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EMKNI - 08.08.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Noch kaum Veränderungen bei den Asphalt-Roma von Medjitlija

Botschafter Erik Klipp, OSZE-Berater in Skopje, wies am Dienstag, 29. Juli, in einer E-mail an Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, darauf hin, dass ein grosses Problem darin bestehe, dass es in der breiten Öffentlichkeit der europäischen Länder kein Bewusstsein für die Not der Roma in Medjitlija und ganz allgemein für die Entwicklungen bezüglich der Roma auf dem Balkan gebe. Er hoffe auf Veränderung, sehe aber keine Anzeichen dafür, dass dies bald geschehen werde. «Roma is no headline-news!» Am Mittwoch, 30. Juli, berichtete die Tageszeitung «Dnevnik», dass sich der Roma-Nationalkongress nicht mehr um die Roma in Medjitlija kümmern würde, da auch die OSZE und die UNHCR nichts zur Lösung des Problems beigetragen hätten. Am Donnerstag, 31. Juli, traf sich in Potsdam/Deutschland eine offizielle Delegation des Europäischen Rates Methodistischer Kirche (u.a. bestehend aus Bischof Heinrich Bolleter, Birgit Klement, Thomas Kemper, Ulrich Meisel, Peter Siegfried und Moira Sleight) mit Pfarrer Mihail Cekov, um nach Möglichkeiten eines Engagements zugunsten der Roma in Medjitlija zu suchen. Im Rahmen dieser Begegnung berichtete Mihail Cekov über den von der OSZE organisierten Runden Tisch vom 24./25. Juli 2003 in Skopje (siehe auch EMKNI-Meldung vom 29.07.2003).

Wie sieht die Situation momentan aus?

Die 50 Roma, die von Rumänien aufgenommen werden sollen, sind immer noch in Medjitlija. Nach dem Round Table kontaktierten UNHCR-Vertreter die mit der medizinischen Hilfe besorgten Ärzte und drückten dabei den Wunsch nach einer Begegnung aus – ein Zeichen der Hoffnung. Eine Roma-Gruppe aus Medjitlija fuhr nach Skopje, um dort für ihre Anliegen zu demonstrieren und zusammen mit der makedonischen Regierung eine Lösung zu finden (z.B. provisorische Unterkunft in einem Studentenheim). Nach drei Tagen kehrte diese Gruppe erfolglos zurück — es seien ihnen nur Unterkünfte ohne Türen und Fenster angeboten worden. In persönlichen Gesprächen bestätigten mehrere Meinungsbildende unter den Roma, dass sie wirklich primär in den Kosovo zurückkehren wollen. Niemand kann dort aber für ihre Sicherheit garantieren.
In Makedonien haben die Roma keinen offiziellen Status. Jenen der «Flüchtlinge» haben sie ebenso abgelehnt wie jenen der «Zeitlich Vertriebenen». Die Hauptgründe dafür sind in der Tatsache zu suchen, dass sich die Roma nicht als Flüchtlinge, sondern als Vertriebene betrachten. Ausserdem haben sie Angst davor, sich mit einem Flüchtlingsstatus einer Regierung «auszuliefern», zu der sie absolut kein Vertrauen haben.

Die Delegation des Europäischen Rates legte hinsichtlich politischer Aktionsmöglichkeiten Strategien fest, um eine Lösung zu finden. Die EMK in Makedonien wird die medizinische Hilfe im bisherigen Rahmen unterstützen, solange die Kräfte reichen. Sie wird dafür finanzielle Hilfe aus Westeuropa erhalten und sie wird auch weiterhin versuchen, einen Hilfstransport mit Melonen und Gemüse nach Medjitlija zu bringen.

Bei einem Besuch in Medjitlija über das Wochenende vom 2./3. August konnte Christina Cekov kaum Veränderungen an der Situation feststellen. Immerhin hatte sich ein Meningitis-Verdachtsfall nach genaueren Untersuchungen nicht bestätigt. Unterdessen wurde ein siebtes Baby geboren. Am Dienstag, 5. August, wurde erneut eine Roma-Gruppe aus Medjitlija nach Skopje geholt, um dort andere Unterkünfte für ein provisorisches Zwischenlager zu besichtigen. Diese Gruppe war bis am Mittwoch noch nicht nach Medjitlija zurückgekehrt. Einer der Romaführer sagte im Gespräch mit Christina Cekov ausserdem, dass die 700 Roma eine Erfrischung in Form von 10 Wassermelonen erhalten hätten. Sonst seien keine Veränderungen bezüglich der Versorgung festzustellen. Am Mittwoch, 6. August, konnte Dr. Ulrich Meisel ausführlich mit einem engagierten Mitarbeiter der Menschenrechtsbeauftragten im Deutschen Aussenministerium sprechen. Dieser zeigte sich sehr interessiert und versprach, sich umgehend detaillierter ins Bild zu setzen. Für ihn scheint die Variante, dass von deutscher bzw. von EU-Seite her Geld zur Verfügung gestellt wird, um eine vorübergehende Verlegung der Roma in ein Quartier mit viel besseren Lebensbedingungen — und dazu näher an der Heimat — zu ermöglichen, durchaus realistisch zu sein. Da aber weder EU noch UNHCR noch die makedonische Regierung bei den Roma in Medjitlija auf einen Vertrauensbonus zählen dürfen, wäre die vermittelnde Tätigkeit der EMK in Makedonien bei der Organisation und Sicherstellung dieser Verlegung sehr wichtig.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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