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EMKNI - 31.10.2002   Zurück zur Übersicht

USA/Israel: Beweist Ossarium die Existenz von Jesus und Jakobus?

Ben Witherington III, Professor für das Neue Testament am theologischen Asbury Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Wilmore (USA), ist der Ansicht, dass das Kalksteinossarium, das vor kurzem in Israel entdeckt wurde, den ältesten archäologischen Beweis von Jesus Christus zu liefern scheint.
Das Ossarium, ein Kasten, der zur Zeit von Christus von Juden verwendet wurde, um die Knochen vom Verstorbenen aufzubewahren, hat eine einfache, aber provozierende aramäische Inschrift: "Jakobus, Sohn Josefs, Bruder von Jesus."
Diese Inschrift war vom französischen Archäologen André Lemaire entdeckt worden. Witherington: "Die Inschrift sagt 'Jakobus, Sohn Josefs, Bruder von Jesus - nicht Jakobus, Bruder von Jesus, Sohn von Josef'. Wir hätten das Letztere erwarten können, wenn dies eine Fälschung wäre. Auch wenn wir die letztere Inschrift hätten, würde sie einige Fragen über Jesus' Beziehung zu Josef aufwerfen. Wie geschrieben steht, sagt es uns etwas über die Beziehung von Jakobus zu zwei seiner nahen Verwandten - seinem Vater und seinem Bruder. Diese Inschrift ist ein wichtiger Beweis, dass Jakobus existierte, jemand Wichtiges war und der Bruder war von einem anderen frühen Juden, der sehr wichtig war, - Jesus."
Der Archäologe Lemaire meint, dass die Namen zur Entstehungszeit dieses Ossariums im Jahr 63 n. Chr. gebräuchlich gewesen seien, doch die Wahrscheinlichkeit, dass im Normalfall alle drei gemeinsam auftauchen, wäre gering. Es war damals nicht üblich, die Namen von Vätern oder Brüdern auf solche Kasten zu gravieren. Darum muss der genannte Jesus eine bekannte Persönlichkeit gewesen sein, die einer Erwähnung wert war. Für diese Theorie spricht auch, dass Jakobus im Jahr 62 n. Chr. gesteinigt wurde - also zur Zeit der Entstehung jenes Ossariums. Jakobus, Leiter der christlichen Urgemeinde nach der Kreuzigung von Jesu, wird in der Bibel mehrere Male als "Bruder von Jesus" bezeichnet.
Es ist ungewöhnlich, dass der Kasten eine Inschrift hat, die sich auf einen Bruder bezieht, sagt auch Witherington. Es war nicht üblich, den Namen eines Bruders auf das Ossarium zu schreiben, es sei denn, der Bruder war jemand, der gut bekannt war. "Da hier auf Aramäisch eindeutig Bruder gesagt wird, ist die natürliche Folgerung ohne Qualifikation, dass Jakobus dieselbe Art von Blutsverwandtschaft zu Jesus hatte, wie zu Josef. Mit anderen Worten spricht sie gegen Theorien, dass Jesus' Brüder tatsächlich seine Vettern waren."
Weiter könnte, laut Witherington, falls die Verwendung dieses Ossariums im Jahr 63 n. Chr. erfolgte, damit belegt werden, dass die jüdischen Christen die Stadt Jerusalem noch nicht verlassen hatten und dass Jakobus noch am Leben war, als Paulus und Lukas im Jahr 60 n. Chr. Jerusalem verliessen.


Quelle: United Methodist News Service/archaeologie-online.de

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