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EMKNI - 12.08.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Roma haben Medjitlija verlassen

Die 700 Roma sind seit Samstag, 9. August 2003, nicht mehr auf dem Parkplatz der Grenzstation in Medjitlija (siehe auch EMKNI-Meldung vom 08.08.2003). Als der diensthabende Arzt Aleksandar und eine Krankenschwester zum Roma-Lager fuhren, um dort wieder Hilfe zu leisten, trafen sie niemanden mehr an. Die Roma waren verschwunden, ohne dass auch nur eine von medizinischer Seite involvierte Person informiert worden wäre, wohin die Reise gehen würde.

Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, konnte einen der Roma-Führer über das Handy erreichen. Er befand sich in einem Bus der UNHCR mit dem Ziel Skopje. Gemäss seinen Aussagen hatte der in den vergangenen Tagen immer stärker ausgeübte Druck schliesslich dazu geführt, dass sich die meisten der Roma dazu bereit erklärten, die Grenze zu verlassen — ohne allerdings eine Perspektive für eine menschenwürdige (Zwischen-)Lösung ihrer Not zu haben. Einer Gruppe, die in Medjitlija bleiben wollte, wurde mit der Polizei und mit Prügel gedroht, bis sie schliesslich auch aufgaben.

Weitere Telefongespräche am Samstagabend ergaben etwas mehr Klarheit: Eine Gruppe von ungefähr 17 Familien wurde nach Kumanovo in ein Lager gebracht. Dieses Lager sei aber dermassen überfüllt, dass die Leute auf den Gängen sitzen müssten. Eine weitere Gruppe wurde nach Katlanovo (bei Skopje) gebracht. Über deren Unterbringung ist derzeit nichts bekannt. Die Roma-Führer wurden voneinander getrennt. Die restlichen rund 150 Familien wurden offensichtlich einfach in der Roma-Siedlung Suto Orizari ausgeladen und dort ihrem Schicksal überlassen. Sie sollen sich dort nun selbst eine Unterkunft beschaffen. Weil die Roma-Siedlung aber schon vorher überfüllt war, gelang dies den meisten bis am Sonntagabend nicht, weshalb sie nun schon wieder buchstäblich auf der Strasse sitzen. Die UNHCR versprach jeder Familie einen Betrag von 200 Euro im Monat, mit der sich die Familien selber helfen sollen. Ein Zimmer in Suto Orizari kostet derzeit aber zwischen 100 und 150 Euro, und ausserhalb der Roma-Siedlung ist kaum Wohnraum zu finden, da niemand seine Zimmer/Wohnungen an Roma vermieten will — und wenn doch, dann höchstens die primitivsten Unterkünfte zu stark überhöhten Preisen. Auch in Skopje ist eine einigermassen gute Unterkunft mit sanitären Anlagen weit jenseits dessen, was mit dem Betrag der UNHCR bezahlt werden kann.

Das Problem ist aber ohnehin, dass noch keine Roma-Familie auch nur einen UNHCR-Cent gesehen hat — genauso wenig wie Nahrung oder medizinische Hilfe. Schliesslich wurde den Roma noch mitgeteilt, sie müssten bis Anfang September einen Asylantrag unterschreiben, wollten sie nicht den Status von Staatenlosen ohne Rechte erhalten.

Pfarrer Mihail Cekov wird versuchen, sich mit den Roma-Führern in Kirchenräumen der EMK zu treffen, um sich einen genaueren Überblick zu verschaffen und weitere Schritte, insbesondere auch die Fortsetzung der Nothilfe für die geschwächten Menschen, zu diskutieren.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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