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EMKNI - 09.10.2002   Zurück zur Übersicht

Schweiz: SEK lehnt die Initiative «gegen Asylrechtsmissbrauch» ab

Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) lehnt die Initiative «gegen Asylrechtsmissbrauch» ab, über die am 24. November 2002 vom Schweizer Volk abgestimmt wird. Der Rat schreibt in einer heutigen Pressemitteilung dazu:
Die Initiative verwehrt den wirklich bedrohten Asylsuchenden jeglichen Zugang und erteilt so der humanitären und christlichen Tradition der Schweiz eine Absage. Der Rat des SEK weiss um die Schwierigkeiten der Integration und nimmt die damit verbundenen Probleme ernst.
Für unsere ethische Grundhaltung und das aus ihr abgeleitete Verhalten stellen die weltweiten Fluchtbewegungen eine Herausforderung dar. Die Aufgabe unseres Landes im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit besteht in erster Linie darin, präventiv an der Beseitigung der hauptsächlichsten Fluchtgründe zu arbeiten: Gewalt, Hunger und Ungerechtigkeit.
Über ihre Hilfswerke tragen die Mitgliedkirchen des SEK dazu bei. Sie leisten einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Entwicklung und engagieren sich in der Not- und Überlebenshilfe.
Der Rat unterstützt alle geeigneten Massnahmen gegen den Missbrauch im Asylrecht. Er ist der Auffassung, dieser lasse sich mit den heutigen und den bereits vorgesehenen Instrumenten effizient bekämpfen. Insbesondere die Bemühungen des Bundesrates im Bereich der raschen Abwicklung des Asylverfahrens, der Rückkehrhilfe und der Realisierung von Rückübernahmeabkommen sind im Interesse der betroffenen Menschen zu unterstützen. Wesentlich ist, dass der Schutz des echten Asylsuchenden und jedes effektiv bedrohten Menschenlebens gewährleistet bleibt. Die Initiative bedeutet eine generelle Absage an diese humanitäre und christliche Tradition der Schweiz.
Der Rat ist sich bewusst, dass die Schweizer Bevölkerung teilweise beträchtliche Anstrengungen unternehmen muss, um die steigende Zahl der Asylsuchenden aufzunehmen und dass es im alltäglichen Zusammenleben zu Problemen kommen kann. Er ruft die Bürger und Bürgerinnen auf, in ihren Integrationsbemühungen nicht nachzulassen, und appelliert an seine Mitgliedkirchen, die eigenen Hilfswerke weiterhin zu unterstützen. Ihre Aufgabe ist es auch, die Schweizer Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass sich viele Asylsuchende in einer Krisensituation befinden und besonderen Beistand brauchen.
Der Rat ruft gleichermassen die Menschen auf, die in der Schweiz vorübergehend oder definitiv Asyl gefunden haben, sich aktiv um Integration zu bemühen. Er hofft, dass sich ihnen in unserem Land im Austausch mit unseren kulturellen Werten neue Perspektiven eröffnen. Der Rat hofft schliesslich, dass die nun bevorstehende Abstimmungskampagne vom Geist des Dialogs und des gegenseitigen Respekts getragen sein wird.


Quelle: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK)

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