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EMKNI - 23.04.2003   Zurück zur Übersicht

Frankreich: Jazzsängerin Nina Simone gestorben

Bild: Nina Simone 1997 in NizzaSie erntete weltweiten Ruhm und hatte große Erfolge, aber das Leben von Nina Simone war auch bestimmt von Verzweiflung, Zorn und Demütigungen. Die Künstlerin, die am Montag im Alter von 70 Jahren in Südfrankreich starb, war eine der großen weiblichen Stimmen des Jazz und gleichzeitig eine militante Mitstreiterin der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Zu den größten Erfolgen der Sängerin gehören Titel wie "I put a spell on you" (Hörprobe http://www.boscarol.com/nina/real/iputaspellonyou.ram), "My Baby just cares for me"(Hörprobe http://www.boscarol.com/nina/real/mybabyjustcaresf.ram) und besonders eine Version von Jacques Brel Evergreens "Ne me quitte pas" (Hörprobe http://www.boscarol.com/nina/real/nemequittepas.ram).
Die Eltern der kleinen Nina, die mit bürgerlichem Namen Eunice Waymon hieß, waren Methodistenprediger und drängten ihre Tochter zum klassischen Klavierspiel. Bereits mit sechs Jahren übte Simone Stücke von Bach und Beethoven. In den 50er Jahren faszinierte sie das Publikum in Bars und Nachtclubs mit ihren Kompositionen, die sie am Klavier begleitete. Später folgten Auftritte in der Carnegie Hall und beim Newport Jazz Festival. 1974 verließ Nina Simone die USA und wechselte mehrfach ihre Wohnorte, bis sie sich vor etwa zehn Jahren in Südfrankreich niederließ.
Die tiefe und rauchige Stimme von Nina Simone, ihre kunstvoll eingesetzten Pausen und ihr intensiver Gefühlsausdruck bleiben bei den Fans unvergessen. Ein unverhofftes Comeback erlebte ihr Song "My Baby just cares for me", der 1987 in einem Werbespot des Modehauses Chanel eine zweite und sehr ertragreiche Karriere machte, wobei die Schöpferin jedoch fast leer ausging. Grund waren ungünstige Verträge, mit denen sie die Rechte an ihren Kompositionen einige Jahre zuvor abgetreten hatte.
Ihr Leben lang hat die Sängerin unter dem Rassismus gelitten, wie sie in ihren Memoiren deutlich machte. Von daher rührte ihr Engagement für die Rechte der Schwarzen, wobei sie keineswegs pazifistisch gesinnt war wie etwa der Schwarzen-Führer Martin Luther King. Zu seiner Ermordung schrieb sie 1968 das Lied "Why, The King of Love is Dead". "Hätte ich die Wahl gehabt, so hätte ich Schlag für Schlag zurückgegeben", schrieb sie einmal.
Wie viele andere schwarze Künstler ihrer Generation wurde Nina Simone besonders zu Anfang ihrer Karriere in den 50er Jahren Opfer skrupelloser Manager. Jahrelang musste sie die nachteiligen Verträge abschließen, wodurch sie viel Geld verlor. Verloren hat sie auch geliebte Menschen. Die "Liebe meines Lebens" war für Nina Simone der Liberianer C.C Dennis, Vater eines früheren Premierministers des Landes. Sie habe ihn heiraten wollen, doch "er starb 1980 aus Trauer über den Tod seines Sohnes, der erschossen wurde", bekannte sie einmal.


Quelle: Hamburger Morgenpost

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