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EMKNI - 03.09.2002   Zurück zur Übersicht

USA: Evangelisch-methodistische Kirche gegen einen Irak-Angriff

James E. Winkler, Generalsekretär des GBCSJim Winkler (jwinkler@umc-gbcs.org), Washington, Generalsekretär der Kommission für Kirche und Gesellschaft (GBCS - http://www.umc-gbcs.org/) der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK – United Methodist Church) hat sich am 30. August 2002 in einer Verlautbarung an alle Glieder der Kirche gewandt. Darin heißt es unter anderem:
"Die Bush-Regierung hat ungeachtet der Warnungen ihrer Alliierten, vieler Mitglieder des US-Kongresses, wichtiger Experten und Millionen von US-Bürgern ihre Absicht erklärt, einen Krieg gegen den Irak vom Zaun zu brechen... Ich bitte die Glieder der EMK, diesem leichtsinnigen Kurs entgegenzutreten und den Präsidenten zu drängen, der Bedrohung, die der Irak darstellt, mit anderen Mitteln entgegenzutreten... Unsere Kirche lehnt Interventionen ...kategorisch ab (Book of Resolutions 2000, S. 277) und hält es für die wichtigste moralische Pflicht aller Nationen, Auseinandersetzungen zwischen Völkern mit friedlichen Mitteln zu lösen.
Methodisten haben eine besondere Pflicht, sich gegen einen solchen Angriff auszusprechen. Präsident Bush und Vizepräsident Cheney sind beide Mitglieder unserer Kirche. Wenn wir jetzt schweigen, könnte das als stillschweigendes Einverständnis mit diesem Krieg interpretiert werden. Christus ist in die Welt gekommen, um den alten Kreislauf von Rache und Gewalt zu durchbrechen... Es ist undenkbar, dass der Friedensfürst Jesus Christus, unser Herr und Retter, diesen beabsichtigten Angriff gutheißen könnte...
Das Irak-Problem kann und sollte Angelegenheit der Vereinten Nationen sein (Book of Resolution 2000, S.684). Kein Mitgliedsstaat hat das Recht, einseitige militärische Aktionen ohne Billigung durch den UN-Sicherheitsrat zu unternehmen. Bisher ist der Sicherheitsrat nicht einmal gefragt worden. Arabische und Europäische Staaten widersetzen sich kräftig einer Invasion des Irak. Ihre Sicht kann und sollte nicht außer Betracht gelassen werden. Die Frage der Nicht-Zusammenarbeit mit den Waffeninspektoren ist eine Angelegenheit der Vereinten Nationen...
Ein 'Krieg als Vorsichtsmaßnahme' würde eine einschneidende und gefährliche Änderung der US-Außenpolitik darstellen. Es wäre auch ein erschreckendes Vorbild für andere Länder. Wie könnte man dann z. B. Indien oder Pakistan davon abhalten, einen Angriff auf das andere Land auszuführen mit der Begründung, sie könnten ja sonst eines Tages angegriffen werden? Präventivkriege als allgemeines Prinzip würden zu Katastrophe und Chaos führen...
Viele andere Fragen sind offen...
Das Regime von Saddam Hussein hat viele Grausamkeiten gegen sein eigenes Volk zu verantworten und spielt eine höchst negative Rolle in regionalen und internationalen Angelegenheiten. Wir alle ersehnen eine gerechte und friedliche Regierung im Irak. Das irakische Volk leidet seit vielen Jahren und unsere Gebete sind mit ihm. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die von ihnen verhängten Sanktionen, die schwersten, die sie je gegen ein Land verhängt hatten, zum Tod von einer Million Menschen geführt haben.
Wenn wir als Methodisten die Worte Jesu ernst nehmen, Friedensstifter zu werden (Matthäus 5) und Gerechtigkeit und Frieden zu suchen, müssen wir jetzt deutlich sagen, dass der Weg, den Präsident Bush einschlägt, den Worten Jesu entgegengesetzt ist, in keiner Weise mit der Position der Evangelisch-methodistischen Kirche übereinstimmt und die Rolle des (Völker-) Rechts als grundlegendes Prinzip der Demokratie bedroht. Dass der Zweck die Mittel heiligt, ist das schwächste aller möglichen Argumente. Unsere Nation verdient etwas besseres und die Welt erwartet etwas besseres von uns."


Quelle: Dr. Ulrich Meisel, Vertreter der EmK Deutschland im GBCS

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