen in Belene, Rasdelna und Varna geht weiter. Es haben acht bis zehn Gefangene auch am Kirchenbau in Varna mitgearbeitet. Mit jedem Arbeitstag können sie sich zwei Tage ihrer Strafe “abverdienen“. Ausserdem bekommen sie einen Taglohn und werden von der Kirchgemeinde verpflegt und begleitet. Nun läuft wieder die Winterhilfe mit den Lebensmittelpaketen für bedürftige Familien an. Auch die Suppenküchen werden in der kalten Jahreszeit überall wieder ihre Arbeit aufnehmen. Die medizinischen Zentren in Schumen, Sofia und Varna bieten für die vielen sozial schwachen Menschen gratis Arztkonsultationen und Versorgung mit Medikamenten an.
Es soll ein Dank an alle Partnergemeinden im Ausland ausgesprochen werden, welche sowohl die Gehälter für die kirchlichen Mitarbeiter als auch die sozialen Initiativen mittragen.


Quelle: Bischof Heinrich Bolleter

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