Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 22.10.2002   Zurück zur Übersicht

USA: Methodistenbischöfe stehen nicht hinter Kriegstreiben der Bush-Regierung

Die Präsidentin des Bischofrats der EMK, Sharon A. Brown ChristopherIn einem offenen Brief an die evangelisch-methodistischen Christen hat die Präsidentin des Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), Sharon A. Brown Christopher, sich gegen einen präventiven Krieg gegen den Irak ausgesprochen, und alle Gläubigen gebeten, für die Politiker zu beten, besonders für die " Methodisten, Präsident Bush und Vizepräsident Cheney" im Weißen Haus. Der englischsprachige Wortlaut des Briefes kann unter http://www.umc.org/headlines/newsflash/default.htm gefunden werden. Eine Delegation von methodistischen Bischöfen wollte in gleicher Angelegenheit Präsident George W. Busch am 11. Oktober treffen. Sharon Brown Christopher schreib darüber: "Der Zweck der Besprechung war, die Kriegsposition der Kirche zu erörtern, Sorgen auszudrücken und für den Präsidenten zu beten. Das Weiße Haus lehnte die Bitte der Bischöfe um eine Besprechung ab und bot ein Treffen mit einer Stabsperson an. Die Bischöfe fanden dies unannehmbar. Sie versammelten sich später an diesem Tag, um mit der Presse zu sprechen, gaben eine Kopie des Textes am Eingang des Weißen Hauses ab und schlossen mit einem Gebet für den Präsidenten, die Nation und die Opfer des Krieges."

Pastor Helmut Robbe aus der EMK Deutschland hat den Brief von Sharon A. Brown Christopher nun übersetzt. Unten finden Sie den deutschsprachigen Text.


The United Methodist Church -Council of Bishops-
Sharon A. Brown Christopher -President of the Council- 4.10.2002


Liebe evangelisch-methodistische Schwestern und Brüder im Glauben,

ich schreibe Euch als Präsidentin des Bischofsrates in großer drängender Sorge angesichts der gefährlichen Lage, in der sich unsere Welt gegenwärtig befindet. Ich tue das, weil

1) das Evangelium des Friedens zu Gehör gebracht werden muss;
2) die sozialen Grundsätze unserer Kirche uns entsprechende Wegweisung geben;
3) unsere Generalkonferenz vom Bischofsrat erwartet, dass er "zur Kirche und als Kirche zur Welt spricht".

Es ist völlig klar, dass das Evangelium Christi ein Evangelium des Friedens ist. Jesus verwirft die gewaltsame Reaktion auf das Böse." Wer das Schwert nimmt, der wird durch´s Schwert umkommen."
Wenn Jesus zu uns redet und von einer neuen Lebensweise spricht, dann verkündigt er, dass Friedensstifter gesegnet werden und dass sie "Gottes Kinder heißen" werden. Er setzt den Maßstab sogar noch höher an, wenn er uns nachdrücklich auffordert, unsere Feinde zu lieben und "für die zu bitten, die euch verfolgen". Paulus sagt uns, dass wir nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern "Böses mit Gutem überwinden" sollen.
Unsere Generalkonferenz nimmt dazu auf der Grundlage dieser Lehren so Stellung: "Einige Staaten besitzen mehr militärische und wirtschaftliche Macht als andere. Die Machthaber sind dafür verantwortlich, dass ihr Reichtum und ihr Einfluss mit Zurückhaltung eingesetzt werden. ... Wir glauben, dass Krieg mit der Lehre und dem Beispiel Christi unvereinbar ist. Wir verwerfen deshalb den Krieg als Instrument der Politik. Wir bestehen darauf, dass es die wichtigste moralische Pflicht aller Staaten ist, alle zwischen ihnen aufkommenden Konflikte mit friedlichen Mitteln zu regeln."

Ganz ohne Zweifel hat Saddam Hussein bis heute in grober Weise gegen zahlreiche Resolutionen der Vereinten Nationen verstoßen, und es ist sehr anzuerkennen, dass Präsident Bush die Vereinten Nationen angesichts dieser Sachlage dazu aufgefordert hat, hier ihre Verantwortung wahrzunehmen. Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen müssen die notwendigen Schritte tun, dass es zur Einhaltung dieser Resolutionen kommt.

Ein Präventivkrieg gegen einen Staat wie den Irak widerspricht aber in jeder Hinsicht dem, was wir als Wesen des Evangeliums verstehen, den Lehren unserer Kirche und unserem Gewissen. Ein präventiver Angriff gibt vielmehr jede Zurückhaltung auf und verhindert die angemessene Anwendung friedlicher Mittel zur Konfliktlösung. Angesichts dieser Sachlage ist es für Menschen in der Nachfolge Christi nicht möglich zu schweigen.

Ohne Frage versetzt das Verhalten Präsident Husseins, das er erwiesenermaßen gegenüber den Bürgern seines und der Nachbarländer Iraks an den Tag legt, jeden nachdenklichen Menschen in tiefes Erschrecken. Unsere Kirche ist jedoch schon immer (aus historischen Gründen) eine Kirche gewesen, die nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung trachtet. Auch wenn wir anerkennen, dass die Anwendung militärischer Mittel unter außergewöhnlichen Umständen zur Selbstverteidigung nötig werden kann, steht unser Gehorsam gegenüber dem, was nach unserem Verständnis das Wesen des Evangeliums von uns fordert, an erster Stelle: Gnade, Barmherzigkeit, Friede, Gerechtigkeit und Liebe.
Deshalb rufe ich uns alle zum Gebet auf. Betet für die führenden Politiker der Nationen, von denen viele sich als Christen verstehen: dass sie sich bei allen entscheidenden Beschlüssen wirklich vom Geist Christi leiten lassen.
Schreibt ihnen, ruft sie an, teilt ihnen Eure tiefe Sorge mit. In besonderer Weise nehmt die Methodisten, Präsident Bush und Vizepräsident Cheney, in Eure Gebete auf, dass sie aufrichtig den Willen Gottes suchen, wenn sie ihre außerordentlich bedeutsamen Entscheidungen über Leben und Tod, Krieg und Frieden treffen.

In Christus - Sharon A. Brown Christopher

Kopien an Präsident George W. Bush
Vizepräsident Richard Cheney


Quelle: Paul Gräsle

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"